Urlaubskarte kam erst nach 30 Jahren in Holzhausen an

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Verspätete Urlaubsgrüße: (von links) Herbert und Erika Krumm haben ihrem Schwager Gerhard (nicht im Bild) und ihrer Schwägerin Monika Krumm in den 80er-Jahren eine Postkarte aus dem Urlaub geschickt. Jetzt kam sie in Holzhausen an.

Holzhausen. Die Kinder wollten Blödsinn machen, war Monika Krumms erster Gedanke, als sie Anfang Juli eine Postkarte aus den 80er-Jahren aus dem Briefkasten holte.

„Hallo, ich mache Ferien in dem schönen Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel“ steht auf der Vorderseite der Karte von Schwager und Schwägerin, die noch die vierstellige alte Postleitzahl 3559 für Holzhausen darauf notiert haben. „Viele Grüße von der Nordsee senden Euch Herbert, Erika, Bianca und Carina. P.S.: Viele Grüße auch von Familie Birkenbusch“ ist auf der Rückseite zu lesen.

„Da hab ich mich sehr erschreckt, denn Frau Birkenbusch ist bereits verstorben“, erzählt Monika Krumm. Daraufhin beschloss sie, ihren Schwager und ihre Schwägerin doch mal darauf anzusprechen.

Lange Reise: Auf diese Urlaubsgrüße musste Monika Krumm 30 Jahre lang warten. Foto: zk

„Wir waren total überrascht, wir sind viele Jahre dorthin gefahren und haben eigentlich immer eine Postkarte geschickt“, berichtet Schwägerin Erika Krumm. Nachgefragt, ob die Karte auch angekommen sei, hätten sie jedoch nie.

Karten verschickt das Ehepaar Krumm noch heute aus dem Urlaub. „Wir schreiben die Karten eigentlich immer sofort und schicken sie direkt weg, denn sonst ist man womöglich früher zu Hause als die Postkarte“, sagt Erika Krumms Ehemann Herbert.

Aus welchem Jahr genau die Karte stammt, können Krumms nur raten: Der Poststempel ist nicht komplett auf der Karte zu sehen. Lediglich der 21.7. und die 8 sind zu sehen, dann ist das Ende der Karte erreicht. „Wir haben uns noch mal Bilder angeguckt und vermuten, dass es 1985 gewesen sein muss“, sagt Erika Krumm. Auch die Briefmarke fehlt, doch die Form des Stempels zeigt, dass sie sich erst nach dem Stempeln abgelöst hat. „Man sieht noch klare Umrisse, wo die Marke geklebt haben muss.“

Warum die Karte doch noch den Weg nach Holzhausen fand, dafür hat Empfängerin Monika Krumm eine bestimmte Theorie: „Wenige Tage, nachdem der Poststreik beendet war, hatten wir die Karte zusammen mit aktueller Post im Briefkasten.“ Wahrscheinlich habe man den Streik als Anlass genommen, mal gründlich aufzuräumen. „Wer weiß, in welcher Ritze, die gefunden wurde“, sagt Erika Krumm, die selbst noch ein über die Post verschicktes Päckchen vermisst.

Nächstes Jahr geht’s wieder zum Sommerurlaub nach Carolinensiel, dann müssen Erika und Herbert Krumm jedoch nicht auf die pünktliche Zustellung ihrer Urlaubsgrüße an die Daheimgebliebenen hoffen: „Da fahren wir alle zusammen an die Nordsee, wie schon vor zwei Jahren.

Das sagt die Post zu dem Fall

Dass nach so vielen Jahren eine verschwollene Postkarte doch noch ihr Ziel findet, komme nicht jeden Tag vor, sagt Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group auf Anfrage. „Das ist schon etwas Besonderes.“ Wie oft so etwas vorkomme, darüber gebe es keine Erhebungen. „Wie auch beim Brief gibt es bei einer Postkarte keinen Strichcode, ihr Weg kann also nicht nachverfolgt werden.“ Es sei schön, dass der Postbote die Karte noch zugestellt habe, obwohl keine Briefmarke mehr drauf war. Die Zustellung sei in einem solchen Fall Ermessenssache. „Er hat die Besonderheit erkannt und im Sinne des Kunden gehandelt.“

Mit dem Ende des Streiks will Kutsch die Zustellung der Karte jedoch nicht in Verbindung bringen, kann sich jedoch nicht erklären, wo sie bis jetzt lag und wie es doch noch zur Zustellung kam. Fakt sei, dass nichts verloren gehe. „Den Rest schaffen wir meist innerhalb eines Tages.“

Quelle: HNA

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