Urs Siegenthaler in Frankenberg

Veränderungen annehmen

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Urs Siegenthaler zeichnete vor Mitgliedern der Frankenberger Bank den langen Weg nach Brasilien nach.

Frankenberg - Mit Veränderungen lässt sich vieles erreichen - das gilt im Fußball wie auch im beruflichen Leben. Es ist jedoch schwierig, die "Ohnmacht der Gewohnheit" zu überwinden.

Für einen kurzen Moment schien die Fußballwelt am 8. Juli des vergangenen Jahres stillzustehen: Mit einem 7:1 gelang der deutschen Nationalmannschaft der höchste Sieg in einem WM-Halbfinale - und das ausgerechnet gegen Gastgeber und Rekordweltmeister Basilien. Der Weg dahin war für die Nationalmannschaft geprägt von Veränderungen. Über diese Veränderungen und den Willen diese anzunehmen und umzusetzen, referierte Urs Siegenthaler - Chefscout der deutschen Nationalmannschaft - vor Mitgliedern der Frankenberger Bank. Bei vielen Zuschauern weckte er damit noch einmal Erinnerungen an das Turnier. Zunächst aber war es an den „roten Fliegen“ den Abend musikalisch zu eröffnen.

„Die Ohnmacht der Gewohnheit, die steckt in uns“, sagt Siegenthaler. Es gehe darum, diese Gewohnheiten zu ändern. „Gehen sie nicht hin und arbeiten wie vor 50 Jahren“, sagte er. Der „Fosbury-Flop“ etwa war eine Veränderung, die den Hochsprung revolutionierte. Man müsse bereit sein, Veränderungen anzunehmen. Die Nationalmannschaft habe dies getan und mit Joachim Löw auch einen Trainer, der die Qualität besitze, Veränderungen bedingungslos anzunehmen, sagte Siegenthaler. Vor der WM stand Löw zur Diskussion: Man habe verlangt, dass das Team einen Marathon in drei Stunden läuft. Gelaufen ist sie diesen Marathon, aber wie Siegenthaler sagt hat sie dafür nur zwei Stunden und 59 Minuten gebraucht.

Der Weg nach Brasilien

begann im Jahre 2004

Als Startpunkt für den Weg der Mannschaft setzte Urs Siegenthaler er das Jahr 2004: „Deutschland war die Nummer 16 auf der Welt“, sagte er. Nach der Vorrunde der Europameisterschaft war Schluss. Danach ging es jedoch stetig bergauf - zunächst nur mit einer Idee. „Allein mit einer Idee wurde Deutschland 2006 Dritter“.

Bis Brasilien war es dennoch ein weiter Weg, der mit vielen weiteren Veränderungen einherging, wie der Umstellung des Spiel-Systems auf 4-2-3-1 bei der Europameisterschaft in Spanien. Bis ins Finale führte der Weg. Dieses habe man dann gegen einen besseren Gegner - die spanische Mannschaft - verloren, gabe Siegenthaler zu. Mit einem Generationenwechsel im Jahr 2010 und einem Wechsel des Spielstils im Jahr 2012 führte der Weg dann zum besagten Turnier in Brasilien. Dennoch seien die Großereignisse immer die kritischen Pfade gewesen.

Bei den Fouls kletterte die Mannschaft von Platz 24 auf den zweiten Rang - was die Fairness angeht. „Das hat Eindruck gemacht“, sagte Siegenthaler. Die Rund 60 Prozent an Ballverlusten im Angriffsdrittel wurden auf knapp 30 Prozent reduziert. Wo früher sechs bis acht Kilometer zurückgelegt wurden, sind es heute 13, was früher als Schuss galt, ist heute ein Pass, argumentierte Siegenthaler: „Die Veränderungen sind so offensichtlich und sie wollte niemand sehen“. Die Mentalität des Teams habe sich ebenfalls verändert: „Es ist alles möglich, wenn wir nur alles tun dafür“, sagte Siegenthaler und daran glaube auch die Mannschaft.

Motivation durch

American Football

Um diesen Glauben zu wecken, halfen sogar Motivations-Videos aus dem American Football. Siegenthaler zeigte sich Stolz auf das Team, denn es habe das Bild Deutschlands im Ausland verändert: „Die Mannschaft ist der beste Botschafter Deutschlands“, sagt der gebürtige Schweizer.

Es sei also auch der Wille gewesen, Veränderungen anzunehmen, der die DFB-Auswahl dahin geführt hat, wo sie heute steht. Getreu nach dem Motto: „You can‘t Change the Direction of the Wind - but you can set the Sails“.

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