Künstlerin zeigt Bilder bei Documenta

Vergängliche Kunst auf Wasser und Eis

Mit Tusche malt die Ernsthäuser Künstlerin auch im Schnee: Bei ihren Figuren arbeitet sie auch das Umfeld, wie etwa Wasser, Steine oder Wurzeln, in das Gesamtwerk ein, um lebendige Szenen entstehen zu lassen.Foto: Diana Kahn

Burgwald-Ernsthausen - Grüne Farbtupfer, die im Wasser verschwimmen; Gesichter, die auf Eis gezeichnet sind; Figuren aus Sand, die um Bäume tanzen - Diana Kahn schafft vergängliche Kunstwerke. Am Ende bleiben nur Fotos davon. Die waren bei der Documenta in Kassel zu sehen.

Diana Kahn ist eine Naturkünstlerin: Sie schafft Kunstwerke aus der Natur in der Natur. So schafft sie etwa mit Rindenmulch um Bäume herum eine möglichst glatte Oberfläche - und zeichnet mit Sand darauf Symbole und Figuren. In ihrem Atelier hat sie die Wirkung verschiedener Materialien lange ausprobiert, bevor sie den für die perfekten Kontrast gefunden hat. Wenn Kahn die Muse küsst, geht sie in den Wald und erarbeitet ein Werk. Das fotografiert sie dann - mehr bleibt am Ende nicht, denn ihr Bild verwittert mit der Zeit.

„Diese Kunst hat eine Eigendynamik entwickelt: Ich habe gemerkt, dass Wetterlage und Umfeld einen Einfluss darauf haben“, sagt die Künstlerin. Im Winter hat sie daher Eis und Schnee als Untergrund für ihre Werke genutzt und darauf mit Tusche gemalt. In fließenden Gewässern experimentiert sie schon mal mit Farbe: Bunte Klekse macht sie ins Wasser und fotografiert, wie sich das grün oder weiß immer weiter verteilt, filigran fließt und sich irgendwann ganz auflöst.

Fotos dieser vergänglichen Kunstwerke waren in Kassel zu sehen: Bei der Documenta besprach Lori Waxman Bilder - live vor Publikum. „Sie will die Besprechung von Kunst demokratisieren und die Menschen am Entstehungsprozess teil haben lassen“, erklärt die Ernsthäuser Künstlerin. Über einen Bildschirm sahen die Documenta-Besucher Bilder von Kahns Werken und Lori Waxman an ihrem Laptop - wie sie schreibt, Wörter nachschlägt, sich die Bilder betrachtet. „Es war ein sehr schönes Gefühl, dass meine Werke dort gezeigt wurden“, sagt Kahn. Sie sei selbst auf Waxman zugegangen und habe ihr Fotos angeboten, als sie von der Live-Besprechung hörte.

Die Ernsthäuserin ist vielseitig. Nicht nur mit Naturmaterialien schafft sie ihre Werke: Begonnen hat sie damit, realistische Malereien mit Acrylfarben auf die Leinwand zu bringen. Portraits der Gebrüder Grimm, Stadtansichten, einen Hafen oder traumhafte Landschaften. Das macht sie auch heute noch - diese Werke verkauft sie, anders als die Naturkunst. Die macht sie nämlich, um sich frei ausdrücken zu können, ohne Termindruck und Zwang.

Der Weg zur Naturkünstlerin war für Kahn ein langer Entwicklungsprozess, der sie immer weiter führt. „Ich habe etwas gesucht, was nicht jeder macht“, erzählt sie. Etwas Besonderes - und so sei sie auf diese vergängliche Art der Kunst gestoßen. Allerdings prägte sie damit nicht eine völlig neue Weise sich auszudrücken: Die Symbole und Figuren, die sich in ihren früheren Werken auf Leinwand finden, bildet sie heute mit Sand unter Bäumen ab. Moderne Symbole, wie etwa kleine Flugzeuge oder Autos, finden sich auf ihren Leinwänden und im Sand direkt neben kulturhistorischen Symbolen - ägyptischen Hieroglyphen, Federn und Sonnensymbolen. „Pflanzen, Tiere, Menschen und Gegenstände mischen sich gleichwertig. Bei der Komposition sind mir Ordnung, Struktur und Bewegung wichtig“, erklärt die Künstlerin. Mit ihren Kompositionen hat sie bereits Trennwände in einer Mannheimer Kirche während Umbauarbeiten gestaltet - heute hängen diese in einem Kirchenamt.

Kommentare