Junger Argentinier Alejo Martinez seit einem Jahr in Deutschland · Aktion der Rotary-Jugenddienste

„Viel von der deutschen Kultur gelernt“

Ende der Woche verabschiedet sich der junge Argentinier Alejo Martinez (Mitte) von seiner Gastfamilie Luisa, Regina und Klaus Kümmel sowie Dr. Michael Waßmuth (von links), dem neuen Präsidenten des Frankenberger Rotary-Clubs. An seinem Rotary-Blaser nimmt er viele Pins als Erinnerungen mit nach Hause. Foto: Frank Seumer

Frankenberg - Er mag Schnitzel und die schöne Landschaft: Nach einem Jahr tritt der 17-jährige Austauschschüler Alejo Martinez in Kürze wieder den Heimflug nach Argentinien an.

„Ich war sehr glücklich hier in der Familie“, erzählt der junge Argentinier über seinen fast einjährigen Aufenthalt bei der Familie Kümmel in der Frankenberger Sternstraße. Der Abiturient sprach vorher kein Deutsch und war nie in Europa. Trotzdem bewarb er sich bei den Rotary-Jugenddiensten für einen Schüleraustausch. Deutschland war seine erste Wahl, im vergangenen August kam er nach Frankenberg. Er besuchte ein zweiwöchiges Sprachcamp auf der Wasserkuppe in der Rhön und später die Edertalschule. Dort lernte er nicht nur die Sprache, sondern auch viele Freunde kennen. Regelmäßige Treffen mit anderen Rotary-Austauschschülern in Hessen sowie Urlaube und Ausflüge mit der Gastfamilie sorgten für ein abwechslungsreiches Jahr.

Freunde finden war schwer

„Ich habe viel von der deutschen Kultur gelernt“, sagt Alejo rückblickend. Höhepunkt war eine 19-tägige Bustour mit 50 weiteren Austauschschülern durch Europa. Belgien, Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien waren die Stationen in den Osterferien. Mit der Gastfamilie fuhr er eine Woche zum Skifahren in die Alpen. Der Argentinier aus Las Grutas hatte vorher nie auf Skiern gestanden und absolvierte einen Skikurs mit Bravour. „Ich wohne direkt am Strand und mache eher Sommersport“, sagt er. Der lange Winter und das kalte Wetter sind seine einzigen Negativerlebnisse aus Deutschland. Das gute Essen, die schöne Landschaft, die Reisen und die Rotary-Meetings bleiben dagegen positiv in Erinnerung.

Regelmäßig nahm Alejo an Treffen und Firmenbesichtigungen des Frankenberger Rotary-Clubs teil. Er hielt einen Vortrag über sein Heimatland und absolvierte an der Volkshochschule einen weiteren Deutschkurs. Am Frankfurter Goethe-Institut erreichte er ein Sprach-Zertifikat. Besondere Erlebnisse waren ein Urlaub auf Sylt, ein Fußballballspiel im Dortmunder Stadion, ein Straßenfest oder ein Oktoberfest. In der Freizeit spielte Alejo Basketball und Volleyball, viele Stunden verbrachte er auch am Computer. „Freunde zu finden war doch schwer, die Jugendlichen haben hier wegen der Schule nicht so viel Zeit“, erzählt Alejo.

In der Gastfamilie lebte er mit Klaus und Regina Kümmel und den beiden Töchtern Luisa und Sophie. Alejo half beim Rasenmähen oder Schneeschieben. „Beim ersten Raureif fragt er. Ist das schon Schnee“, erzählt die Gastmutter“. Am zweiten Weihnachtstag feierte er seinen 17. Geburtstag. Er verschweigt auch sein Heimweh nicht: „Das passiert immer.“ Über Internet und Skype hatte der Halbwaise regelmäßig Kontakt zu seiner Mutter und seinen älteren Geschwistern. In der eigenen Familie lebte für drei Monate eine Austauschschülerin aus Flensburg.

In Argentinien will er nach seiner Rückkehr viel für die Schule lernen, denn bis Dezember soll das Abitur geschafft sein. Ab nächstem Frühjahr will Alejo in Buenos Aires Psychologie studieren. In zwei der drei Jahren möchte er mit seiner Familie wieder nach Deutschland kommen und ihnen das Land zeigen. Auch München und Hamburg hat er selbst noch nicht kennen gelernt.

Von Frank Seumer

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