Gemünden

Viel zu tun für den Museumsverein

- Gemünden (gl). Der Gemündener Museumsverein will die Früchte 
seiner Arbeit präsentieren und das Obergeschoss des Gebäudes "Zur Burg 3" mit Bildern der Stadt um 1950 schmücken.

Norbert Otto ist sichtlich stolz auf das Haus „Zur Burg 3“, das er mit Kollegen des Gemündener Museumsvereins seit etwa zwei Jahren umbaut. Er führt dur1ch die Räume, zeigt die Arbeiten, die bereits vollendet sind und erklärt, was noch zu tun ist, bis aus der Baustelle ein Ausstellungs- und Begegnungszentrum wird. Das Haus, etwa 200 Jahre alt, liegt hinter der Kirche. Die Stadt hatte es von den vorigen Besitzern erworben und dem Museumsverein zur Nutzung überlassen, um daraus eine Begegnungsstätte zu machen, in der die kulturelle und strukturelle Entwicklung der Stadt und ihrer Ortsteile bestaunt werden kann. Das Gebäude allerdings glich vor zwei Jahren eher einer Ruine und steckte voller Bausünden. Nachdem die Vereinsmitglieder die Hinterlassenschaften des Vorbesitzers aus dem Weg geräumt hatten, zeigte sich, dass an vielen Stellen mit Betonmörtel gearbeitet worden war. Die fleißigen Helfer machten sich ans Werk, das Haus in einen Zustand zu bringen, der dem eines Dorfmuseums würdig ist. Wo der Betonmörtel nicht direkt an der Außenwand angebracht war, wurde er entfernt und durch Lehm ersetzt. Das Treppenhaus wurde umgebaut, ist nun weniger steil. Dafür muste ein Zwischenboden in die Treppe eingezogen werden. Eine Dachdeckerfirma hat den alten Dachstuhl komplett entfernt und ein neues, dichtes Dach auf das Gebäude gesetzt. Alte und morsche Stützbalken wurden erneuert oder mit tragfähigeren Balken gesichert. Insgesamt, so schätzt Norbert Otto, stecken in dem Gebäude „Zur Burg 3“ derzeit etwa 450 Stunden Eigenleistung. Mindestens noch einmal so viel müsse wohl investiert werden – dazu die Arbeiten von Elektrikern und anderen Unternehmen. 3500 Euro hat der Verein bisher ausgegeben, grob geschätzt von Otto. Die Dachsanierung trägt die Stadt Gemünden. Was aus dem Haus wird, wenn es fertig ist, davon hat Norbert Otto bereits eine genaue Vorstellung. Den 30 Mitgliedern des Museumsvereins ist es ein Anliegen, allen Geschichtsinteressierten Bürgern Gemündens und auch Besuchern von Außerhalb einen Einblick in das Leben von damals zu gewähren. Ein typisches „Dorfmuseum“ soll hinter der Gemündener Kirche deshalb gerade nicht entstehen. Zwar soll es eine feste Ausstellung zur Dorfgeschichte geben, angedacht sind aber vor allem wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. „Wir haben einen bunten Fundus an alten Trachten“, berichtet Otto, außerdem Gegenstände aus keltischer, also vorchristlicher Zeit sowie viele Fundstücke aus dem 17. Jahrhundert. Vieles davon wurde bei den Grabungen an der nahen Kirche zu Tage gefördert. Auch alte Dokument zu Gemünden und seinen Ortsteilen hat Otto derzeit zu Hause, sie sollen die Ausstellungen bereichern. Außerdem soll das Haus auch zum Verweilen und zum Austausch einladen, sobald es fertig ist. Es ist ausdrücklich auch als Begegnungszentrum geplant. Tag der offenen Tür Einen ersten Blick in das neue Gebäude „Zur Burg 3“ können Interessierte am 13. November ab 15 Uhr werfen. Dann veranstaltet der Museumsverein einen Tag der offenen Tür. Dafür hat Otto Fotos von Gemünden und seinen Stadtteilen aus dem 1950-er Jahren besorgt, die ein Marburger Fotograf damals systematisch gemacht hat, um Dorfentwicklungen zu dokumentieren. „Wir hoffen, dass viele kommen, um sich die Bilder und den Baufortschritt anzuschauen“, sagt Otto und weist im gleichen Atemzug darauf hin, dass noch keine Heizung eingebaut ist und die Fenster noch nicht dicht sind: „Die Besucher sollen sich warm anziehen.“ Kaffee und Kuchen soll während des Tages der offenen Tür die letzte Kälte aus den Glidern treiben. Um weiterbauen zu können, ist der Museumsverein auf Geld angewiesen – auch bislang wurde nur aus Spendengeldern gebaut. Daher hat sich der Verein etwas besonderes einfallen lassen: Während des Gemündener Adventsmarktes am 4. und 5. Dezember hat er sich in das ehemalige Schuhhaus Gilbert im Steinweg einquartiert. Dort wollen die Mitglieder Kalender mit den Motiven der Ausstellung verkaufen. Als kleine Besonderheit hat Otto ein Büchlein mit dem Titel „Haushaltsgeister“ aufgelegt – alte Kämmereirechnungen von 1794, die vom Leben in Gemünden vor 200 Jahren berichten. Die schönsten Geschichten alter Dokumente hat Otto für dieses Büchlein zusammengetragen und illustrieren lassen. Der Erlös geht komplett in die Sanierung des zukünftigen Ausstellungs- und Begegnungszentrums.

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