"Mitunter emotionale Debatten“

„Große Lkw fahren uns fast die Füße ab": Streit um Umleitung wegen zu viel Verkehr

Zu eng: Weit mehr Autos und LKWs als sonst fahren durch die Straße Am Bahnhof. Dieses Auto hält sich an das vorgeschriebene Tempo von 30 Stundenkilometern. Viele andere allerdings nicht. Begegnen sich dann zwei Laster, wird es gefährlich. Fotos: Pflug

Gemünden. In Gemünden wird seit Herbst 2015 an der Hauptstraße gearbeitet. Das bringt viele Einschränkungen für die Bürger und Autofahrer mit sich. Jetzt wird über die Umleitung gestritten.

„Das gibt mitunter emotionale Debatten“, sagt Bürgermeister Frank Gleim. Der Grund: Viele Auto- und LKW-Fahrer fahren nicht weitläufig um Gemünden herum, sondern erst einmal in die Stadt hinein. Alle, die nicht Anwohner, Geschäftskunden oder Zulieferer sind, sollten eigentlich über Langendorf, Rosenthal und Sehlen und umgekehrt nach Gemünden oder daran vorbei fahren. Diese Umleitung ist auch so ausgeschildert.

Wer aus Richtung Frankenberg trotzdem in die Stadt fährt, steht irgendwann vor einem Schilderwald, der den Zugang zur Lindenstraße verhindert. Fahrer haben dann die Wahl, den Schildern nach links oder rechts zu folgen. Wer rechts wählt, fährt entlang der Straße Am Bahnhof.

Dort steht auch das Haus der Familie Parthesius. Und die ist inzwischen von der Mehrbelastung genervt. Es sei deutlich lauter als sonst und gefährlicher. „Die großen Laster fahren uns hier fast die Füße ab, wenn sie aneinander vorbei müssen“, sagt Irmgard Parthesius. Das lässt sich kaum vermeiden, da die Straße am Bahnhof schmal ist und auch nicht auf dieses hohe Verkehrsaufkommen ausgelegt. Selbst zwei Autos müssen beim Aneinander-Vorbeifahren mitunter bremsen. LKWs dagegen müssen rangieren und auf den Seitenstreifen und Bürgersteig ausweichen. Es seien auch längst nicht alles Zulieferer, sondern viele Lastwagen mit fremden Kennzeichen und über 3,5 Tonnen, sagt Parthesius. Also solche, die diesen Weg gar nicht nehmen dürften.

„Ich mache mir Sorgen um meinen Enkel, der bald zu Besuch kommt“, sagt Irmgard Parthesius. Den könne sie nicht guten Gewissens alleine draußen herumlaufen lassen. Denn viele halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Eigentlich dürfen nur 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden. Auch deshalb haben Mitarbeiter des Ordnungsbehördenbezirkes nun schon mehrfach geblitzt. Die Auswertung der Daten stehe noch aus, teilt eine Mitarbeiterin auf HNA-Nachfrage mit.

Seit fünf Wochen wird am dritten Bauabschnitt auf dem Steinweg, beziehungsweise der Lindenstraße zwischen Untertor und Moischeider Straße, gearbeitet. Dieser soll laut Bürgermeister Ende des Monats fertiggestellt werden. Danach wandert die Baustelle weiter entlang der Landesstraße in Richtung Frankenberg. Komplett sollen die Bauarbeiten mit der Sanierung der Hainstraße und Kreisstraße 99 im Frühjahr 2017 abgeschlossen werden.

Das sagt Bürgermeister Frank Gleim:

„Die Debatte wird mitunter sehr emotional geführt. Natürlich entsteht durch die Bauarbeiten eine große Belastung für die Bürger. Es ist so, dass viele Autofahrer die weitläufige Umleitung ignorieren und stattdessen ihrem Navi folgen. Die fahren dann erst einmal nach Gemünden rein. Auch wer sich auskennt, sucht sich seine eigenen Schleichwege. Dieser Verkehr und die Arbeiten betreffen allerdings das ganze Stadtgebiet. Ich möchte an die Solidarität der Gemündener appellieren, denn die Bauarbeiten dauern lange und betreffen uns alle. Mal mehr, mal weniger.

Wir versuchen immer auf sinnvolle Vorschläge einzugehen und manches wird auch erst während der Bauarbeiten klar. So haben wir das 30er-Schild schon umgesetzt, gerade gestern einen weiteren Hinweis für LKW-Fahrer aufgehängt und die Kollegen des Ordnungsbehördenbezirk haben schon öfter geblitzt.

Wem Falschparker auffallen, wie etwa auf dem bereits wieder frei gegebenen Teil des Steinwegs oder ortsfremde LKWs auf der Straße Am Bahnhof, der soll das bitte dokumentieren, der Verwaltung übergeben und als Zeuge zur Verfügung stehen. Wir alle wissen, die Situation ist nicht schön, aber sie lässt sich eben auch nicht vollständig vermeiden. So sind im Bereich des Alten Bahnhofs viele Unternehmen angesiedelt, die auf Zulieferer angewiesen sind. Diese werden auch im nächsten Bauabschnitt, wenn die Einfahrt nach rechts aus Richtung Frankenberg in die Straße am Bahnhof nicht mehr möglich ist, dort herfahren.“

Quelle: HNA

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