Zwischenbilanz nach sechs Jahren "Naturschutzgroßprojekt Kellerwald-Region"

Viele kleine Projekte, ein großes Ziel

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Kellerwald-Edersee - Zufrieden blicken die Verantwortlichen auf die ersten fünf Jahre Naturschutzgroßprojekt zurück: Viel haben sie für den Naturschutz im Kellerwald bereits erreicht. Es gab Hubschraubereinsätze, neue Attraktionen für den Tourismus und sichtbare Erfolge in der Landschaft. Aber es gab und gibt auch Herausforderungen, Verzögerungen und unterschiedliche Zielsetzungen, die unter einen Hut zu bringen sind.

Die Kellerwald-Region startet ins sechste von neun Jahren, um in der Region verschiedene Naturschutzprojekte mit insgesamt 6,2 Millionen Euro vom Bund voranzubringen und langfristig zu sichern.

Das Naturschutzgroßprojekt Kellerwald-Region (NGP) erstreckt sich auf vier Kerngebiete – von den Edersee-Steilhängen im Norden bis zum Waldgebiet rund um den Wüs­tegarten im Süden. Insgesamt finden sich in diesen vier Gebieten mehr als 200 sogenannte Handlungsräume. Darin wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Doch in allen Kerngebieten besteht weiterer Handlungsbedarf.

Nationalpark Kellerwald-Edersee:

Am Bloßenberg wurde das größte hessische Vorkommen der seltenen Pfingstnelke gesichert, indem mithilfe von Baumkletterern und Hubschraubern Kiefern aus dem unwegsamen Gelände entnommen wurden. Außerdem wurden Barrieren wie Rohre und Sohlabstürze im gesamten Nationalpark entfernt. Heideflächen am Fahrentriesch und Heiligenstock-Triesch wurden regeneriert und zum Teil geplaggt. Noch umzusetzen sind die Anlage eines Umgehungsgerinnes am Banfewehr, die Anlage weiterer Plaggflächen, gegebenenfalls die Nachpflanzung einer Streuobstwiese am Fahrentriesch sowie die Entnahme von weiteren Kiefern und das Entfernen von Nadelstreu am Bloßenberg.

Steilhänge nördlich des Edersees:

An Katzenberg, Hochstein, Hegekopf und an der Kanzel wurden Nadelbäume herausgenommen, außerdem für die Regeneration von wertvollen Magerrasenflächen bei Wal­deck gesorgt. Für die künftige Besucherlenkung ist die Planung erfolgt, außerdem wurde eine erste Prozessschutzfläche festgelegt. Noch umzusetzen sind die Widmung von 300 Hektar unentgeltlichen Prozessschutzflächen, die Abwicklung der entschädigungspflichtigen Flächen und eine weitere Entnahme von Nadelholz.

Hoher Keller:

Dieses Kerngebiet teilt sich in zwei Maßnahmenräume auf: die Waldlandschaft „Neugesäß“ am Wüstegarten und das Urfftal. Dort wurden in den vergangenen Jahren durch das Großprojekt Moore und Feuchtwälder sowie Gewässer durch die Entnahme von Nadelholz regeneriert und verbessert. Am Grat des Wüstegartens wurden Fichten entnommen, außerdem ist an der Mausefalle ein Bohlensteg zum Schutz der Blockhalden entstanden. Unterhalb des Grats sind Prozessschutzflächen ausgewiesen worden. Im Urfftal ist die Planung für die Gewässerrenaturierung erfolgt, die Nadelgehölze in der Aue wurden entnommen.

Kulturlandschaft Frankenau und Wesetal:

In diesem Kerngebiet steht die Arche-Region im Fokus, wo unter der Regie des Arche-Vereins ein Erlebnispfad durch die alte Kulturlandschaft entstanden ist. Das NGP hat in diesem Bereich Zäune gekauft und Aufträge zur extensiven Bewirtschaftung an Tierhalter vergeben. Noch umzusetzen sind die Besitzeinweisung und die genaue Verortung der neuen Eigentümer, die Ersteinrichtung von Biotopen auf geeigneten Flächen, die Beruhigung sensibler Bereiche und die Ausweisung von Schutzgebieten. In den Heiden bei Altenlotheim und Frebershausen sowie in der Kuppenlandschaft bei Gellershausen wurden an zahlreichen Stellen Büsche und Nadelbäume entfernt – oftmals unter dem Einsatz von Pferden anstelle von schweren Rückefahrzeugen. In diesen Gebieten ist ein weiterer Flächenankauf möglich, ebenso die Einrichtung von weiteren Biotopen. Vor allem aber hat das NGP-Team dort knapp 100 Hektar Land erworben.

(Von Andrea Pauly)

Einen ausführlichen Artikel mit weiteren Hintergrundinformationen lesen Sie in der Donnerstagausgabe der Frankenberger Zeitung.

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