Treffen des Netzwerks Integration in Frankenberg

Viele wollen helfen

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Das Sprecher der Arbeitsgruppen im Frankenberger Netzwerk Integration suchen Unterstützung bei der Betreuung von mittlerweile rund 150 Flüchtlingen in der ganzen Stadt, von links Monika Lacher, Karl-Heinz Bastet, Petra Wollbold-Meyer, Anne Ahlborn, Herbert Keim und Anke Katte. Fotos: Frank Seumer

Frankenberg - Wohnungssuche, Deutschunterricht, Kleiderspenden, Freizeitgestaltung, Behördengänge: Alle Hände voll zu tun haben die Akteure des Frankenberger Netzwerks Integration mit der Betreuung von rund 150 Flüchtlingen in der Illerstadt.

Mit fast 80 Teilnehmern gefüllt war am Montagabend der historische Rathaussitzungssaal. Viele Frankenberger wollen mithelfen und sich um die Integration der Neubürger aus Syrien, Irak, Iran, Pakistan, Afghanistan, Somalia, Eritrea, Äthiopien oder den Balkanstaaten kümmern.

Karl-Heinz Bastet, Sprecher des Netzwerkes, schilderte die Entstehung der Zusammenarbeit vieler Ehrenamtlicher und die Gründung von Arbeitsgruppen im Herbst 2014 (FZ berichtete). Neben Deutschunterricht, Versorgung mit Kleidung, Begleitung von Fahrten zu Behörden und Ärzten sowie Freizeitangeboten wachsen die Aufgaben immer weiter. „Wir suchen dringend Hilfe in der Bevölkerung“, rief Bastet den Interessierten zu.

Nach Anerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft sind viele Familien und Einzelpersonen aus der Gruppenunterkunft im Haus Ahlborn bereits in private Wohnungen umgezogen. Weitere Wohnungen werden dringend gesucht. Karl-Heinz Bastet organisiert derzeit die Umzüge und bat um Unterstützung beim Transport und der Einlagerung von Möbeln. Es gäbe viele Angebote bei Haushaltsauflösungen, aber nicht genügend Fahrzeuge. Beim Tragen helfen die Flüchtlinge regelmäßig mit. Die Firma Thonet hat eine ehemalige Maschinenhalle als Zwischenlager zur Verfügung gestellt.

In den neu eingerichteten Wohnungen müssen Küchen aufgebaut und Lampen montiert werden. „Wir suchen Handwerker“, sagte Bastet. Ferner sollen Patenschaften für die Flüchtlinge eingerichtet werden, um sie dauerhaft zu betreuen. Ein Koordinator wird gesucht. „Die Menschen sind für uns ein Gewinn“, betonte Bastet. Er stellte auch das umfangreiche Sportangebot mit Fußball in der Friedrich-Trost-Schuele, Schwimmen, Kegeln, Fitness und Judo vor. Gesucht werden Aufsichtspersonen in den Sporthallen. Geplant ist ein Schwimmkurs für Kinder und Jugendliche. Ferner soll ein offener Kaffee- und Spieletreff für Frauen mit Kindern eingerichtet werden.

Herbert Keim und Anke Katte zeichnen verantwortlich für den Deutschunterricht. Ehrenamtliche Lehrkräfte leiten derzeit vier Kurse im Haus Ahlborn, in der Friedrich-Trost-Schule, im evangelischen Gemeindehaus und im Bürgertreff Zeitraum.

Darunter ist auch der 20-jährige Syrer Raviar Khalil, selbst erst seit März in Deutschland, der einen Alphabetisierungskurs leitet. Petra Wollbold-Meyer betreut die Kleiderkammer im Haus Ahlborn. Sie appelliert an alle Spender, Kleidung nur nach vorheriger Terminabsprache abzugeben.

Gesucht wird regelmäßig Herrenbekleidung in kleinen Größen für junge Männer: Schuhe, Hosen, T-Shirts, Pullover, Hemden, warme Jacken und Sportbekleidung. Für Damen und Kinder werden derzeit nur Winterjacken und Schuhe benötigt. Dringend gesucht werden Rucksäcke, Reisetaschen, Wasserkocher und Kleinelektrogeräte. Auch Fahrräder, Fahrradtaschen, Computer und Laptops werden gerne angenommen.

„Alle sind freundlich und hilfsbereit, man bekommt so viel zurück von den jungen Menschen“, sagte Anne Ahlborn als Betreiberin des Heims. Sie stellte klar, dass auf dem Gelände keine Wohncontainer aufgestellt werden sollen, sondern es bei den 70 Plätzen in den Räumen des ehemaligen EAM-Gebäudes bleibe. Sie sucht noch Bratpfannen, Kochtöpfe, Geschirrtücher und weitere Utensilienn zur Ausstattung der Küchen.

Aus dem Publikum kam der Vorschlag und das Angebot zur Einrichtung einer Homepage. Die zahlreichen Vertreter von Firmen und Unternehmen wurden aufgefordert, die Talente der Flüchtlinge zu nutzen, die nach ihrer Anerkennung dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. „Unter den Neubürgern sind Ärzte, Apotheker, viele Hochschulabsolventen - alles feine Kerle und sehr intelligente Menschen“, betonte Bastet. Er dankte auch der evangelischen Kirchengemeinde, die zwei vom mittlerweile ausgesetzten Dublin-Drei-Abkommen betroffenen Syrern Kirchenasyl gewährte. Kurz zur Sprache kam auch eine mögliche Vereinsgründung, um den Integrationsnetzwerk einen rechtlichen Rahmen zu geben und eine steuerrechtliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit anzustreben.

Weitere Diskussionspunkte waren Versicherungsfragen sowie die Unterstützung durch die Stadt Frankenberg.

Von Frank Seumer

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