Orchesterklasse fünf bereitet sich auf ihr Adventsvorspiel vor

Aus vielen kleinen Teilen wird ein großes Ganzes

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Die Schüler der Orchesterklasse fünf lernen bei einem Probenwochenende neue Stücke, proben aber auch die bereits bekannten.

Frankenberg - Ein emsiges Treiben herrscht am Donnerstag um neun Uhr im großen Übungsraum. 22 Kinder haben ihre Instrumente ausgepackt, Notenständer umgestellt, Noten ausgebreitet. Martin J. Fischer stimmt noch einige Geigen. Alle setzen sich halbrund ums Klavier. Dann geht es los.

Die Probe beginnt mit einem fröhlichen „Guten Morgen, Herr Fischer“. Erwartungsvolle Blicke, Konzentration: Es wird still. Dann erklingen die ersten Takte. Moment mal... Ist das dieselbe Orchesterklasse fünf, die vor einigen Wochen das erste Stück gemeinsam in der Kulturhalle gespielt hat?

Zu Beginn des zweiten von drei Probentagen in der Jugendherberge „Hohe Fahrt“ in Vöhl am Edersee spielen die Schüler der Edertalschule die bisher einstudierten Arrangements: „Der-nur-zwei-Töne-Song“ von Christoph Schönherr, von Martin J. Fischer umgeschrieben für die vorhandenen Orchesterklassen-Instrumente, und das „Lied der Piraten“ in Anlehnung an den „Drunken sailor“, vereinfacht, aber ebenso schön und mit Gesang, und „This land is your land“ - das Stück, das die Kinder in der allerersten gemeinsamen Probe vor sieben Wochen anstimmten (FZ berichtete) und das sie am längsten kennen.

Sauber, rhythmisch sicher und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit spielen die Kinder dieses kleine Lied, und nichts erinnert mehr an die Probe vor sieben Wochen. „Toll, oder?“ Martin J. Fischer ist stolz auf seine Orchesterklasse.

Dann teilt Martin Fischer Noten für ein neues Stück aus. Die Kinder sollen es zunächst in einzelnen Instrumentengruppen erarbeiten und gehen dazu in separate Räume. Ohne Lehrer üben die Kinder dann selbständig ihren Part, verbessern sich gegenseitig, helfen einander. Sie üben gemeinsam und völlig eigenständig. Ihr Lehrer geht von Gruppe zu Gruppe und hilft bei unsicheren Stellen.

Im Gruppenraum treffen sich alle wieder und setzen das Stück zusammen. „Little drummer boy“ heißt es, ein amerikanisches Weihnachtslied. Nebenbei, in den Pausen oder abends, proben die einzelnen Stimmgruppen auch jeweils noch ein eigenes Stück, welches sie mit ihren Instrumental-Lehrern erarbeitet haben. Diese solistischen Einschübe sind ebenfalls für das Adventsvorspiel geplant und sollen demonstrieren, was die Kinder seit Beginn der Orchesterklasse bereits gelernt haben.

„Die drei Probentage in der Jugendherberge ersetzen theoretisch mehrere Monate an regulären Proben, denn wir haben immer nur eine Schulstunde pro Woche für gemeinsame Proben“, erläutert Martin J. Fischer. „Bis alle Instrumente gestimmt und alle Fragen geklärt sind, bleibt an einem Freitagmorgen nicht mehr viel Zeit für die eigentliche Probenarbeit. Wir nutzen die Zeit hier viel intensiver und effektiver, die Ergebnisse sind daher äußerst ertragreich.“ Neben vielen Pausen und Freizeitbeschäftigungen wie Spaziergängen, Ballspielen und einem bunten Abend proben die Schüler insgesamt etwa 13 Stunden.

Und dann spielt die Orchesterklasse schnell nochmal alle Stücke hintereinander durch, schließlich gibt es gleich Mittagessen und einige Schüler sind zum Tischdienst eingeteilt.

Von Dorothea Wagener

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