Tenor nach Ortsbeiratssitzung: „Frankenberg wäre uns lieber gewesen“

Viermündener diskutieren über Kreuzungsbahnhof

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Frankenberg-Viermünden - Die Reaktivierung der Bahnstrecke Frankenberg – Korbach sorgt weiter für Diskussionen. In Viermünden sprachen die Bewohner mit Vertretern der Bahn und des Nordhessischen Verkehrsverbundes über den dort vorgesehenen Kreuzungsbahnhof.

Nur selten sind Ortsbeiratssitzungen wohl so gut besucht wie am Donnerstagabend in Viermünden. Etwa 30 Bürger, vor allem Anwohner der Bahnstrecke, waren gekommen, um mit Vertretern der Kurhessenbahn und des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) über den geplanten Kreuzungsbahnhof zu sprechen. Die Anzahl der Gäste, aber auch die Anwesenheit des Geschäftsführers des NVV, Wolfgang Dippel, zeigte, welche Brisanz das Thema weiterhin mit sich bringt.Doch vielen ging es auch bei der Ortsbeiratssitzung zunächst um die Reaktivierung der Bahnstrecke an sich – vielen der Anwesenden fehlt das Verständnis für das Großprojekt. Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß musste so immer wieder darauf hinweisen, dass dieses Thema durch sei: „Ich bin auch kein Bahnfahrer. Aber als Demokrat weiß ich: Wenn politische Entscheidungen gefällt werden, dann hat man diese zu akzeptieren.“

Letzter Zug gegen 20 Uhr

Und so stellten NVV-Projektmanagerin Anette Blumberg und Hans-Martin König, Leiter Infrastrukturplanung bei der Kurhessenbahn, die Entwicklungen an den einzelnen Haltestellen von Frankenberg-Goßberg bis Herzhausen im Detail vor – mit Buswendehämmern, Park-and-ride-Plätzen, Fahrradparkplätzen und digitalen Informationstafeln für die Abfahrtszeiten. Lediglich für Vier­münden fehlten die Grafiken. Denn durch die neuen Begebenheiten wird der Bahnhof erst 2016, also nach der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke, umgebaut.

Dass überhaupt ein Kreuzungsbahnhof notwendig geworden ist, hängt mit Verkehrsplanänderungen des benachbarten Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ab Dezember 2016 zusammen. „Wenn wir nicht reagieren würden, wären die Fahrgäste die Leidtragenden“, sagte Anette Blumberg. Diese müssten dann beim Umstieg in Brilon-Wald in Richtung Dortmund über eine Stunde warten. Damit das nicht passiert, sollen künftig Züge im Zweistundentakt zur gleichen Zeit in Korbach und in Marburg losfahren. Diese begegnen sich dann genau in Viermünden. „Uns wäre Frankenberg auch lieber gewesen, aber da gibt es fahrplantechnisch keine Möglichkeit“, erklärte König. Er und Anette Blumberg versuchten den Viermündenern einige Sorgen zu nehmen. So werde der letzte Zug gegen 20 Uhr fahren, nachts seien keine Fahrten geplant. Die Lärmgrenzwerte würden eingehalten. Allerdings könne es vorkommen, dass schon mal ein einzelner Güterzug die Strecke nutze. „Aber hier werden nachts keine Hunderte Meter langen Ferngützerzüge durchrollen“, sagte König. Dafür biete sich die Strecke nicht an – weil es zu viele Steigungen gebe und weil sie nicht elektrifiziert sei. Dass einer­ der beiden Züge in Viermünden mit laufendem Motor warten muss, weil der andere Zug Verspätung hat, könne vorkommen. Mittelbahnsteig entsteht König erläuterte zudem, dass für jeden gefällten Baum und jede entfernte Hecke Ausgleich geschaffen werden müsse. Das geschehe durch Bepflanzung an den neuen Bahnhöfen und durch zusätzliche Flächen in der Ederaue. In Viermünden gab es Ärger wegen eines Baumes. „Auch wir hätten den Baum gerne erhalten, doch Hessen-Forst und die Landwirte konnten nicht weitere Flächen abgeben.“ Wegen der dortigen Kurve und möglichen Verkehrsaufkommens hätte der Baum letztendlich entfernt werden müssen. Bautechnisch wird der Bahnübergang in Viermünden modernisiert. Die Fahrbahn wird angepasst, Halb- und Fußwegschranken werden angebracht. Der Viermündener Bahnhof soll im Sommer 2016 für rund 2,5 Millionen Euro umgebaut werden und nicht wie die anderen bereits 2015. An den Kosten sollen Landkreis und Stadt nicht beteiligt werden. Das Bahnhofsgebäude in Viermünden befindet sich in Privatbesitz. Damit die Gleise nicht zu nah an das Objekt geraten, wird das gesamte Projekt mit Bahnsteig ein kleines Stück in Richtung Frankenberg verlegt. Es entsteht ein Mittelbahnsteig zwischen den künftig zwei Gleisen. Das neue Gleis wird etwa 300 Meter lang und durch zwei Weichen wieder mit dem vorhandenen verbunden. NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel warb für das Projekt und für die Bahn an sich: „Man sollte dieser Entwicklung eine Chance geben. Das Auto als Computer hat für mich keine Zukunft.“Am Dienstag, 29. April, sollen die verschiedenen Bahn-Projekte in Frankenberg ausführlich vorgestellt werden. Dann geht es um die Strecken-Reaktivierung mit Kreuzungsbahnhof in Viermünden und um die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes in der Illerstadt. Uhrzeit und Ort der Informationsveranstaltung werden noch mitgeteilt.

Von Tobias Treude

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