Dr. Martin Viessmann skizziert Entwicklung des Heiztechnikherstellers

Viessmann steigert Umsatz auf 1,89 Milliarden Euro

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Allendorf (Eder) - Der Allendorfer Heiztechnikhersteller Viessmann hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Gesamtumsatz um 1,6 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro gesteigert. Das gab Dr. Martin Viessmann während einer Pressekonferenz im Rahmen der Weltleitmesse für Gebäude-, Energie-, Klimatechnik und erneuerbare Energien, ISH Energy 2013, in Frankfurt am Main bekannt.

Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr betrug 30 Millionen Euro oder 1,6 Prozent.Das Umsatzwachstum entfiel im Wesentlichen auf Deutschland (+ 3 %), während das Ausland insgesamt nur leicht über dem Vorjahresniveau lag (+ 0,2 %). Der Auslandsanteil ist dadurch auf 54 Prozent gesunken (Vorjahr: 55 %). Die einzelnen Länder entwickelten sich sehr unterschiedlich. Rückläufig präsentierte sich der belgische Markt aufgrund des Auslaufens der Förderung von Brennwerttechnik, Wärmepumpen und Solaranlagen. Konjunkturell bedingt verzeichneten die Märkte in Spanien, Rumänien und Polen zum Teil deutliche Rückgänge. Sehr positiv entwickelte sich dagegen das Geschäft in China, Nordamerika und Russland.

Angesichts des schwierigen konjunkturellen Umfelds in Europa bewertete der Unternehmenschef die Umsatzentwicklung als zufriedenstellend, wenn das Wachstum auch deutlich geringer ausfiel als im Vorjahr (+ 8 %). Mit einem Plus von 5 Prozent stellt sich die Absatzentwicklung gemessen an der Anzahl ausgelieferter Wärmeerzeuger deutlich besser dar. Besonders erfreulich entwickelten sich die Produktbereiche Brennwert-Gas-Wandgeräte, Wärmepumpen und Kraft-Wärme-Kopplung. Die Diskrepanz zwischen Umsatz- und Absatzentwicklung führt der Unternehmenschef im Wesentlichen auf drei Ursachen zurück: Erstens auf den vor allem in den Wachstumsmärkten Osteuropas zunehmend feststellbaren Trend zu besonders preiswerten Produkten, zweitens auf den allgemeinen Rückgang desMarktvolumens der Solarthermie (in Deutschland minus 9 %) und drittens auf die sinkenden Preise von Photovoltaik-Modulen.

Mitarbeiterzahl auf 10 600 angewachsen

Die Zahl der Beschäftigten in der Unternehmensgruppe ist ohne die Akquisitionen des vergangenen Jahres um 270 auf 9 900 Mitarbeiter angewachsen. Einschließlich Akquisitionen beschäftigt Viessmann inzwischen 10 600 Mitarbeiter.Der nordhessische Hersteller sieht sich als Technologieführer der Branche – entsprechend großer Wert wird auf Forschung und Entwicklung gelegt. Die Ausgaben dafür betrugen im vergangenen Jahr unverändert 4 Prozent vom Umsatz. Investiert wurden insgesamt 63 Millionen Euro. Schwerpunkte waren die Einrichtung eines neuen Produktionsstandorts in der Türkei, der Bau einer zweiten Biogasanlage am Unternehmensstammsitz in Allendorf (Eder) sowie der Ausbau der Vertriebs- und Logistikinfrastruktur.

Im Rahmen seiner Ausführungen ging Dr. Viessmann auf die wesentlichen energiepolitischen und technologischen Trends ein, die die Branche beeinflussen: In Nordamerika erhält die Nutzung fossiler Energie durch die Erschließung von Shale-Gas- und Tight-Oil-Vorkommen einen neuen Schub. "Dies ist durchaus bedenklich, denn damit könnte die Energieeffizienz auf der Strecke bleiben." Die europäischen Märkte stehen – davon bisher noch weitgehend unbeeinflusst – weiter im Zeichen der politisch gewollten Energiewende. "Die zentraleVoraussetzung für den Erfolg der Energiewende besteht in der Auflösung des Modernisierungsstaus im Wärmemarkt." Der Wärmemarkt bietet laut Viessmann nicht nur das größte Energieeinsparpotenzial, sondern ist darüber hinaus auch in der Lage, große Energiemengen zu speichern. Er kann damit wesentlich zum Ausgleich der mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien verbundenen volatilen Energiebereitstellung beitragen.

Nach dem Willen der Politik sollen alle Gebäude in Europa bis 2050 nahezu CO2-neutral sein – "ein sehr ambitioniertes Ziel; das nicht einfach zu erreichen sein wird". Weder ordnungsrechtlich noch förderpolitisch seien bisher die Weichen dafür gestellt. Noch immer habe der politische Diskurs vorrangig die Stromversorgung im Fokus. Durch das Scheitern der steuerlichen Förderung von Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung im privaten Wohneigentum sei im vergangenen Jahr eine große Chance vertan worden, so Dr. Viessmann. Dieersatzweise aufgestockten KfW-Programme seien lobenswert, könnten aber keine vergleichbare Wirkung entfalten. „Wir sehen es daher als umso wichtiger an, unsererseits technische Lösungen aufzuzeigen, die nicht nur den politischen Zielen dienen, sondern vor allem auch den Investoren und Nutzern klare Vorteile und Zukunftssicherheit bieten.

Technische Trends

Der Heizungsmarkt befindet sich im Umbruch. Die Brennwerttechnik ist dabei, konventionelle Wärmeerzeuger abzulösen. Sie werde als hocheffiziente und gleichzeitig sehr wirtschaftliche Form der Wärmeerzeugung auf Dauer ihre Bedeutung behalten. Unabhängig davon wachse der Marktanteil von Wärmepumpen, und Biomassekessel würden vor allem im ländlichen Raum eine Renaissance erleben. Thermische Solarsysteme können die Gesamteffizienz jeder Heizungsanlage nochmals deutlich erhöhen. Dr. Viessmann: „Der in 2012 eingetretene Marktrückgang ist daher absolut kontraproduktiv. Ein Trend, der schnellstens umgekehrt werden muss.“

Mit Mikro-KWK-Systemen hält die Kraft-Wärme-Kopplung auch in kleineren Wohngebäuden Einzug. Brennstoffzellensysteme stehen vor der Markteinführung. Sie werden der stromerzeugenden Heizung einen zusätzlichen Schub verleihen. Vor allem aber werden sie einenwichtigen Beitrag zur Dezentralisierung der Stromversorgung leisten. Durch intelligente Vernetzung und neue Speichertechniken werden sich zusätzliche Effizienzpotenziale ergeben.

Fazit und Ausblick

Als Fazit fasste Dr. Viessmann zusammen, dass man sich als an der Nachhaltigkeit orientiertes Familienunternehmen gut gerüstet sehe, die anstehenden Herausforderungen anzunehmen und die sich bietenden Chancen gemeinsam mit den Marktpartnern zu nutzen. „Neben unserem Komplettangebot mit seinen innovativen Lösungen stützt sich unser Optimismus auf die Tatsache, dass der Schlüssel zum Erfolg der Energiewende im Wärmemarkt liegt“, so Dr. Viessmann.Plakatwettbewerb zum Thema Energieeffizienz

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