Frankenberg

Virtuos, ausdrucksstark und tänzerisch

- Frankenberg (da). Preisgekröntes „Duo Riul“ mit Jungmusikern Sebastian Manz und Martin Klett gastiert in Frankenberg. Das Konzert fand am Mittwochabend in der Rathausschirn im Rahmen des „Kultursommers Nordhessen“ statt.

Das Programm bestach durch seine Außergewöhnlichkeit: Sebastian Manz und Martin Klett spielten ausschließlich Stücke des 20. Jahrhunderts, darunter einige Raritäten. Allerdings muss man sich als Zuhörer auf die häufig atonalen Klänge und wechselnden Rhythmen einlassen. Dennoch, die Gewinner des deutschen Musikwettbewerbs 2008 fanden ein dankbares Publikum in der mit rund 70 Zuhörern recht gut besuchten Rathausschirn. Manz und Klett starteten mit Witold Lutoslawskis fünfsätzigen „Dance Préludes“ für Klarinette und Klavier. Nach dem tänzelnden Start spielte das Duo den zweiten Satz mit traurigem Beginn sehr ausdrucksstark. Das Allegro giocosco bestach durch seine Leichtigkeit, mit vielen Vorschlägen in der Klarinettenstimme. Das Andante wirkte drohend, Sebastian Manz spielte dazu auf der Klarinette die mollige Melodie. Den Abschluss bildete das schnelle Allegro molto. Beide Solisten spielten stets unbekümmert und ausdrucksstark – allein ihre Leidenschaft machte das Zuhören zum Vergnügen. „Le Tombeau de Ravel“ von Arthur Benjamin besteht aus verschiedenen kleinen Walzern, die stets verspielt und lustig klingen. Leonard Bernsteins Sonate für Klarinette und Klavier klingt – obwohl es ein Frühwerk ist – ganz nach dem großen amerikanischen Komponisten. Charakteristisch sind die vielen Synkopen.Nach der Pause stand Sebastian Manz zunächst allein auf der Bühne: Er spielte drei Solo-Stücke von Igor Strawinsky. Die beiden ersten Sätze spielte er mit der sonor klingenden A-Klarinette, den dritten, verspielteren und tänzerischen Satz mit dem B-Instrument, der „normalen“ Klarinette.

Martin Klett spielte anschließend solistisch die Forlane aus „Le Tonbeau de Couperin“ von Maurice Ravel mit einem wiederkehrenden tänzerischen Thema – überhaupt zogen sich Tänze wie ein roter Faden durchs Programm. Beide Künstler spielten die Solowerke ohne Noten. Beim „Thema mit Variationen“ von Jean Fracaix spielten Manz und Klett wieder gemeinsam. Es gipfelte in einer Klarinettenkadenz und endete mit furiosen technischen Kapriolen. Ein wahres Meisterwerk war schließlich Darius Milhauds „Scaramouche“ für Klarinette und Klavier mit einem technisch höchst anspruchsvollen ersten Satz, einem verträumten „Modéré“ und dem südamerikanisch angehauchten, verspielten „Brazileira“. Beide Künstler sind perfekt aufeinander eingespielt, kommunizieren still und harmonieren. Die historische Rathausschirn bildete mit ihrer trockenen Akustik einen sehr guten Konzertsaal.Das dankbare Publikum spendete eifrig Applaus und erklatschte zwei Zugaben: den dritten Satz von Krzysztof Pendereckis „Drei Miniaturen für Klarinette“ und Gershwins erstes Prélude in der Fassung für Klarinette und Klavier.

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