Vogelschützer kritisiert Baumschnitt von Hessen-Mobil

"Vögel verlieren ihre Brutplätze"

+
Ernst Peter Rade mit einem Bussard, der mit gekappten Flügeln (kleines Foto) im Frankfurter Zoo abgegeben worden war.

Hatzfeld-Lindenhof - Rund 100 Vögel päppeln Ernst Peter Rade und seine Frau Hella Jahr für Jahr wieder auf. Immer mehr Tiere würden Opfer einer "technischen Umwelt", sagt der Betreiber der Wildvogelpflege- und Auswilderungsstationauf dem Lindenhof.

Der Uhu, der sich im Netz eines Teiches verfangen hat, der vom Windrad erschlagene Bussard, das Rotkehlchen, das keine Nahrung mehr findet: Aus Sicht von Ernst Peter Rade ist die Entwicklung alarmierend. Seit 1974 betreibt er am Rand des Weilers Lindenhof nicht nur ein Künstler-Atelier, sondern auch eine Vogelstation – dadurch hat er mitverfolgen müssen, wie manche Vogelarten im Laufe der Jahre ganz verschwunden sind und welche gefiederten Patienten immer seltener auftauchen.Ehefrau Hella ist Tierärztin und kümmert sich zusammen mit ihm um Vögel, die aufgepäppelt und – wenn möglich – ausgewildert werden.

Kritik übt Ernst Peter Rade vor allem am Zurückschneiden der Büsche entlang der Straßen: „Das ist unverantwortlich.“ Nahe Herzhausen sei er kürzlich zu einem Schwan gerufen worden, der durch eine gelichtete Hecke fliegen wollte. „Der hat sich mit den Flügeln in den Astgabeln aufgehangen und hing da wie ein Stück Plastikplane.“ Schon in der vergangenen Woche hatte auch der NABU den „Radikalschnitt“ kritisiert (FZ berichtete). Dem schließt sich Rade an: „Viele Arten verlieren ihren Brutbereich, an den sie sich über mehrere Generationen gewöhnt haben.“

Doch nicht nur die Sägearbeiten haben aus Rades Sicht folgen für die heimische Vogelwelt. „Große Probleme“ gebe es auch an den Forellenteilen: In den Netzen fingen sich „in schöner Regelmäßigkeit“ Wasservögel, aber auch Uhus, die auf der Jagd nach Mäusen sind.

Auch die Windkraftanlagen bereiten ihm Sorgen. „Immer wieder fliegen Zugvögel in neu aufgebaute Windräder“, sagt Rade und zeigt zwei getötete Bussarde, die er nahe Marburg gefunden hat. „Sind die Windräder älter, findet man nichts, denn dann werden die Vögel schnell von Fuchs oder Waschbären geholt“, sagt der Falkner. „Diese Anlage war neu und bei den Räubern noch nicht bekannt.“ Die würden regelrecht auf die erschlagenen Kadaver lauern.

Intensive Landwirtschaft und Gülleausbringung seien ein weiteres Problem. „Feldvögel wie Lerchen oder Wachteln finden keine Insekten mehr. Diese Arten fallen weg.“ Es gebe kaum noch Rotkehlchen, Bachstelzen seien nahezu verschwunden.

Hingegen gebe es auffallend viele Spechte. Das wiederum hänge mit der Waldbewirtschaftung und vielen faulenden Gehölzen zusammen, sagt Ernst Peter Rade. „Der freut sich zum Beispiel über Borkenkäfer.“

Schon bevor Rade nach Lindenhof kam, kümmerte er sich in Bochum um verletzte Tiere. Heute holt er aus ganz Hessen Vögel. Derzeit hat er einen Bussard in Pflege, der im Frankfurter Zoo abgegeben worden war. Jährlich kümmert er sich um rund 100 Tiere. Das Ehepaar betreibt die Station ehrenamtlich, bekommt aber Zuschüsse von Naturschutzverbänden und wird auch von Naturschutzbehörden und Forstämtern unterstützt. Die Kosten beziffert Ernst Peter Rade auf etwa 20 Euro pro Tag. „Da sind die Fahrt- und Praxiskosten gar nicht eingerechnet.“

Kommentare