Ernsthausen

„Völlig anderer Weg an anderer Stelle“

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- Burgwald-Ernsthausen (da). Teilweise ist der Waldweg auf Bundesstraßenbreite ausgebaut worden – das sei nötig gewesen, damit die langen Tieflader zur Windkraftanlage kommen, sagt Planer Heinrich Ganß. Doch das Regierungspräsidium hatte eigentlich einer völlig anderen Strecke zugestimmt.

Mit Schwertransportern sind in den vergangenen Wochen die Einzelteile der vier Windräder angeliefert worden. Von der Bundesstraße 236 zwischen Berghofen und Münchhausen biegen sie auf einen bestehenden, aber neu ausgebauten und verbreiterten Waldweg ab. Doch für diesen Ausbau hatte die Betreiberfirma, die die Windkraftanlagen baut, keine Genehmigung – das bestätigte Michael Conrad, Pressesprecher des Kasseler Regierungspräsidiums, auf FZ-Anfrage.

Der Weg sei illegal ausgebaut und genutzt worden. Bestandteil der RP-Genehmigung ist nämlich ein Weg, der vom Bahnübergang zwischen Ernsthausen und Münchhausen durchs Feld zu den Windrädern führt. Die Grundstücke gehören der Gemeinde Münchhausen, der Weg wird von den Jagdgenossen unterhalten – und in Münchhausen sei die Nutzung der Trasse zum Bau der Windräder abgelehnt worden, erläuterte Heinrich Ganß von Ingenieurbüro Inega auf FZ-Anfrage. Er hat die Windkraftanlage geplant.

Nach der Ablehnung seien Alternativen gesucht worden. Eine Zufahrt durch die Ernsthäuser Dorfstraßen sei ausgeschlossen gewesen, deswegen habe man sich im Januar für den jetzt genutzten Weg entschieden, sagte Ganß. Der Weg werde von Holztransportern befahren und sei deshalb gut für die schweren Lastwagen mit den Windradteilen geeignet. Wegen der Länge der Tieflader hätte der Weg verbreitert werden müssen – das sei in Abstimmung mit Hessen-Forst geschehen. Der Weg sei bereits so ausgebaut gewesen, dass er von Schwerlastverkehr befahren werden kann – er habe lediglich verbreitert werden müssen. Das RP wurde allerdings nicht informiert.

Die Trasse liegt in der Gemarkung Berghofen. Ortsbeiratsmitglied Reiner Arnold (Liste unabhängiger Bürger Berghofen) spricht von „Umweltfrevel“ und ist „empört, dass mitten in der Blütezeit links und rechts auf einer Breite von jeweils über einem Meter Bäume und Sträucher zurückgeschnitten wurden.“ Arnold hatte das Regierungspräsidium in Kassel informiert. Nach Angaben von RP-Sprecher Conrad handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, für die möglicherweise ein Bußgeld erhoben werde. „Wir prüfen, ob ein Verfahren eingeleitet wird.“ Für den Eingriff müssten in jedem Falle Ausgleichsmaßnahmen nach der Kompensationsverordnung folgen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 17. Juni.

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