Tödlicher Verkehrsunfall bei Bromskirchen

Volmer findet die richtige Unfallstelle

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Bromskirchen - Vor 29 Jahren verlor Karl-Heinz Volmer bei einem Autounfall seine Mutter. Er selbst hat kaum noch Erinnerungen an den Unfall, bei dem die ganze Familie im Auto saß. Über die FZ hat der heute 40-Jährige Zeugen gesucht - einer hat sich gemeldet.

"Das Wetter vor 29 Jahren war wie heute: Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Nur dass damals alles schneebedeckt war", erinnert sich Michael Majewski, als er mit Karl-Heinz Volmer an die Unfallstelle kommt. Für Volmer ist es ein bewegender Moment: Im Februar vor 29 Jahren saß der damals Elfjährige mit seinem Bruder und seinen Eltern im Geländewagen der Familie (die FZ berichtete). Die Familie wollte einen Ausflug nach Marburg machen.

Auf der Bundesstraße zwischen Bromskirchen und Allendorf rutschte der Jeep von der Straße, knallte gegen einen Baum, schleuderte die Böschung hinab und überschlug sich. Die 37-jährige Waltraud Volmer kam bei dem Unfall ums Leben - sie starb wenig später im Krankenhaus.

Für die Familie war es ein Schock, psychiatrisch behandelt wurden die Söhne und ihr Vater damals nicht. Vielmehr verdrängten sie die schrecklichen Erlebnisse, wie Karl-Heinz Volmer heute rückblickend erzählt. Erst seit kurzem ist es dem heute 40-Jährigen möglich, sich mit dem Unfall zu beschäftigen, ihn aufzuarbeiten und zu trauern. Er hat viele Erinnerungslücken, war kurzzeitig ohnmächtig. Aber Karl-Heinz Volmer möchte den Unfall möglichst gut rekonstruieren - denn er möchte wissen, was damals passierte.

Vor einigen Wochen kam er deshalb in den Frankenberger Raum, um die Unfallstelle zu suchen. Er glaubte, die Böschung in einer Kurve bei Osterfeld gefunden zu haben. Es war ein Gefühl - obwohl die Böschung ganz anders aussah, als in Volmers Erinnerung. Und auch den Baum konnte er nicht finden, gegen den das Auto geprallt sein soll. Eine Gedenktafel wollte er daran anbringen - er befestigte sie dann an einem anderen Baum in der Kurve.

Baum zeigt noch Narben

Heute weiß Karl-Heinz Volmer Dank der Hilfe von Michael Majewski, dass die Unfallstelle nicht bei Osterfeld war, sondern vier Kilometer entfernt Richtung Bromskirchen. Karl-Heinz Volmer hat dort nun an einem Baum nun die Gedenktafel angebracht, die an den Tod seiner Mutter erinnert. Ob es genau dieser Baum war, gegen den der Jeep prallte, ist unklar. Er hat einige große Narben, wie kein anderer Baum an dieser Stelle. Majewski erklärt, dass dort keine Bäume gefällt wurden. Volmer und sein Bruder erinnern sich jedoch an viele relativ engstehende Alleebäume. Nicht nur die genaue Unfallstelle kann Majewski dem heute 40-jährigen Dortmunder zeigen. Gemeinsam gehen sie über die sonnenbeschienene Wiese unterhalb der Böschung, vorbei an einem umgeknickten Maschendrahtzaun. "Hier lag das Auto", zeigt Majewski.

Er war damals 16 und kam gerade aus der Schule. Der Schulbus hielt an der Unfallstelle, ebenso wie einige Autos mit HSK-Kennzeichen. "Damals war hier weniger Verkehr als heute", erzählt er Karl-Heinz Volmer. Majewski erinnert sich daran, dass auf dieser geraden Strecke sonst keine Unfälle passieren - "die schweren Unfälle passieren sonst weiter unten in der Kurve".

Karl-Heinz Volmer ist erstaunt, dass der Unfall an dieser Stelle geschah: "Als Kind kam mir die Böschung doch viel höher vor." Der Maschendrahtzaun unterhalb der Böschung lenkt Volmers Aufmerksamkeit ab: "Es sind diese Kleinigkeiten: Der kaputte Maschendrahtzaun, der dort liegt - er könnte ja durch unser Auto zerstört worden sein." Er ist Majewski dankbar und sehr erleichtert, dass er endlich weiß, wo genau die Unfallstelle ist. "Für mich wird etwas greifbarer, was immer mit ungläubig sein belegt war und doch Teil meiner Geschichte ist."

Der Dortmunder fühlt sich jetzt entspannter, auch wenn ihm noch die ersten und letzten Momente der Ereignisse fehlen. Beispielsweise weis Volmer immer noch nicht, wie er aus dem Auto befreit wurde. Er saß hinter seiner Mutter und war eingeklemmt.

Daher sucht er weiterhin nach Zeugen, die ihm weitere Details über den Unfall verraten können. Er hofft beispielsweise auf eine Frau, die damals mit einem gelben Käfer mit HSK-Kennzeichen an der Unglücksstelle gehalten hatte, oder auf Ärzte, Polizisten und Sanitäter. Vielleicht erinnern sich die vier Männer, die laut Majewski versuchten, den schweren Jeep aufzurichten, noch heute daran? Auch mit dem Helfer, der ihn betreute, während er etwa 30 Minuten im Auto eingeklemmt war, würde Volmer gerne sprechen. Gern würde er diesem Mann danken.

Die Frau im gelben Käfer

"Ich wollte auch erst nicht anrufen, weil ich mich nicht mehr an viel erinnere", sagt Majewski. "Aber ich hätte immer daran denken müssen, wenn ich an der Gedenktafel vorbeifahre und genau weiß, dass sie vier Kilometer zu weit entfernt hängt." Volmer haben diese kleinen Details bereits geholfen, weitere Teile des Puzzles um den Unfall zusammenzusetzen.

Nun hofft Volmer auf weitere Anrufe. Mögliche Zeugen können sich bei ihm melden unter Telefon 0176/56513629.

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