Nach Rangelei im Wald geht der Streit weiter

Vorgesetzter ließ sich provozieren

Gießen/Biedenkopf. Die Rechtstreitigkeiten um eine Schlägerei im Katzenbacher Forst nahe der Sackpfeife haben eine weitere Runde genommen: 2 000 Euro Schmerzensgeld soll ein Waldarbeiter seinem früheren Vorgesetzten zahlen. Dessen Forderung nach der Erstattung von Haushaltsführungskosten wurden vom Arbeitsgericht in Gießen abgewiesen.

Die drei beteiligten Männer arbeiten zwar mittlerweile nicht mehr zusammen, doch den Streit am 7. Dezember 2010 werden sie vor Gericht wohl noch öfter schildern. Zum dritten Mal standen sich die Herren nun schon mit ihren Rechtsvertretern gegenüber. Unstreitig ist, dass damals im tief verschneiten Wald eine Buche zu fällen war. Das missfiel einem der Arbeiter und er nahm seine Kamera mit. Er stand an einem Hang, unter ihm auf dem Weg unterhielten sich ein Kollege und der Forstbeamte. Weil der Vorgesetzte keinen Helm, sondern einen Hut trug, machte der Mann oben im Wald ein Bild und kommentierte sein Tun auch noch. Das gefiel dem Vorgesetzten nicht. Er kletterte den Hang hoch.

Gestritten wird nun darüber, wie es zu der Rangelei, dem anschließenden Sturz der beiden Beteiligten und den Verletzungen (Rippenbruch, Handverletzungen, Prellungen) kam. Eine gütliche Einigung war auch diesmal nicht möglich, machte die Verteidigerin des Beklagten Waldarbeiters deutlich. Der muss nun schon an den Kollegen 6 000 Euro Schmerzensgeld zahlen und streitet sich Mitte März darüber in einer neuerlichen Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht.

Bei der jüngsten Verhandlung nun wollte der Chef des Mannes neben einem ordentlichen Schmerzensgeld auch noch Kosten für die von ihm während der Krankheit nicht zu erledigende Hausarbeit geltend machen. Doch auch damit scheiterte er. Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle und seine beiden Beisitzer sprachen dem Forstbeamten eine Mitschuld zu.

Allerdings machte Rühle in der mündlichen Urteilsbegründung deutlich, dass zum einen der Waldarbeiter mit dem Anfertigen des Bildes und seinen damals gemachten Äußerungen provoziert habe. Und zum anderen habe der Vorgesetzte sich provozieren lassen. Statt die Herausgabe des Bildes anderweitig zu verlangen, sei er den verschneiten Hang hinaufgeklettert. Dann kam es zum Handgemenge mit dem durchaus als „impulsiv“ bekannten Untergebenen. Wegen der Mitschuld an der Eskalation des Vorfalls wurde auch „nur“ ein Schadensersatzanspruch von 2000 Euro zugebilligt.

Die Verfahrenskosten müssen sich die Parteien teilen. Die Beklagtenvertreterin kündigte bereits an, auch in diesem Rechtsstreit die nächste Instanz anrufen zu wollen.

Von Edgar Meistrell

Quelle: HNA

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