Wilhelm A. Eckhardt ediert Johannes Emmerichs „Frankenberger Stadtrechtsbuch“

Vornehm, trefflich und wohlgelehrt

Frankenberg - Autor Dr. Eckhardt stellt sein Werk „Das Frankenberger Stadtrechtsbuch“ mit einer bebilderten Präsentation am Freitag, 2. Mai, beim Frankenberger Geschichtsverein vor. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Mauritiuskapelle des Kreis-Heimatmuseums.

Für Wigand Gerstenberg (1457–1522) war er „eyn vornemiger, trefflicher, wolgelarter baccalarius, genant Johannes Emrich der alde“. Er stammte aus einer Frankenberger Bürgermeisterfamilie, hatte die dortige Lateinschule besucht und das Rüstzeug für seine Gelehrtenlaufbahn ebenso wie Eobanus Hessus oder Euricius Cordus erhalten, deren Biografien kürzlich erschienen sind.

Nun würdigt eine verdienstvolle wissenschaftliche Arbeit zur Rechtsgeschichte auch ein Hauptwerk dieses gelehrten Jura-Professors Johannes Emmerich: Der Rechtshistoriker Dr. Wilhelm A. Eckhardt, bis 1997 Leitender Archivdirektor in Marburg und Mitglied der Historischen Kommission für Hessen, hat von Johannes Emmerich „Das Frankenberger Stadtrechtsbuch“ ediert und mit wichtigen weiteren Urkunden und Protokollen herausgegeben. Dabei entdeckte er auch eine Reihe von neuen biografischen Nachrichten über diesen „Johannes Emmerici de Franckenberch“, der urkundlich erstmals am 13. Dezember 1470 erwähnt wurde und am 15. November 1494 verstarb.

Über Rechte und Pflichten

Frankenberg sei früher eine „vornehme und als ehrbar geachtete Stadt gewesen, nach Marburg die am höchsten geachtete an der Lahn“, schrieb der Bürger Emmerich in das von ihm verfasste Frankenberger Stadtrechtsbuch. Er wollte damit die besondere Bedeutung des in diesem Buch kodifizierten Rechts unterstreichen, das offenbar im ausgehenden Mittelalter über Frankenberg hinaus große Bedeutung hatte: Die Stadt Alsfeld übernahm es weitgehend im Wortlaut.Für die Erforschung der Frankenberger Stadtgeschichte erschließt Wilhelm A. Eckhardts Bearbeitung des Emmerich-Buchs eine reich sprudelnde Quelle über Rechte und Pflichten der Bürger, Bürgermeister, Schöffen, Ratsämter, Handwerke und Zünfte, Gerichtsordnungen und landgräfliche Privilegien. Wenn Chronist Gerstenberg in seinem Vorwort schreibt, es hätten „die von Franckenberg vil alder brieffen mit privilegien und fryheid, die dan leyder meistenteyl verbrant sint in dem grosßin fure“, so räumt Eckhardt in seiner kritischen Kommentierung mit vielen von Gerstenberg frei erfundenen oder gefälschten Aussagen über verloren gegangene Urkunden auf: „Tatsächlich haben sich im Stadtarchiv Frankenberg 18 Urkunden von 1335 bis 1472 in Ausfertigung erhalten.“ Der Autor fügt diese Urkunden ebenso wie ein Protokoll von 1538 und ein Salbuch von 1587 bei, beschreibt Handschriften und Textgestaltung und bietet am Ende ein Orts-, Personen- und Sachregister an.

Als Spezialist für Quellen zur Rechtsgeschichte bettet Wilhelm A. Eckhardt das Frankenberger Stadtrechtsbuch in größere hessische Zusammenhänge ein und erschließt dabei hochinteressante Perspektiven auf die Stadtgeschichte. (vk)„Das Frankenberger Stadtrechtsbuch“, bearbeitet von Wilhelm A. Eckhardt und herausgegeben von der Historischen Kommission für Hessen, ist als Band 13/08 der Quellen zur Rechtsgeschichte hessischer Städte erschienen (ISBN 978-3-942225-22-9, 189 Seiten stark). Es kostet 29 Euro.

Von Karl-Hermann Völker

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