Projekt "ProBe" im bundesweiten Vergleich ausgezeichnet

Vorreiter in Sachen Bildungsförderung

Anja Schlottmann, Repräsentantin von „Deutschland – Land der Ideen“, überreichte Plaketten und Urkunden an den Vorsitzenden des Projektträgers „Forum Umwelt“ Kurt Naumann (vorn) sowie an Vertreter von Schulen, Kreishandwerkerschaft, IHK, Agentur für Arbeit und Landkreis. Fotos: Andrea Pauly

Frankenberg - Das Projekt "Pro Berufsorientierung", an dem Schüler aus dem gesamten Landkreis teilnehmen, ist im Wettbewerb "Ideen für die Bildungsrepublik" ausgezeichnet worden. Aus ganz Deutschland hatten sich 1100 Initiativen beworben.

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ hatte den Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ zum dritten Mal ausgerufen. Die Preisträger sind Initiativen und Vereine, die sich vernetzen, um die Bildungsgerechtigkeit vor Ort zu fördern. Eine davon ist das Projekt „ProBe“: In Waldeck-Frankenberg arbeiten mehrere Akteure mit den Haupt- und den Beruflichen Schulen zusammen, um Hauptschüler optimal auf die Berufswahl vorzubereiten.

„Sie haben ein umfassendes und zielgenaues Paket“, lobte Anja Schlottmann die Akteure. Sie überreichte am Donnerstag in der Hans-Viessmann-Schule Plaketten und Urkunden an die Verantwortlichen. Entscheidend für die Jury sei gewesen, dass bei „ProBe“ viele gewichtige Akteure zusammenarbeiten, um die Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen „im Dschungel der Möglichkeiten“ zu erkennen und zu fördern.

„Möge Ihr Projekt Schule machen“

„ProBe“ ermögliche den Schülern Erfolgserlebnisse und stärke so deren Selbstvertrauen. Die Unternehmen wiederum sehen ihre potenziellen Auszubildenden. „Die Reibungsverluste beim Übergang zwischen Schule und Beruf bleiben gering“, betonte Schlottmann. Sie dankte allen Beteiligten, Lehrern, Sozialarbeitern, Eltern, aber vor allem auch den Schülern, die das Projekt erst lebendig und sinnvoll machten. „Sie sind Vorreiter in Sachen Bildungsförderung und Bildungsgerechtigkeit“, rief sie den Vertretern von Schulen, IHK, Agentur für Arbeit und Kreishandwerkerschaft zu. „Möge Ihr Projekt Schule machen.“

Genau das hofft auch Wolfram Klawe, Vorsitzender des Regionalausschusses in der IHK. Er wünschte sich, dass das Waldeck-Frankenberger Projekt in allen Flächenkreisen in Hessen eingerichtet werde – und zwar finanziert von der Landesregierung. „Wir haben eine trabalre Lösung gezeigt.“

„Wir haben die Erwartung, dass Hauptschüler und schwächere Realschüler auf dem Weg ins Berufsleben möglichst optimal begleitet werden“, betonte Klawe und erinnerte daran, dass die heimischen Unternehmen in der Vergangenheit oft Bewerber erlebt hatten, die falsche Vorstellungen von der Ausbildung hatten oder nicht qualifiziert waren. Manche hätten massive Probleme in Deutsch und Mathematik gehabt. Ähnliche Worte fand auch Ulrich Mütze, stellvertretender Kreishandwerksmeister. Er bezeichnete Bildung als „Standortfaktor“ für die Handwerksbetriebe. Für eine erfolgreiche Ausbildung müssten den Jugendlichen Vielfalt, Inhalt und Anforderungen eines Berufsbildes vorher bekannt sein.

Das auf drei Durchgänge befristete Projekt „ProBe“ wurde zum größten Teil von der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Von der IHK sind weitere 156.000 Euro dafür geflossen, die Kreishandwerkerschaft und der Landkreis beteiligten sich ebenfalls – etwa mit Räumen und sozialpädagogischer Betreuung. Landrat Dr. Reinhard Kubat verwies darauf, dass im Haushaltsentwurf für 2014 eine „erhebliche Summe“ für die Weiterführung des Projektes eingeplant sei. „Machen Sie weiter auf diesem Weg!“ Uwe Kemper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Korbach, wünschte sich, dass aus dem befristeten Projekt „ein Dauerbrenner“ werde. (apa)

Hintergrund:

Das Projekt „ProBe“, kurz für „Pro Berufsorientierung“, ist eine Initiative von Landkreis, der Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer und den Beruflichen Schulen in Korbach und Bad Arolsen sowie der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg. Ziel ist es, Hauptschüler direkt in eine Ausbildung zu vermitteln – und zwar in eine, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht und an die sie mit realistischen Erwartungen und ausreichender Qualifizierung herangehen. Die Hauptschüler lernen im achten Schuljahr verschiedene Berufsfelder kennen, für die es im Landkreis auch Ausbildungsplätze gibt. Rund 160 Schüler nehmen einmal wöchentlich nachmittags an diesem werkpraktischen Unterricht in den beruflichen Schulen oder im Lehrbauhof teil. Im ersten Halbjahr des achten Schuljahrs testen die Jugendlichen drei Berufsfelder für je sechs Wochen, im zweiten Halbjahr wählen sie sich für ein Berufsfeld ein, das sie über das gesamte Semester vertiefend kennenlernen – ebenfalls einmal wöchentlich nachmittags und zusätzlich zum normalen Schulunterricht. Zur Auswahl stehen Metalltechnik, Elektrotechnik, Holztechnik, KFZ-Technik, Gastronomie und Service, Gesundheitswesen, Bürowirtschaft, Bautechnik und Farbtechnik/Raumgestaltung. Beteiligt sind die Ortenbergschule (Frankenberg), die Battenberger Gesamtschule, die Cornelia-Funke-Schule (Gemünden), die Mittelpunktschule Sachsenhausen, die Louis-Peter Schule (Korbach), die Kaulbach-Schule (Bad Arolsen) und die Kugelsburgschule (Volkmarsen). In der neunten Klassen bauen die allgemeinbildenden Schulen dann mit Bewerbungstrainings und -Tests und Kontaktaufnahme zu Betrieben darauf auf. (apa)

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