Vorsitzender der jüdischen Gemeinde: Marburg verlieh Amnon Orbach die Ehrenbürgerwürde

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Ehrenbürgerwürde: Sichtlich gerührt nach Amnon Orbach die Urkunde aus der Hand des Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (links) entgegen. Ihm und seiner Frau Hannelore Orbach gratulierte auch Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (rechts). Foto:  Völker

Marburg/Frankenberg. „Sie haben unserer Stadt wieder eine jüdische Gemeinde geschenkt und eine neue Synagoge gebaut, Ihre Saat an unvoreingenommener Menschenliebe ist aufgegangen“, erklärte Oberbürgermeister Egon Vaupel im historischen Saal des Marburger Rathauses, als er Amnon Orbach, dem Vorsitzenden dieser 340 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde, die Ehrenbürgerwürde der Universitätsstadt verlieh. Zahlreiche

Viele Bürger, Politiker, Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, darunter auch Gäste aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg, gratulierten dem 84-Jährigen, der seit mehr als 30 Jahren mit einer Marburger Lehrerin verheiratet ist und dort lebt (HNA berichtete).

Ein Lebenstraum ging für Amnon Orbach in Erfüllung, als 2005 nur wenige Meter vom Standort der 1938 abgebrannten Marburger Synagoge ein neues „Bethaus für alle Völker“, so die Inschrift, entstand.

Eine alle Völker und Religionen umspannende Toleranz, seine Gesprächsbereitschaft und das „große Herz“ des Ehrenbürgers wurden in vielen Grußworten gewürdigt. „Sie sind der Beweis für das vorbildhafte Zusammenleben der Religionen und Kulturen dieser Stadt“, erklärte Asmah El-Shabassy für die Islamische Gemeinde Marburg.

Daniel Neumann, der im Namen des hessischen Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden gratulierte, meinte, Amnon Orbach sei für seine Glaubensgemeinschaft so etwas wie das „ruhige Schiff im Sturm“, aber auch bekannt für seine Ungeduld und Beharrlichkeit, wenn es Probleme zu lösen gelte. Dass ein Jude, zumal Israeli, zum Ehrenbürger in Deutschland ernannt werde, sei schon sehr außergewöhnlich.

Im Namen der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck und des Sprengels Marburg überbrachte Propst Helmut Wöllenstein Amnon Orbach herzliche Grüße. Er ist mit ihm im Vorstand der Marburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit eng verbunden.

In der Persönlichkeit seines „Bruders Amnon Orbach“ vereinten sich die Gaben eines Lehrers, Priesters, Gemeindevorstehers, Politikers, Diplomaten und Baumeisters, erklärte er und betonte: „Wir Christen und Juden beziehen unsere Identität aus dem gleichen Buch.“

Für christlich-jüdische Tradition setzte sich Amnon Orbach, wenn immer er in den vergangenen Jahren gefragt wurde, auch im Kreis Waldeck-Frankenberg ein. Er begleitete interessierte Bürger auf Studienreisen nach Israel, hatte engen Kontakt mit dem Förderkreis jüdische Synagoge Vöhl und las im Juni 2007 in der Kirche von Frankenau aus der nach Amerika geretteten Thora-Rolle vor.

David Auerbach hatte sie zu einem Besuch in den Heimatort der durch die NS-Diktatur vertriebenen Frankenauer Juden mitgebracht. (zve)

Quelle: HNA

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