Dainroder Ortsbeirat hält 10 Flüchtlinge für angemessen, Investor fordert 21 Plätze

Vorstellungen um Flüchtlingswohnheim gehen weit auseinander

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Der Eigentümer und der Landkreis halten im ehemaligen Gasthaus Possom 21 Plätze für Flüchtlinge für angemessen. Der Ortsbeirat sieht nur zehn Personen als sozialverträglich an. Mit diesem Ergebnis geht der Fachdienst Soziales nun erneut in Gespräche mit dem Eigentümer. Foto: Andrea Pauly/Archiv

Frankenau-Dainrode - Sie wehrten sich lange dagegen, eine Zahl zu nennen, doch am Ende der Sitzung hatten die Mitglieder des Ortsbeirates keine Wahl und mussten sich entscheiden. Die Aufnahme von bis zu zehn Flüchtlingen im 180-Einwohner-Dorf halten sie für sozialverträglich. Immobilienbesitzer Mehmet Usta hätte gern mehr als doppelt so viele Asylbewerber in seiner Immobilie.

Für die Mitglieder des Ortsbeirates ist es eine Gratwanderung: Einerseits ist es ihre Aufgabe, die Interessen ihres Heimatdorfes zu vertreten. Andererseits müssen sie festlegen, wie viele Menschen in Dainrode Zuflucht finden sollen.

Von Anfang an hatte Ortsvorsteher Alexander Küster immer wieder betont, dass die Dorfgemeinschaft gern bereit dazu sei, Flüchtlinge aufzunehmen – dann aber so, dass auch eine Chance auf Integration bestehe. Das sei am ehesten für eine Familie möglich. Eine Gemeinschaftsunterkunft mit 21 Plätzen, wie sie Vertreter des Landkreises und der Immobilienbesitzer in der ehemaligen Gaststätte Possom für realistisch halten, sehen die Ortsbeiratsmitglieder als überdimensioniert an.

Um die Erwartung des Landkreises erfüllen und eine Stellungnahme abgeben zu können, hatte der Ortsbeirat zu seiner Sitzung Elke Rajeski und Julia Pietsch vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten des Landkreises hinzugebeten, ebenso wie den Besitzer des leer stehenden Gasthauses „Possom“, Mehmet Usta. Auch einige Bürger waren gekommen und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Usta nannte den Dainrodern zwei Gründe, warum er seine Immobilie als Gemeinschaftsunterkunft nutzen will: Auf der einen Seite stehe der wirtschaftliche Aspekt, sagte der Frankenberger Unternehmer. Das seit Jahren leer stehende Gebäude könne wieder nutzbar gemacht werden. Auf der anderen Seite stehe der menschliche Aspekt. Er appellierte, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl recht hohe Zahl von Asylsuchenden anders zu bewerten: „Sie sollten es so sehen: Wenn wir das machen, sind wir das beste Dorf, das die meisten aufnimmt. Geben Sie ihrem Herzen einen Ruck!“.

Eine Entscheidung fiel den Ortsbeiratsmitgliedern sichtlich schwer. Sie einigten sich dann aber einstimmig auf maximal zehn Plätze, die sie für sozialverträglich halten. Der Landkreis steigt nun erneut in Gespräche mit Mehmet Usta ein. (Von Andrea Pauly)

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