Ärztlicher Bereitschaftsdienst

"Vorteile für Patienten überwiegen"

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Frankenberg - Die Vorbereitungen für den neuen Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Frankenberger Land nehmen konkrete Formen an. Am Dienstag traf sich erstmals eine Arbeitsgruppe, bestehend aus sechs Ärzten, um organisatorische Fragen zu klären und die Einrichtung der Zentrale vorzubereiten.

Dass der zentrale Bereitschaftsdienst kommt, ist entschieden (FZ berichtete). Doch viele Details sind noch offen, etwa die Frage nach der genauen Besetzung der zentralen Praxis. Und auch die Einrichtung dieser Bereitschaftspraxis am Kreiskrankenhaus ist noch nicht zu 100 Prozent sicher - die Verträge zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) und dem Kreiskrankenhaus sind noch nicht geschlossen.

Während die KV die Rahmenbedingungen vorgibt (siehe Kasten links und unten), hat sich für deren Umsetzung vor Ort eine Arbeitsgruppe gegründet, die in dieser Woche erstmals tagte. Ihr gehören sowohl Haus- als auch Fachärzte an: Axel Schinke, Christopher Wiehl, Ralf Engelhard und Matthias Knauf, alle aus Frankenberg, Mark Uffelmann aus Frankenau, Jochen Keute aus Löhlbach und Michael Waßmuth aus Battenberg. Diese Arbeitsgruppe ist zugleich Ansprechpartner der KV.

Während die Ärzteschaft anfangs sehr gespalten war, habe mittlerweile der Großteil der Mediziner den zentralen Bereitschaftsdienst akzeptiert, sagt Jochen Keute, „denn wir haben mehr Gestaltungsmöglichkeiten, als anfangs gedacht“. So könne die neue Bereitschaftsdienst-Gemeinschaft, bestehend aus rund 50 Ärzte aus dem Altkreis, weiterhin „Goodwill“-Vereinbarungen treffen, die etwa die Verteilung der Dienste erleichtern oder die Vertretung bei Urlaub regeln.

Positiv habe sich aber vor allem die Aussicht ausgewirkt, dass nach aktuellem Kenntnisstand nur jeweils ein Arzt - statt zweien - Bereitschaftsdienst habe und dieser auch nicht ununterbrochen in der Praxis bleiben müsse (siehe Kasten). Für Wochenenden und Feiertage sind laut Keute Öffnungszeiten von vier bis fünf Stunden im Gespräch. Patienten, die außerhalb dieser Zeiten anrufen, werden auf die nächste Sprechstunde verwiesen oder - in dringenden Fällen - zu Hause aufgesucht.

Für lebensbedrohliche Situationen stehen nach wie vor die Notaufnahme des Krankenhauses und der Rettungsdienst unter Telefon 112 zur Verfügung. Keute zeigte sich überzeugt davon, dass sich Versorgungsqualität für die Patienten durch das neue Modell verbessern werde: „Die Patienten brauchen für das ganze Jahr nur noch eine Telefonnummer und haben immer die gleiche Anlaufstelle. Das ist eine große Erleichterung“. Eine zeitraubende Orientierungsfahrt von Praxis zu Praxis, der Anrufbeantworter beim Hausarzt und Hinweisschilder an der Praxis - „das alles entfällt komplett“.

Der einzige Nachteil für manche Patienten sei der Weg nach Frankenberg. „Aber die Vorteile für die Patienten überwiegen aus meiner Sicht.“ Künftig gebe es für jeden Patienten im Frankenberger Land eine einzige Telefonnummer, die immer gelte. „Die kann man sich an den Kühlschrank hängen und immer sicher sein, dass man an der richtigen Stelle anruft. Das ist ein enormer Vorteil.“ Neu für die Ärzte ist, dass es pro Bereitschaftsdienst eine feste Vergütung gibt - bisher orientierte sich die Bezahlung an den Fallzahlen. Nun werden laut Keute 40 Euro pro Stunde berechnet. „Ob da noch etwas draufkommt, steht noch nicht fest“, sagt er.

Für die Rosenthaler Ärzte ist das neue Modell von finanziellem Nachteil: Dort hatten die Ärzte der Gemeinschaftspraxis im Wechsel am Wochenende die Notdienste übernommen - und so für jedes Wochenende Pauschalen verdient (siehe Text auf dieser Seite).

Jostes: „Grundsätzlich guter Dinge“

Auch bei den Verträgen mit dem Frankenberger Kreiskrankenhaus sind noch Fragen offen. „Wir alle hoffen auf das Krankenhaus als Standort“, sagte Jochen Keute, „aber das Krankenhaus verdient mit der Bereitschaftspraxis kein großes Geld“. Das bestätigte Geschäftsführer Christian Jostes auf Nachfrage der Frankenberger Zeitung. „Dabei geht es nicht ums Geld“, sagte er, „sondern für uns zählen die Versorgungssicherheit für die Patienten und eine zukunftsfähige Lösung für den Landkreis“. Mit einem deutlichen Anstieg der Fallzahlen sei durch eine Bereitschaftspraxis am Kreiskrankenhaus tatsächlich nicht zu rechnen. Dennoch sei er „grundsätzlich guter Dinge“, dass die Bereitschaftspraxis zum 1. Juli am Kreiskrankenhaus etabliert sei, sagte Christian Jostes. Allerdings seien noch einige Details zu klären.

Für die Zerrissenheit unter den heimischen Ärzten hat Jostes ein Lösungsangebot: Jene Mediziner, die sich an dem neuen, zentralen Modell nicht beteiligen wollen, müssten dies auch nicht. „Dann würde das Kreiskrankenhaus, wenn das organisatorisch möglich ist, einen Teil der Notdienste zu übernehmen“. Dafür müssten die Ärzte, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, aber auch auf die Abrechnung der Patienten verzichten.

Vorstellen könne er sich auch, dass das Krankenhaus ab 22 Uhr grundsätzlich die Bereitschaft übernimmt, sagte Jostes. Auch für ein solches Modell müsse jedoch die Abrechnung mit der KV geklärt sein. Zudem müsste langfristig im Voraus geklärt werden, welche Ärzte wann Bereitschaftsdienst übernehmen.

Offen ist auch die Frage nach der Telefonzentrale. Während der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf sich deutlich für die Notruf-Leitstelle in Korbach ausgesprochen hat, sieht Dr. Jochen Keute wenig Chancen auf eine lokal angesiedelte Telefonvermittlung: „Die KV übernimmt die Kosten für die Telefonzentrale, allerdings maximal für zwei Stellen in Hessen“, begründet er. Es sei wahrscheinlicher, dass die Vermittlung der Patienten an den diensthabenden Arzt über eine Frankfurter Zentrale laufen werde.

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