Burgwald

Vortrag: Pfarrer als Störenfried

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- Haina-Löhlbach (apa). Das Thema war speziell, das Interesse groß: Es waren so viele Zuhörer ins Paul-Gerhardt-Haus gekommen, dass zusätzliche Stühle gestellt werden mussten.

Welche Herausforderungen die Pfarrer im Frankenberger Land in den Vorkriegsjahren meistern mussten, darüber sprach der Vorsitzende des Frankenberger Geschichtsvereins Karl-Hermann Völker (Wiesenfeld) auf Einladung der Kirchengemeinde Hohes Lohr im Kellerwald.

Als Adolf Hitler die Macht und die NSDAP in Deutschland – auch im Frankenberger Land – die Kontrolle übernahmen, spielten die Pfarrer eine besondere Rolle. Denn auch die Kirche war betroffen von den Überzeugungen der Nazis. Die „Deutschen Christen“, kurz DC oder auch „SA Jesu Christi“ genannt, verquickten Politik und Religion – unter anderem distanzierten sie sich vom Alten Testament und damit von den Zehn Geboten. Alle Pfarrer des Frankenberger Landes bis auf einen schlossen sich 1934 der „Bekennenden Kirche“ an. Dabei ging es nicht um die politischen Ziele und Überzeugungen der Nationalsozialisten oder gar einen aktiven Widerstand, sondern um die christlichen Wertvorstellungen, die die Nationalsozialisten nach eigenem Gusto auslegten.

Völker berichtete unter anderem vom Löhlbacher Pfarrer Gustav Hammann, Vater des gleichnamigen späteren Bottendorfer Pfarrers. Weil er sich weigerte, zur Wahl zu gehen, wurde er von 16 Mitgliedern der SA abgeholt: Sie stürmten das Löhlbacher Pfarrhaus und warfen die Scheiben ein. Die Kirchenvorstände standen geschlossen hinter ihrem Pfarrer, trauten sich jedoch nicht, Stimmung gegen die Festnahme zu machen. Weil sich die Gauleitung gegen Hammann aussprach, durfte er nicht nach Löhlbach zurückkehren – seine Ehefrau und die sechs Kinder mussten allein zurückbleiben. Hammann verbrachte die nächsten Jahre im Kreis Marburg. Als Nachfolger wurde der eben erst ordinierte Wilhelm Möller 1934 nach Löhlbach geschickt. Er war Mitglied in der NSDAP und bei den Deutschen Christen, trennte sich aber bereits nach vier Monaten von den DC und trat zur Bekennenden Kirche über. 1935 bezog Möller im Gottesdienst Stellung gegen die Judenverfolgung. Er kritisierte die Nazis öffentlich und kündigte an, den Hitlergruß nicht mehr auszusprechen. Er wurde von der Gestapo abgeholt. Im Spruchkammerverfahren, aus dem Völker Akten mit Zeugenaussagen vorliegen, erhielt Möller eine Bewährungsstrafe – ihm kam zugute, dass er zumindest auf dem Papier noch immer Mitglied in der NSDAP war. Der Hainaer Pfarrer Theodor Dannert, der von 1932 bis 1937 in der Klostergemeinde wirkte, kämpfte ebenfalls für die Bekennende Kirche. Gegen ihn lagen zahlreiche Anzeigen vor, unter anderem weil er Flugblätter verteilen ließ und „Hetzreden“ von der Kanzel ertönten.

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