Reinhard Kahl blickt auf Zeit als SPD-Landtagsabgeordneter zurück

"Wäre gern Finanzminister geworden"

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Der langjährige heimische SPD-Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl (Mitte) hat den Wahlkreis symbolisch an seine Nachfolgerin Daniela Neuschäfer (Zweite von rechts) übergeben. Mit dabei: Die Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine Allendorf und Battenberg, Friedhelm Jakobi (links) und Petra Henkel, und der SPD-Bundestagsabgeordnete Edgar Franke.Foto: Mark Adel

Allendorf-Battenfeld - Ein Empfang als Abschied: Reinhard Kahl zieht sich nach mehr als 30 Jahren aus der Landespolitik zurück. Der SPD-Neujahrsempfang, zudem er gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Edgar Franke eingeladen hatte, stand im Zeichen des Rückblicks.

Stehend applaudierten die rund 250 Gäste Reinhard Kahl. In der Battenfelder Kulturhalle trafen sich Samstag Mitglieder der Ortsvereine, Kommunalpolitiker, Bürgermeister und andere treue Weggefährten, um mit dem noch amtierenden Landtagsmitglied Rückschau zu halten. „Am Freitagabend ist der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl Geschichte“, sagte er auf der Bühne der Battenfelder Sport- und Kulturhalle.

Den Wahlkreis, der sich von Bad Wildungen bis ins Frankenberger Land erstreckt, übergab er symbolisch an die künftige heimische SPD-Abgeordnete Daniela Neuschäfer. „Du musst deinen eigenen Stil finden“, sagte er, versprach aber zugleich seine Unterstützung.

Als Reinhard Kahl im September 1982 in den Landtag einzog, war er so alt wie seine Nachfolgerin heute - 34. Im Frankenberger Land war er da schon bekannt, vor allem in seinem Heimatort Allendorf. „Er war jemand, der nicht alles mit sich machen ließ“, sagte Allendorfs Bürgermeister Claus Junghenn, der Kahl Anfang der 70er Jahre als Fußball-Jugendtrainer kennengelernt hatte. Auch später habe er immer wieder spüren lassen, „wie verbunden du dich deinem Heimatort fühlst“.

1983 war die SPD zwar stärkste Fraktion, doch es herrschte ein Patt: „Keine einfache Situation“ erinnerte sich Reinhard Kahl. Ministerpräsident Holger Börner (SPD) wurde zwar mit Stimmen der Grünen gewählt, die rot-grüne Koalition in Hessen - deutschlandweit die erste - kam aber erst 1985.

Kahl kandidierte achtmal für den Landtag, sechsmal holte er den Wahlkreis direkt, zweimal nicht: „Das hat mir in der Seele wehgetan.“ 1983 war der Wahlkreis neu gebildet worden, „Bad Wildungen musste ich erst kennenlernen.“ Die Ergebnisse seien immer nur dank der Unterstützung vieler Menschen in der Region möglich gewesen. „Ich habe viele echte Freunde gefunden und es kam mir immer darauf an, in der Region verwurzelt zu sein“, sagte er.

Die Zusammenarbeit den Bürgermeistern sei ihm wichtig gewesen. „In jeder Kommune gibt es Projekte, an deren Realisierung ich beteiligt war.“ Eine Erfolgsgeschichte seien die Sommertouren, die Daniela Neuschäfer fortführen werde.

Kahl war in der ersten Periode gleich forstpolitischer Sprecher. „Ich konnte nicht mal die Bäume so genau unterscheiden“, erinnerte er sich schmunzelnd. Danach wurde der Lehrer bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion und hielt unter anderem die Einbringungsrede zum ersten hessischen Schulgesetz.

Später waren die Finanzen sein Metier. 2007 war er Schattenminister der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Der Verlauf ist bekannt: es herrschten „hessische Verhältnisse“, vier „Abweichler“ der SPD ließen eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linken nicht zu. „Ich wäre gerne Finanzminister in Hessen geworden“, gab Kahl zu. Nach der Neuwahl sei es dann ruhiger um ihn geworden.

Reinhard Kahl kündigte an, sein Kreistagsmandat samt Fraktionsvorsitz bis zum Ende der Legislaturperiode wahrnehmen zu wollen. „Ich engagiere mich weiter“, versprach er - und machte das schon in seiner Rede deutlich, in der er den Erhalt des Frankenberger Krankenhauses weiterhin unter Trägerschaft des Landkreises forderte.

Ausrichter des Empfangs waren die beiden SPD-Ortsvereine Allendorf und Battenberg, deren Vorsitzende Friedhelm Jakobi und Petra Henkel die Besucher zu beginn begrüßt hatten.

Das Rahmenprogramm gestalteten Fred Balouschek und Karl-Heinz Holzapfel mit einem Sketch sowie das Battenberger Percussion-Ensemble. Als großer Chor sangen alle Besucher „Heute hier, morgen dort“. Karl-Hermann Völker hatte das Lied von Hannes Wader umgetextet und auf Reinhard Kahls Wirken zurückgeblickt. Blumen gab es für die Mitarbeiterinnen des Wahlkreisbüros.

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