WLZ-FZ haben im Vorfeld der Bürgermeisterwahl am Sonntag insgesamt 1215 Frankenberger befragt

Wahl ist wichtig, Parteizugehörigkeit nicht

Frankenberg - Kurz und hin und wieder knackig war der Frankenberger Bürgermeisterwahlkampf. Am Sonntag ist für die fünf Bewerber der Tag der (Vor)-Entscheidung gekommen. Denn viele der 14 571 Wahlberechtigten gehen davon aus, dass es zu einer Stichwahl kommen wird.

Die Hoffnung der fünf Bürgermeisterkandidaten hat sich erfüllt: Der Wahlkampf ist bislang äußerst fair verlaufen, gegenseitige Anfeindungen gab es nicht. Im Gegenteil: Zumindest vier der fünf Bewerber teilten in den vergangenen fünf Wahlkampfwochen regelmäßig mit, wie sympathisch sie sich doch fänden und wie gut sie sich verständen. Und da sich das Bewerberfeld auch inhaltlich nahezu auf Augenhöhe begegnete, ist die Spannung in Frankenberg besonders groß, wie die Wahl am Sonntag ausgehen wird. Vermutet wird, dass weder Bernd Bluttner (CDU), Daniela Neuschäfer (SPD), noch die parteilosen Kandidaten Nicolas Hansen, Rupert Jaeschke oder Rüdiger Heß im ersten Anlauf die absolute Mehrheit erreichen werden. Eine Stichwahl wäre die Folge. Sie würde 14 Tage später, am Sonntag, 11. März, stattfinden.

Breit angelegte Befragung

Ein Indiz für das große Interesse der Frankenberger an den Bürgermeisterkandidaten war das Wahlforum der Frankenberger Zeitung. Bis auf den letzten Platz war die Ederberglandhalle besetzt, etliche Zuhörer verfolgten sogar im Stehen das erste öffentliche Rededuell der fünf Bewerber um die Nachfolge. Belegt wird das Interesse sogar durch eine Umfrage von WLZ-FZ. In den vergangenen Wochen wurden insgesamt 1215 Menschen aus der Kernstadt und den Stadtteilen zur Bedeutung der Bürgermeisterwahl und zur Bedeutung der Parteizugehörigkeit befragt. Und die Ergebnisse lassen aufhorchen. Knapp 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie der Bürgermeisterwahl eine höhere Bedeutung beimessen als Wahlen auf Bundes- oder Landesebene. Professorin Dr. Bettina Westle von der Fachschaft Politikwissenschaften an der Philipps-Universität in Marburg bewertet dieses Ergebnis als „sehr seltsam“. Dass eine so deutliche Mehrheit der Bürgermeisterwahl eine höhere Bedeutung zumisst, sei ungewöhnlich. Das sei auch daran zu sehen, dass im bundesweiten Vergleich Bundes- und Landtagswahlen üblicherweise eine bessere Wahlbeteiligung aufwiesen als Abstimmungen auf kommunaler Ebene.

„Fast familiäres“ Verhältnis

Eine Erklärung könnte aus ihrer Sicht der Ort der Befragung sein: Im ländlichen Gebiet, zu dem auch Frankenberg zählt, stünden die Bürger in engerem Kontakt zum Bürgermeister als etwa in größeren Städten. „Da kennt man sich persönlich. Das hat beinahe etwas Familiäres“, beschreibt sie den Unterschied.

Von Andrea Pauly und Rouven Raatz

Ein klares Meinungsbild ergibt sich auch beim Thema Parteizugehörigkeit. 87 Prozent der Befragten gaben an, dass die Parteizugehörigkeit eines Bürgermeisterkandidaten für sie nicht wahlentscheidend sei. Dieses Ergebnis überrascht die Expertin nicht. „Ich würde nicht sagen, dass die Parteizugehörigkeit keine Rolle spielt, aber sicherlich spielt sie eine untergeordnete Rolle“, erläuterte sie im Gespräch mit WLZ-FZ. Ein solches Ergebnis sei deshalb zu erwarten gewesen. Eine Bürgermeisterwahl sei immer mehr eine Persönlichkeitswahl als eine politische Entscheidung, begründete die Politikwissenschaftlerin. In einem solchen Fall werde die politische Ebene, auf welcher der Bürgermeister agiert, ohnehin nicht als relevant angesehen.

Insgesamt 24 Wahlbezirke

Die Wahllokale sind am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet: es gibt 24 Wahlbezirke. In der Kernstadt ist die Stimmabgabe möglich in der Hans-Viessmann-Schule, der Burgwaldschule, im Landratsamt, im Stadthaus, in der Ortenbergschule, im evangelischen Gemeindehaus Wolfspfad sowie in der Wigand-Gerstenberg-Schule (zwei Wahlbezirke), in der Friedrich-Trost-Schule und in der Ederberglandhalle. Eigene Wahlbezirke gibt es in den Stadtteilen Dörnholzhausen, Friedrichshausen, Geismar, Haubern, Hommershausen, Rengershausen, Rodenbach, Schreufa, Viermünden, Wangershausen und Willersdorf. In Röddenau wird im Bürgerhaus und in der Grundschule gewählt. Im 24. Wahlbezirk werden die von allen Briefwählern eingesendeten Unterlagen ausgewertet.

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