Wechselbad der Gefühle im Rathaus

Den Sieg ins Ziel gerettet: Rüdiger Heß wird neuer Frankenberger Bürgermeister

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Vorläufiges Endergebnis der Frankenberg-Wahlen: Rüdiger Heß wird neuer Bürgermeister.

Frankenberg. Eine faustdicke Überraschung: Rüdiger Heß wird der neue Frankenberger Bürgermeister. Der Parteilose konnte bei den Wahlen am Sonntag 50,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Beobachter hatten damit gerechnet, dass eine Stichwahl nötig wird.

Großer Jubel: Rüdiger Heß mit Ehefrau Dagmar.

Rüdiger Heß war schon einmal für die CDU Rathauschef an der Eder - jetzt gelang ihm der Sprung in das Amt ein zweites Mal. Fast wäre es aber zur Stichwahl gekommen: Heß lag nur hauchdünn über den benötigten 50 Prozent der benötigten gültigen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 Prozent. Insgesamt waren 14.541 Wahlberechtigte in Frankenberg und seinen zwölf Stadtteilen aufgerufen, über die Nachfolge für Christian Engelhardt (CDU) zu entscheiden. Dieser war 2009 wiedergewählt worden, hatte sein Amt aber niedergelegt und am 1. Dezember eine Stelle als Direktor des Hessischen Landkreistags in Wiesbaden angetreten.

Das erste Ergebnis, das gegen 18.10 Uhr über die Leinwand flimmerte, gab bereits den Trend vor: Im kleinen Dörnholzhausen holte Rüdiger Heß mehr als 50 Prozent – und so sollte es, mit einigen Schwankungen, auch am Ende bleiben. Dazwischen gingen er, die anderen Kandidaten und die mehr als 100 Gäste im Sitzungssaal des historischen Rathauses durch ein Wechselbad der Gefühle. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Sieg an diesem Abend an Rüdiger Heß gehen wurde. Doch ob er es bereits im ersten Wahlgang schaffen würde, den Bürgermeisterposten quasi zurückzuerobern, blieb lange eine spannende Frage.

Fotos vom Wahlabend

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Als acht von 24 Wahlbezirke ausgezählt sind, hatte Heß schon einmal die Faust gereckt. Mehr als 50 Prozent. „Noch dreimal so viele, dann haben wir es geschafft“, sagt er da zu seinen Unterstützern. Die anderen Kandidaten liefern sich - mit Ausnahme von Rupert Jaeschke, zu diesem Zeitpunkt noch ein enges Rennen. Daniela Neuschäfer, Bernd Bluttner und Nicolas Hansen pendeln um die 15-Prozent-Marke. Bis auf Hansen zeigen sich an diesem Abend alle Kandidaten im Rathaussaal, blicken selbst gebannt auf die Leinwand.

Kurzclip: Rüdiger Heß (parteilos)

Dort liegt Heß nach der Hälfte der Wahlbezirke bei 52,3 Prozent. Wieder kommt die Faust. Mittlerweile ist der Kandidat von Fotografen umlagert. Fast alle wittern das Siegerbild. Doch Heß wiegelt ab. „Warten wir erst einmal das Endergebnis ab“, mahnt er. Es sei wie beim Marathon: Die letzten Kilometer seien oft die schwierigsten, sagt Heß in Richtung Fotografen.

Kurzclip: Daniela Neuschäfer (SPD)

Und er behält Recht: Plötzlich, nach 19 von 24 Wahlbezirken, rutscht sein Ergebnis auf 49,9 Prozent ab, nach 20 sogar auf 49,8 Prozent. Heß nimmt es mit gelassener Miene, zuckt kurz mit den Schultern. Dann geht es in den Endspurt: Und ab hier legt Heß dann wieder zu und läuft den Marathon, um im Bilde zu bleiben, dann doch nach Hause. 50,6 Prozent ist seine Marke nach 21 Wahlbezirken – am Ende geht er mit 50,5 Prozent durchs Ziel, reckt beide Hände jubelnd nach oben und umarmt erst einmal Ehefrau Dagmar, die sich mitsamt Familie und Freunden mit ihm freut. Dass es Daniela Neuschäfer mit 17,5 Prozent knapp vor Bernd Bluttner auf den zweiten Platz schafft, geht im Jubel unter.

Artikel aktualisiert um 22.14 Uhr.

Auch zahlreiche Gäste applaudieren, und die ersten Gratulanten stehen Schlange. Darunter sind Mitkandidaten, Stadtpolitiker und auch Landrat Dr. Reinhard Kubat. Er gratuliert Rüdiger Heß zu seinem Wahlsieg und lobt den fairen Wahlkampf, den alle Kandidaten geführt hätten. Willi Naumann, der als Erster Stadtrat derzeit übergangsweise die Amtsgeschäfte führt, schüttelt Heß die Hand. Er könne ja jetzt eigentlich gleich zu Hause bleiben, Heß sei schließlich schon eingearbeitet. Der lacht – und richtet dann strahlend das Wort an die Gäste. (mam/rpp)

Quelle: HNA

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