Verbot komme für Unternehmen in der Region einem Berufsverbot gleich

Waldeck-Frankenberger Wirtschaft: Nachtfahrverbot gefährdet gesamten Wirtschaftsstandort

Frankenberg / Korbach. Man habe vollstes Verständnis für den Wunsch nach Nachtruhe der Anlieger an der B252 und B3. Schließlich dient ein erholsamer Schlaf der Erholung und Regeneration des Menschen.

Man habe jedoch überhaupt kein Verständnis dafür, diese Nachtruhe durch ein Nachtfahrverbot zu erzwingen, ohne mögliche Alternativen in die Waagschale geworfen zu haben und ohne den Dialog mit der Wirtschaft in Waldeck-Frankenberg, die von dem Verbot betroffen ist, aufgenommen zu haben. Deutliche Worte zum geplanten Nachtfahrverbot finden der Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen Frankenberg und derArbeitskreis für Kommunalfragen der Waldeckischen Wirtschaft.

Für die Unternehmen der Region komme das Nachtfahrverbot einem Berufsverbot gleich, denn die Distribution der Waren, „die in unseren Unternehmen von zigtausenden Mitarbeitern produziert werden, ist fester Bestandteil der Logistikkette“. Alle Arbeitsabläufe seien aufeinander abgestimmt, dabei greife ein Rad ins andere, damit die Waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort seien. Das betreffe nicht nur den Abtransport, sondern auch alle Zulieferer. „Eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wenn dieses zerstört wird, wie im Fall des Fahrverbots, taugt die ganze Kette nichts mehr.“

Die AFK fordere daher Ausnahmegenehmigungen für den Quell- und Zielverkehr und die heimischen Logistikunternehmen. Auch müsste der Ausbau der in der Planung befindlichen Maßnahmen vorangehen. Jetzt seien alle Gemeinden aufgefordert, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Als Schildbürgerstreich bezeichnet Willi Schäfer von der Geschäftsleitung des Frankenberger Fertighaus-Unternehmens Finger Haus das Nachtfahrverbot auch für Lastwagen heimischer Unternehmen. „Wir sind dann wohl das am stärksten betroffenen Unternehmen im Frankenberger Land und hätten einen riesigen Schaden“. Pro Woche verlassen 30 bis 40 Sattelzüge vollbeladen mit Fertighausteilen und zusätzlich Montagefahrzeuge die Firma. Sie müssen in der Regel um 6 oder 7 Uhr morgens auf der Bausstelle sein. Dort steht dann bereits der Kran für den Aufbau bereit. „Wir sind darauf angewiesen nachts loszufahren“, sagt Willi Schäfer. Bei einem Auftrag zum Beispiel in der Pfalz fahren die Lastwagen um am Vorabend um 22 oder 24 Uhr los. Und auch wenn das nähere Rhein-Main-Gebiet das Ziel ist, starte der Transport um 3 Uhr. Hinzu komme, dass gerade Bottendorfer Fuhrunternehmen, die direkt an der B 252 liegen, für FingerHaus fahren.

„Wenn wir nicht rund um die Uhr fahren könnten, das wäre die Katastrophe“, sagte Gerhard Ernst. Der Bottendorfer Unternehmer ist mit fünf Sammel- und vier Transportfahrzeugen in ganz Hessen tätig, von Rhoden bis Weilburg von Winterberg bis Kaufungen. Müsste er das Nachtfahrverbot einhalten, bräuchten er doppelt so viele Fahrzeuge. außerdem hätten auch die Molkereien gar nicht die Kapazitäten, die gesamte Milchmenge nur tagsüber anzunehmen.

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Quelle: HNA

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