Frankenberg

Walter Muth ist tot

- Frankenberg (gi). Ruhestand im herkömmlichen Sinn hat er nie praktiziert. Der Kunstmaler, Filmproduzent und Pilot Walter Muth blieb bis ans Ende seiner Tage kreativ. Am Freitag vergangener Woche starb er im gesegneten Alter von 89 Jahren; am 26. März wäre er 90 geworden. „Ich hatte ein unglaublich interessantes und schönes Leben“, sagte er in einem seiner letzten Interviews.

Walter Muth darf ohne Übertreibung als eines der letzten Multitalente des Frankenberger Landes bezeichnet werden. Er kam aus kleinen Verhältnissen, sein Vater stammte aus Rennertehausen, die Mutter aus Birkenbringhausen. Er wuchs in Franfurt/Main auf. Nach Abschluss der Volksschule erlernte er den Beruf des Schriftschneiders im grafischen Gewerbe. Doch er wollte mehr.

Mit 17 Jahren drehte er seinen ersten Amateurfilm und erhielt sofort ein Stipendium an der Film-Akademie in Berlin Babelsberg. Das Filmen hatte er sich selbst beigebracht.

Im Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Ausbildung zum Piloten bei der Luftwaffe. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kehrte er mit seinen ausgebombten Eltern von Frankfurt nach Rennertehausen zurück und eröffnete in Frankenberg ein Foto-Fachgeschäft. 1945 heiratete er die Leipzigerin Edith, geb. Kläss, eine Funkerin, die er als Flieger in den Kriegsjahren kennen gelernt hatte. Aus der Ehe gingen die Töchter Regine und Sylvia hervor.

Doch schon bald wurde ihm Frankenberg zu klein. Walter Muth verpachtete sein florierendes Fotogeschäft, heuerte beim Rundfunk an und machte anschließend Karriere beim Fernsehen. Unter anderem filmte er Autorennen auf dem Nürburgring und „Mainz wie es singt und lacht“. Aber auch Spielfilme zählten zu seinem Repertoire, beispielsweise „Liebe ist so selten“ mit Grit Böttcher und Karin Dor. Beim Hessischen Rundfunk engagierte er sich zwei Jahre Leiter der Abteilung „Aktuelles Fernsehen“

Doch damit nicht genug. Walter Muth machte sich in München selbstständig und vermarktete seine Dokumentarfilme bei ARD und ZDF, beim NDR-Fernsehen, im Südwestfunk und weiteren namhaften Sendern. Seine Vielseitigkeit verblüffte die Fachwelt, denn er war Kameramann, Drehbuchautor und Produzent in einer Person. Er vertonte und schnitt seine Filme selbst – der Rubel rollte! Und in der Forststraße am Frankenberger Goßberg wurde ein neues stattliches Eigenheim gebaut, um der Familie ständige Wohnungswechsel zu ersparen. Allzu früh erlag seine geliebte Frau einem Krebsleiden.

Die Neigung zur Malerei entdeckte Muth in den 1960er Jahren. Er brachte sich die diversen Maltechniken selbst bei, vor allem die Fertigkeit des großem niederländischen Meisters Rembrandt. Aus dem Fernsehprofi wurde nun einer der bekanntesten Porträtmaler Deutschlands. Unter anderem malte er den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel, Heinz Rühmann, Herbert von Karajan, Sonja Ziemann und den bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. Seine Ölgemälde hängen unter anderem im Berliner Abgeordnetenhaus und in zahlreichen Museen und Ausstellungen. Die Malleidenschaft führte ihn auf einem Luxusliner zweimal rund um die Welt. In dieser Zeit wurde er auch Gründer des Drachenfliegervereins Battenberg.

„Glücksgefühle, die aus kreativer Arbeit erwachsen, sind unvergleichlich“, pflegte der Rotarier Walter Muth zu sagen, wenn wieder mal ein Werk gelungen und vollendet war. So hielt er es auch bis zu seinem Lebensende. Selbst im Altenheim „Ederbergland“, in dem er seinen Lebensabend verbrachte, richtete er sich ein winziges Atelier ein, blieb kreativ aktiv und veranstaltete im Herbst vergangenen Jahres sogar noch eine keine, aber viel beachtete Ausstellung. – Walter Muth wird in seinen Bildern weiterleben.

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