Von Walzer bis Hip Hop: Tanzschule Müller feiert 70-jähriges Bestehen

Mit Ausdruck und Ausstrahlung: die Tanzlehrer (von links) Kathrin Müller, Christian Boeffel und Julia Müller. Foto: Rösner

Frankenberg. Sie hat getanzt, bis ihre Füße bluteten. Als sie ein Kind war, mussten ihre Eltern die Ballettschuhe deshalb vor ihr verstecken. Die Leidenschaft zum Tanz hat Julia Müller von ihrem Vater geerbt. Tanzen ist ihr Leben und ihr Beruf, und so soll es auch bleiben.

Deshalb blickt Julia Müller zum 70-jährigen Bestehen ihrer Tanzschule auch zurück, aber vor allem nach vorne.

Jeder kann tanzen lernen, ist Julia Müller sicher. Diese Einstellung hat dazu beigetragen, dass die Tanzschule, die ihr Vater Rudolf Müller 1946 in Frankenberg gründete, so alt geworden ist. Am Wochenende wird das in der Ederberglandhalle in Frankenberg gefeiert.

Mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Kathrin Müller sitzt die 47-Jährige am Wohnzimmertisch und sichtet alte Fotos. „Papa hat Glück gehabt.“ Denn er fand eine Frau, die gerne tanzte. So baute das Paar die Tanzschule auf, die ihre Tochter Julia nun seit 20 Jahren weiterführt, mit ihrem Partner Christian Boeffel.

70 Jahre, das bedeutet für sie Familientradition, immer auf dem Stand der Tanztrends zu sein, Unterricht für alle Sparten von klassisch bis Hip Hop anzubieten und sich in neuen Tänzen fortzubilden. Es bedeutet, von „schmissigem Rock ‘n’ Roll bis hin zu klassischem Walzer“ möglichst viel im Repertoire zu haben. Denn der Geschmack der Tanzschüler variiert laut Julia Müller so sehr wie sich die Tanzstile, die Musik und die Mode im Laufe der Zeit verändert haben.

Boogie Woogie und Westcoast Swing, Rumba, Salsa und Stepptanz – jeder könne beim Tanzen etwas finden, das ihm liegt, sagt sie.

Ihre Schwester schätzt zum Beispiel Bewegungen, die alleine auszuführen sind. Sie unterrichtet daher Stepptanz und zudem Body-Percussion, also Klänge mit dem eigenen Körper erzeugen. Kathrin Müller lebt in Frankreich, doch künftig möchte sie Workshops in der Tanzschule Müller anbieten. In den Kursen übernehmen sie pädagogische und therapeutische Aufgaben, sind die beiden Schwestern sicher. Tanzen stärke das Selbstbewusstsein, mache glücklich, wirke entspannend und sei eine gesellige Sache. „Es hat sogar mit Sexappeal zu tun“, sagt Julia Müller.

Tanzen macht Spaß, aber Tänzer zu sein, kann harte Arbeit bedeuten. „Es ist ein Knochenjob“, sagt Julia Müller. Das sei ein Grund, warum noch keiner ihrer Schüler als Tänzer groß raus gekommen ist. „Viele schmeißen das Handtuch im ersten Jahr der Ausbildung.“ Außerdem seien Eltern selten bereit, talentierte Kinder zu fördern und für Tanzstunden kontinuierlich zu bezahlen.

Für die meisten ihrer Tanzschüler bleibt es daher ein schönes Hobby. „Wir bringen Fußgängern das Tanzen bei.“ Fernsehsendungen wie „Let’s dance“ suggerierten, dass Laien in kurzer Zeit professionell tanzen lernen könnten. „Die trainieren aber täglich stundenlang.“ Tanzsendungen seien dennoch eine „super Werbung“ für diese Sportart.

Sich zu Musik bewegen – wie sehr das Menschen mitreißen kann, ist Julia Müller deutlich geworden, als ihr ein Paar erzählte: „Wir haben 38 Jahre lang bei Ihren Eltern getanzt.“

Worin sich der Geschmack auf dem Land von dem in der Großstadt unterscheidet, welches Potenzial der Seniorentanz hat und wie Julia Müller die Arbeit mit behinderten Menschen beurteilt, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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