Frankenberg

Walzerseligkeit zum Start ins neue Jahr

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- Frankenberg (jos). Das Frankfurter Johann-Strauß-Orchester hat ein umjubeltes Gastspiel in der Frankenberger Ederberglandhalle gegeben. Trotz missbräuchlicher Nutzung durch die Werbe-Industrie und Kommerz-Produkte à la André Rieu haben die berühmten Werke von Johann Strauß nichts von ihrer Schönheit verloren.

„Man hört ihn oft in anderen Versionen“, sagt Stefan Ottersbach über den Kaiser-Walzer. Doch André Rieus Interpretation habe nichts mit Johann Strauß zu tun. „Das ist wie mit Lenor gewaschen – also weichgespült“, erklärt der Dirigent des Frankfurter Johann-Strauß-Orchesters, greift nach dem Taktstock und führt seine 30 Musici durch das Meisterwerk der Musikgeschichte. Beseelt von den Walzerklängen gehen die rund 400 Besucher in der Ederberglandhalle in die Pause. Die dauert beim vom Kiwanis-Club organisierten Neujahrskonzert eine gute halbe Stunde – das Benefizkonzert ist in seiner elften Auflage nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Und bei den Pausen-Gesprächen sind sich die Besucher einig: Das Frankfurter Orchester hat sein hervorragendes Niveau gehalten und auch die Programm-Auswahl trifft den Geschmack des Publikums.

Gefällig und mitreißend

Im ersten Teil sind es abgesehen von einer Ouvertüre aus Offenbachs Operette „Pariser Leben“ ausschließlich Werke von Johann Strauß und Franz Lehár, die die Besucher begeistern. Eines haben alle Stücke gemeinsam: Gefällige Melodien und mitreißende Rhythmen, die mal zum leichten Schunkeln und mal zum leisen Klatschen hinreißen.

Das Orchester spielt in Minimal-Besetzung mit maximalem Klang. Gegen die schwach besetzten, aber stark aufspielenden Bläser und Schlagwerker kommen die Streicher dank der Mikrofone in den ersten Reihen gut an. Auch die Gesangssolisten setzen auf elektrische Verstärkung. Bei der ohnehin langweiligen und trockenen Akustik der Ederberglandhalle fällt das allerdings kaum auf und zumindest nicht negativ ins Gewicht.

Das Orchester musiziert zunächst zurückhaltend, steigert sich gerade im Zusammenspiel aber von Stück zu Stück. Als Solisten treten Sopranistin Deborah-Lynn Cole und Tenor Alexander Herzog auf – beide sind bereits in den vergangenen Jahren mit dem Strauß-Orchester in Frankenberg gewesen.

Cole gibt bei dem Titel „Klänge der Heimat“ aus Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ die Rosalinde. Mit großen Gesten und maximaler Mimik unterstreicht sie ihre starke Stimme. Andreas Herzog begeistert im ersten Teil vor allen Dingen mit Lehárs „Gern hab’ ich die Frau’n geküsst“ aus „Paganini“. Lehár habe wie kaum ein anderer Komponist mit unterschiedlichen Klangfarben gearbeitet, berichtet Dirigent Ottersbach. Sein Orchester arbeitet diesen Anspruch des Komponisten gut heraus.

Im zweiten Teil des insgesamt mehr als dreistündigen Konzerts bleibt das Programm heiter und schwungvoll. Das Strauß-Orchester spielt sogar Stücke, die mehr dem Genre Schlager als der klassischen Musik zuzuordnen sind. „Heut’ ist der schönste Tag“ von Hans May beispielsweise ist so ein Titel, bei dem die Musiker einen lockeren Swing hinlegen und der Tontechniker dem Sänger Alexander Herzog etwas mehr Verstärkung und einen leichten Hall-Effekt auf das Mikrofon gibt. – Neben schmissigen Märschen bietet das Orchester im zweiten Teil auch Herz-Schmerz-Musik wie etwa mit den Titeln „Grüß’ mir Wien“ oder „Ich schenk’ mein Herz. Das klingt nach Heimatfilmen aus den 50er- und 60er-Jahren. Und im Zusammenhang mit den weißen Jacketts der Musiker erinnert das Strauß-Orchester an James Last. Nicht weiter schlimm – denn erlaubt ist, was gefällt. Die musikalische Qualität stimmt und das Publikum spendet begeistert Beifall.

Bei Emil Waldteufels „Die Schlittschuhläufer“ sind die Zuschauer dann auch als Akteure gefragt – charmant fordert Dirigent Ottersbach die Gäste auf, einen Walzer auf das Parkett zu legen. Mehrere Paare trauen sich und Ottersbach stellt hinterher erfreut fest: Die Tänzer hatten ein beseeltes Lächeln im Gesicht.

Swingendes Duett

Mit einem swingenden Duett beenden Solisten und Orchester das „offizielle Programm“. Die Zugaben haben die Veranstalter direkt ins Programmheft gedruckt – und da darf selbstredend der Radetzkymarsch nicht fehlen. Das Publikum klatscht munter im Takt mit. Und Ottersbach beweist eindrucksvoll, dass er nicht nur sein Orchester bestens „im Griff“ hat: Er dirigiert auch die Zuschauer und zeigt ihnen an, mal leiser und mal lauter zu klatschen. Ganz zum Schluss gibt es donnernden Applaus für ein gelungenes Konzert, das im nächsten Jahr wiederholt werden sollte.

Der gesamte Erlös des Abends soll sozial benachteiligten Kindern und deren Familien aus dem Altkreis Frankenberg zugute kommen, erklärte Kiwanis-Präsident Michael Pauli.

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