Vortrag in Frankenberg

Wandlung vom Neonazi zum Christ

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Die Organisatoren von fünf Frankenberger Freikirchen und Referent Oliver Schalk (3. von links) freuten sich über die große Resonanz am Samstagabend. Foto: FrankSeumer

Frankenberg - Abhängig, kriminell, inhaftiert, brutal - und dann? Der ehemalige Berliner Hooligan, Punk und Neonazi Oliver Schalk berichtete von seiner Lebenswandlung zum überzeugten Christen.

Rund 300 Besucher, davon mehr als die Hälfte Jugendliche, erlebten am Samstagabend einen ergreifenden und authentischen Vortrag in der Ederberglandhalle. Fünf evangelische Freikirchen hatten eingeladen. Der Referent Oliver Schalk vom Berliner Verein „Zukunft für dich“ schilderte seine Lebensgeschichte: „Ich suchte Anerkennung und wollte einfach nur cool sein“, sagte der in der ehemaligen DDR aufgewachsene Berliner.

Schon mit 14 griff er zur Bierflasche, kurze Zeit später zu Schnaps und Drogen. „Was man nicht alles macht um anerkannt zu werden, eine Sucht jagte die andere“. Er nannte drei Faktoren für sein Abtriften: Falsche Freunde, Drogen und Alkohol sowie die Musik. „In einem solchen Sog kommt du am Knast nicht vorbei.“ Schalk wurde drei Mal inhaftiert und eröffnete eine Hooligan-Kneipe. Fußballkrawalle und Neonazi-Aufmärsche bildeten sein Leben. Springerstiefel, Schlagstock und Ketten hatte er am Samstag auf der einen Seite der Bühne als seine „dunkle Vergangenheit“ aufgebaut. Auch der grausame Tod seines Vaters, der als Kettenraucher und Alkoholabhängiger an Krebs starb, änderte nichts am Leben Schalks.

Heiter und mit viel schauspielerischem Talent schilderte er seine Begegnung mit überzeugten Christen bei einem Motorradtreffen. „Jesus, hier ist Olli, kümmere dich um ihn“, hieß dort ein Gebet. Oliver Schalk bekam eine Bibel überreicht, doch seine Wirkung entfaltete sie erst ein Jahr später. Während einer Kur in Bad Gandersheim ging er auf die Suche und fand in einer Bibelschule seinen heutigen Freund und Wegbegleiter Jörg Kohlhepp, der am Samstagabend auch in der Ederberglandhalle dabei war. „Bist du Jesus?“, fragte Schalk damals. Am 21. November 2002 betete er mit Tränen und „legte innerlich den Schalter um“. Seitdem kommt er ohne Bier, ohne Zigaretten, ohne Drogen aus. Nach seiner Rückkehr nach Berlin brach er alle alten Kontakte ab und begann ein neues Leben. Ein wichtiger Meilenstein seiner Überzeugung war später ein Besuch im Leipziger Zentralstadion, das an diesem Tag von größeren Krawallen verschont blieb. Heute arbeitet er hauptberuflich in der Suchtprävention und ist Leiter des Kinderdienstes beim Verein „Zukunft für dich“. Alle drei Wochen ist er in ganz Deutschland in Gemeinden unterwegs.

Schalk richtete einen Appell an alle Besucher: „Jeder trägt einen Rucksack mit sich“. Die Offenheit und Lockerheit des Referenten sprang auf viele Besucher über, die bei einem Abschlussgebet ihre enge Beziehung zu Gott zeigten und anschließend im persönlichen Gespräch mit dem Team der fünf Gemeinden vertieften. Viele Jugendliche zeigten sich ergriffen von den Worten und kamen zum Kreuz auf der anderen Seite der Bühne.

Markus Habicht von der „Gemeinde auf dem Weg“ und Andreas Latossek von der Freien evangelischen Gemeinde in der Bottendorfer Straße moderierten den Abend. Beteiligt waren auch die evangelischen Gemeinschaften in der Ruhrstraße, die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden in der Friedrichstraße und in Friedrichshausen. Eine Jugendband umrahmte den Abend musikalisch und lud zum Mitsingen ein.

Von Frank Seumer

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