Walter Höhl und Marion Schöneweiß erinnern sich ans Fest 1989

Sie waren die Gesichter des Hessentags

Frankenberg - Ja, sie passt noch, die "alte" Tracht: Marion Schöneweiß und Walter Höhl haben vor 25 Jahren dem Hessentag ein Gesicht gegeben. Kaum eine Veranstaltung, bei der sie nicht freundlich lächelnd die Menschenmassen gegrüßt, keine Prominentenhand, die sie nicht geschüttelt haben. Für die FZ schwelgen sie in Erinnerungen.

Nein, ein „echtes“ Paar sind die beiden nie gewesen. „Auch wenn das viele gedacht haben“, sagt Walter Höhl und schmunzelt. Kein Wunder, schließlich haben Schöneweiß und Höhl unzählige Stunden gemeinsam verbracht, sind Hand in Hand durch die Hessentagsstraße gelaufen, haben „Truck Stop“ zugehört oder sich mit Ministerpräsident Walter Wallmann unterhalten. 25 Jahre alt waren sie damals.

Eine tolle Zeit, sind sich beide einig. Beide sind gleich alt und in Haubern aufgewachsen. Sie kennen sich von Kindesbeinen an, haben die Schule zusammen besucht, wurden gemeinsam konfirmiert - und sie haben die Hauberner Landjugend mitgegründet. Dort entstand auch die Idee, dass die beiden die Stadt Frankenberg als Hessentagspaar repräsentieren könnten. „Das haben wir dann im Vorstand so beschlossen“, erinnert sich Walter Höhl. Die beiden bewarben sich bei der Stadt Frankenberg und hatten nach einem „Vorstellungsgespräch“ beim damaligen Bürgermeister Helmut Eichenlaub das Ehrenamt. Beschlossen wurde das - ganz offiziell - vom Stadtparlament. Konkurrenz gab es keine, sie waren die einzigen Bewerber.

Erster Auftritt beim Hessentag in Hofheim

Weil es eine typische Frankenberger Tracht nicht gab, entwickelte Rita Wagner (†) aus Laisa eine repräsentative, der Region entsprechende Kleidung - dazu gab es viele Diskussionen. Lediglich die Kopfbedeckung beim Mann fehlte, damals ein Novum in der Geschichte der Hessentagspärchen, erzählt Walter Höhl. Die männliche Hessentagspuppe 1989 trägt aber einen Hut.

In dieser Kleidung warb das Pärchen erstmals beim Hessentag 1988 in Hofheim für das große Fest in Frankenberg. Es folgten Auftritte bei der Grünen Woche in Berlin, bei der Hannover-Messe, in Bonn, natürlich auch bei vielen Veranstaltungen im Frankenberger Land. Die beiden waren gefragt. Unterstützt wurden sie oft von ihrem Heimatverein, der Hauberner Landjugend.

Je näher das hessische Landesfest rückte, desto voller wurde der Terminkalender. Bis schließlich der 24. Juni kam, der Start des Hessentags. 140 Veranstaltungen haben sie an neun Tagen besucht. „Und zu keinem Termin sind wir zu spät gekommen“, sagt Höhl. Es war das erste Hessentagspaar mit Limousine und Chauffeur.

Beide standen im Mittelpunkt, wurden gesehen, laufend angesprochen, in Unterhaltungen verwickelt. „Es ist toll, wenn man erkannt wird“, sagt Marion Schöneweiß. „Und uns ist überall eine große Sympathie entgegengeschlagen. Wir wollten eigentlich abends früh nach Hause. Aber da hätten wir zu viel verpasst.“

„Die Leute sprechen uns noch heute an“

Wie viele, die damals das Fest besucht haben, erinnern sie sich an gesellige Stunden im Weindorf, an die Großveranstaltungen im Zelt, an Rockabende und Konzerte mit Bands, die den Whiskey hinter der Bühne vertraglich gefordert - und auch bekommen - hatten.

Es entstanden viele neue Kontakte und auch Freundschaften, etwa zu einem Fotografen der Staatskanzlei, der den beiden auf Schritt und Tritt folgte und sie überall ablichtete. Viele kleine Begegnungen gehörten dazu, etwa bei einer Veranstaltung mit behinderten Sportlern. Aber auch viele Prominente kamen nach Frankenberg. „Ministerpräsident Wallmann hat mich bei jedem Treffen zur Begrüßung gedrückt“, erzählt Marion Schöneweiß. Doch schließlich kam der Montag nach dem Hessentag. „Morgens über den leeren Obermarkt zu gehen, das war komisch“, erinnert sich Marion Schöneweiß. Es gab keinen Termindruck mehr, nur noch Alltag. „Aber die Leute sprechen uns an. Noch heute“, sagt Walter Höhl.

Der Landjugend sind sie treu geblieben, tanzen bei den „Oldies“, treffen sich bei runden Geburtstagen oder anderen Festen, wenngleich die Zeit durch Familie und Beruf knapp geworden ist. Der Hessentag ist bei den Zusammentreffen fast immer ein Thema - auch nach 25 Jahren.

Von Mark Adel

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