Pfarrer Wilhelm Steeneker wird am Sonntag aus dem Dienst verabschiedet

„Es waren 30 schöne Jahre“

Der Talar hat bald ausgedient: Morgen wird der Frankenberger Seelsorger Wilhelm Steeneker nach knapp 30-jähriger Amtszeit verabschiedet. Foto:  Battefeld

Frankenberg. In 30 Jahren Amtszeit hat er ganze Generationen von Gemeindemitgliedern getauft, konfirmiert oder getraut – und der Abschied fällt ihm nicht ganz leicht: Der Frankenberger Seelsorger Wilhelm Steeneker wird morgen offiziell aus dem Dienst der evangelischen Kirche entlassen. Aus diesem Anlass findet am Sonntag um 14 Uhr ein Abschiedsgottesdienst in der Liebfrauenkirche statt.

Er verspüre zwar einerseits eine Erleichterung, da er gesundheitlich angeschlagen sei und die Entlassung auf eigenen Wunsch erfolge. Sein Ausscheiden sei aber auch mit wehmütigen Gefühlen verbunden, da im Laufe der Jahre eine ganz starke Verbundenheit gewachsen sei und auch viele Freundschaften entstanden seien, betont der gebürtige Niederländer.

„Ich blicke zurück auf eine gute Zeit, sonst wäre ich nicht so lange geblieben.“

Pfarrer Wilhelm Steeneker

„Als ich 1980 nach Frankenberg kam, hatte ich gerade erst mein Studium abgeschlossen und war ein Anfänger ohne Berufserfahrung“, erinnert sich Wilhelm Steeneker, „ich wurde ins Wasser geschmissen“.

Der damalige Dekan Jockel und die Frankenberger hätten ihn aber unterstützt und ihm den Einstieg leicht gemacht. „Sie hatten sehr viel Geduld mit mir“, sagt er. „Die Hessen sind ein bisschen wie die Friesen – man muss erst warm mit ihnen werden“, meint der aus der Provinz Friesland stammende 62-Jährige.

Er habe sich damals die Stelle in Frankenberg auch deshalb ausgesucht, weil die Stadt Ähnlichkeit mit seiner Heimatstadt Sneek habe. Steeneker betreute den Frankenberger Pfarrbezirk II am Hinstürz, zudem den Ortsteil Burgwald – den früheren Industriehof. Anfangs habe er neben seiner normalen seelsorgerischen Tätigkeit auch noch Gottesdienste in niederländischer Sprache für Urlauber am Edersee gemacht, berichtet Steeneker.

Am wichtigsten seien ihm neben vielen Hausbesuchen vor allem die Erwachsenenbildung und die Seniorenarbeit gewesen, erklärt der Naturliebhaber. „Die Themen sind mir nie ausgegangen. Ich hatte immer neue Herausforderungen hier in Frankenberg“, meint er rückblickend. Deswegen habe er auch keinen Anlass gehabt, die Stelle zu wechseln oder vielleicht nach Holland zurückzukehren. „Das hängt vielleicht auch mit meinen Wurzeln zusammen, die ich von meiner deutschen Mutter habe“, vermutet Steeneker. Er fahre zwar regelmäßig einmal im Jahr nach Holland, um dort Urlaub zu machen und seine Verwandten zu besuchen. Mittlerweile hege er aber auch „Heimatgefühle“, wenn er dann wieder nach Frankenberg zurückkehre. Als Altersruhesitz hat sich der scheidende Pfarrer aber Bad Wildungen ausgesucht.

„Ich wollte nicht aus der Welt sein, aber schon ein bisschen Distanz zu Frankenberg haben“, erklärt er. Er freue er sich schon auf die dortige Rhododendronblütte und lange Spaziergänge. „Ich liebe die Stille und die Ruhe in der Natur“, erzählt Steeneker. Außerdem werde er sich jetzt verstärkt mit Literatur und Interpretationen von Büchern und Filmen befassen. „Nicht dass die Leute denken, ich mache jetzt gar nichts mehr.“

„Ich blicke zurück auf eine gute Zeit, sonst wäre ich nicht so lange hier in Frankenberg geblieben“, sagt Wilhelm Steeneker rückblickend auf 30 Jahre.

Von Susanna Battefeld

Quelle: HNA

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