450 Menschen demonstrierten für mehr Lohn

Warnstreik: Lebenshilfe-Kitas im Kreis nur mit Notbetreuung

Stark in Kassel vertreten: Beschäftigte des Lebenshilfe-Werks Waldeck-Frankenberg – nach eigenen Angaben rund 60 – nahmen am Mittwoch am Warnstreik von Ver.di in Kassel teil. Foto: nh

Kassel. Erneut sind am Mittwoch Erzieherinnen und andere Arbeitnehmer im öffentlichen Sozial- und Erziehungssdienst auf die Straße gegangen, darunter auch viele aus Waldeck-Frankenberg.

In Kassel demonstrierten 450 Menschen für mehr Lohn, viele auch aus Waldeck-Frankenberg. Zum Warnstreik aufgerufen waren alle Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst des öffentlichen Dienstes in ganz Nordhessen. Ver.di fordert eine bessere Eingruppierungen und bessere Bezahlung - im Schnitt eine Lohnsteigerung von zehn Prozent.

Mit einer Trommelgruppe und 60 Teilnehmern machten sich die Beschäftigten der Lebenshilfe unter den Demonstrierenden in der Kasseler Innenstadt deutlich bemerkbar. „Es geht nicht nur, wie in den Medien berichtet, um Erzieherinnen in Kitas“, erklärte Jürgen Süß, Ver.di-Sprecher im Lebenshilfe-Werk, „sondern um alle Berufsgruppen in der sozialen Arbeit und somit der Behindertenhilfe.“ Auch Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung, Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen und Sozialarbeiter seien betroffen.

„Diese traditionellen Frauenberufe sind im Vergleich zu technischen und handwerklichen Berufen schlecht bezahlt, hier muss es um eine Aufwertung gehen. Die Frage ist: Was ist uns soziale Arbeit Wert“, sagte Süß.

Mit diesem erneuten Warnstreik will die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di den Druck auf die Arbeitgeber im öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst erhöhen. Hintergrund ist das Ergebnis der zweiten Verhandlungsrunde zur Aufwertung und damit Verbesserung der Eingruppierung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst, die Ende März stattgefunden hatte. Die Reaktion der Arbeitgeber sei ablehnend gewesen und der Warnstreik eine Reaktion darauf, sagte Gewerkschaftssekretärin Gisela Horstmann vom Ver.di-Bezirk Nordhessen.

„Wir machen die wichtigste Arbeit in dieser Gesellschaft, denn wir arbeiten mit Menschen“, rief sie in die Menge der Versammelten. Es sei nicht einzusehen, dass ein Techniker beispielsweise so viel mehr verdiene als ein Arbeitnehmer im erzieherischen Bereich, der ebenfalls eine mehrjährige Ausbildung absolviert haben.

Durch den Warnstreik konnten die Lebenshilfe-Kindertagesstätten in Korbach, Frankenberg und Bad Wildungen nur eine Notbetreuung anbieten, in den Werkstätten war das Betreuungsangebot eingeschränkt, die Werkstatt „Am Ziegelfeld“ in Korbach hatte sogar ganz geschlossen.

Für den Fall, dass es am dritten Verhandlungstag wieder zu keinen greifbaren Ergebnissen kommt, kündigte Jürgen Süß weitere Arbeitsniederlegungen in Waldeck-Frankenberg an.

Quelle: HNA

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