Traditionsreiche Wirtschaft in Rennertehausen bestand fast 200 Jahre

Das „Warsteiner Stübchen“ schließt

Allendorf - Rennertehausen - Eine lange Tradition ist in Rennertehausen zu Ende gegangen. Seit 1816 gab es bei „Kanhenrejes“ im Haus eine Wirtschaft. Die letzten Betreiber haben nun die Türen der Gaststätte geschlossen.

„Wirtschaft zum kühlen Trunke“ hieß die Rennertehäuser Gaststätte 1816 oder später „Gasthaus Born“. Die letzten Betreiber - das Ehepaar Reinhild und Volker Holzapfel - haben die Wirtschaft vor 20 Jahren gepachtet. Sie führten sie unter dem Namen „Warsteiner Stübchen“. Nun haben die beiden ihre Gaststätte aufgegeben.

Mit der guten Küche von Reinhild Holzapfel und Volker Holzapfel als Mann hinter der Theke hatte die Gaststätte schnell einen guten Ruf. Waren es zunächst nur Hildes Pizzen, die sich einen Namen gemacht hatten, kam später noch das komplette Angebot einer gutbürgerlichen Küche dazu. Nun bleibt die Frage, warum so eine Gaststätte aufgegeben wird und damit dem Trend der Schließungen auf den Dörfern folgt? Die Frage ist schnell beantwortet: Die Gäste bleiben aus. Es gibt mehrere Gründe für das Ehepaar Holzapfel, warum sie letztlich den Entschluss fassten, ihre Gaststätte zu schließen: Der Zeitgeist anders zu kommunizieren als am Kneipentisch; Vereinsheime, die ihre Mitglieder selbst versorgen und auch Räume für Feierlichkeiten vermieten und zudem die Getränke noch billiger anbieten. Auch die veränderte Arbeitswelt mit immer höheren Anforderungen an die Menschen spiele eine Rolle, dass es weniger „Kneipengänger“ gebe.

Das war früher anders bei „Kanhenrejes“: Zu dem Wohnhaus mit Gaststätte gehörten noch ein großer Garten und ein Saalbau, spielte sich dort doch alles ab - ob Kirmes oder Schützenfest im Garten, Hochzeiten, Tanzveranstaltungen und Theater im Saal. Auch die Heimatvertriebenen, die in Rennertehausen nach dem Krieg ein neues Zuhause fanden, hielten dort ihre Treffen ab. Selbst als Kino wurde der Saal genutzt: Zweimal in der Woche gab es dort eine Filmvorführung zu sehen. 1955 stellte sich die Familie Born auf das zarte Pflänzchen Tourismus ein und baute Fremdenzimmer für Feriengäste und für reisende Handelsvertreter.

Da es in Rennertehausen lange kein Dorfgemeinschaftshaus gab, blieb die Gaststätte lange Zeit Treffpunkt für die Dorfbewohner. Nachdem im Jahr 1980/81 das öffentliche Gebäude gebaut wurde, verkaufte der damalige Besitzer der Gaststuben, Walter Sellmann, das Anwesen an Heinrich Krümmelbein. Dieser eröffnete dort im Garten und im Saalgebäude sein „Autohaus Krümmelbein“. Die Gaststätte - das war sein Wunsch - sollte dem Dorf erhalten bleiben. Daher verpachtete er die Räume. Erst mit Reinhild und Volker Holzapfel hatte er 1992 die richtigen Pächter gefunden.

Besitzer Heinrich Krümmelbein bedauert wie viele andere Rennertehäuser auch, dass sich die fast 200-jährige Tradition dieser Dorfgaststätte nicht mehr aufrechterhalten lässt und von ehemals drei Gaststätten jetzt nur noch eine in Rennertehausen übrig bleibt. (wi)

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