Bundesweite Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" startet am Freitag, 25. Oktober, in Frankenberg

"Was verboten ist, macht neugierig"

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Frankenberg - Die Freiheit, das zu lesen, was man möchte, ist nicht zu allen Zeiten und unter allen Umständen gegeben: Darauf macht die Aktion "Lies ein verbotenes Buch" in der Frankenberger Bibliothek ab Freitag, 25. Oktober, aufmerksam.

Bücherverbrennung, Einlieferungsverbot und Anschläge auf Autoren, Übersetzer und Verleger gibt es schon lange nicht mehr? Weit gefehlt: Zuletzt galten im Dritten Reich und der DDR Restriktionen - in anderen Weltregionen ist dies aufgrund bestimmter Regime oder Glaubensrichtungen bis heute so. Ein Beispiel dafür ist Salman Rushdies Buch „Die satanischen Verse“ aus dem Jahr 1988 – auf den Autor wurde gar ein Kopfgeld ausgesetzt.

Den Wert, im Gegensatz dazu in Deutschland die Freiheit zu haben, das lesen zu dürfen, was man möchte, stellt ab heute die Frankenberger Stadtbücherei in den Fokus. Sie beteiligt sich an der bundesweiten Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“. Bereits zum sechsten Mal findet die Aktionswoche in Bibliotheken in ganz Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband statt, seit gestern unter dem Motto „Treffpunkt Bibliothek - Information hat viele Gesichter“. In diesem Zusammenhang hatte Bibliotheksleiterin Barbara Manke die Idee zur Aktion „Lies ein verbotenes Buch“.

Dazu inspiriert wurde sie von der „Banned Books Week“. Die „Woche der verbannten Bücher“ ist eine jährlich stattfindende Kampagne US-amerikanischer Bibliotheken, Verlage und Buchhändler gegen die Zensur von Literatur. Mit der Aktion möchten Manke und ihr Team dazu anregen, den Bücherei-Bestand einmal unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Welche Bücher, die heute ganz einfach in der Bibliothek ausgeliehen werden können, waren einmal in Deutschland oder anderen Teilen der Welt verboten, und welche haben Diskussionen ausgelöst und werden noch heute von bestimmten Gruppierungen kritisiert?

Manke nennt als Beispiele die „Harry Potter“-Romane, die teilweise von christlichen und islamischen Geistlichen wegen der Zauberei-Darstellung angeprangert werden, aber nicht verboten sind. Anders sah es da im 18. Jahrhundert mit einem Klassiker der Weltliteratur aus, den heute fast jeder bereits in der Schule gelesen hat: Goethes „Werther“ war in Sachsen, in Dänemark und im Habsburgischen wegen der „Verherrlichung des Freitods“ verboten.

Ein eingeschränktes Verbot gab es Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Verkauf von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ war in der Steiermark an Jugendliche unter 18 Jahren untersagt. Manke gibt zu bedenken: „Aber was verboten ist, macht auch neugierig.“ Der besondere Schutz von Lesern, die noch nicht erwachsen sind, hat heute noch Gültigkeit: Es gibt Bucher, die auf dem so genannten Index landen. Die nicht mehr in Deutschland verbotene Literatur ist bis 1. November in der Stadtbücherei ausgestellt und kann auch ausgeliehen werden. (sis)

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