Literarischer Frühling

Vom Wasser über die Mühle zur Forelle

Frankenau - John von Düffel liest zum Dinner in der Bärenmühle aus seinem Debüt-Roman „Vom Wasser“.

Ein paar Treppenstufen hinauf nehmen die Gäste an elegant gedeckten Tischen Platz. In der Bärenmühle im Lengelbachtal lassen sie sich auf eine Lesung vom Wasser ein und genießen dazu ein Vier-Gänge-Menü, dessen Höhepunkt eine heimische Forelle ist.

Nach seinem Schreibseminar, das der Autor John von Düffel in der vergangenen Woche geleitet hat, steht er nun an einem Rednerpult. Sein Buch liegt vor ihm, Licht spendet eine kleine Lampe. Stille herrscht, als er anfängt zu lesen, von dem „Gut Missgunst“, das auch im realen Leben im nördlichsten Zipfel Hessens liegt.

Es ist der Schauplatz seines ersten Romans, für den er mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, darunter der Mara-Cassens-Preis für den besten Debüt-Roman. Von Düffel beschreibt den Geruch von brackigem Wasser, als könnte man es riechen, den salzig-süßlichen Geschmack, als könnte man es schmecken. Der Ich-Erzähler beschreibt, wie Mütter und Großmütter über die Bewohner des Wassers sprechen, etwa den Harkemann, der so schwarz ist, dass er die Orpe färbt. Er erzählt vom Ururgroßvater, der Wasser zu Papier wandelte und Papier zu Geld: dem Gründer einer Papierfabrik.

Schnell ist das Tempo, in dem von Düffel liest. Dennoch nimmt er die Zuhörer mit, lässt Bilder entstehen. Es ist eine wahre Lust, ihm in dieser Stille zuzuhören, er spricht ohne Mikrofon und scheint selbst völlig vertieft in die von ihm verfasste Geschichte. Vor dem Hauptgang beschreibt der Autor, wie die Leiche des Ururgroßvaters nach drei Tagen Suche in der Orpe nach oben getrieben wird - „der Harkemann hat seine Beute freigegeben“, das Gesicht von Wasserratten zerfressen. „Ich möchte jetzt nicht ‚Guten Appetit‘ sagen“, holt von Düffel die Zuhörer zurück in den Gastraum der Bärenmühle, „aber ich verspreche Ihnen, die nächsten Kapitel werden etwas appetitlicher.“ Diese Aussage wird von spontanem Applaus gewürdigt.

Während des Essens sitzt der sympathische Autor dann an den Tischen der Gäste und kommt mit ihnen ins Gespräch. Es war das erste Lesedinner für den Autor und es hat ihm offensichtlich viel Freude bereitet - und nicht nur ihm.

Mit diesem sowohl literarischen als auch kulinarischen Genuss fand der erste „Literarische Frühling“ im Waldecker Land sein Ende und machte zugleich Appetit auf mehr im nächsten Jahr.

Von Sabine Degenhardt

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