Frankenberg

Weimann: „Es geht darum, zu leben“

- Frankenberg (jos). Wenn todkranke Menschen in jungen Jahren mangels Alternative in ein Altersheim geschickt werden müssen, dann läuft in den Augen von Christl Weimann etwas falsch. Deshalb will sie erreichen, dass in Waldeck-Frankenberg ein stationäres Hospiz eingerichtet wird.

Als Vorsitzende des Frankenberger Hospizvereins hat Weimann schon viele Menschen beim Sterben begleitet. Gemeinsam mit einem Team von insgesamt zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern engagiert sich die Frankenbergerin dafür, dass Todkranke die letzten Tage und Wochen ihres Lebens möglichst selbstbestimmt und würdevoll erleben. Manchmal ist es sogar ein Zeitraum von zwei Jahren, in denen Mitarbeiter des Hospizvereins die Menschen auf ihrem Weg zum Sterben begleiten. Immer wieder wird den Ehrenamtlichen dabei klar, dass ein stationäres Hospiz für den Landkreis wichtig wäre.

Vor Kurzem hatte Christl Weimann einen Anruf einer jungen Frau. Ihr Vater, rund 50 Jahre alt, war unheilbar an Krebs erkrankt und sein größter Wunsch war es, in der häuslichen Umgebung zu sterben. Doch die Tochter wohnte nicht mehr in der Gegend und konnte ihren Vater deshalb nicht versorgen. Weitere Angehörige hatte der Mann nicht. „Es gab leider nur eine Möglichkeit – und das war das Altenpflegeheim“, berichtet Weimann. Sie hat den Mann dort besucht und war erschüttert. „Er sagte mir, er werde nicht aus seinem Zimmer gehen. Es hat ihn deprimiert unter all diesen sehr alten Menschen zu sein“, erklärt die Vorsitzende des Hospizvereins.

Elf Tage später ist der Mann gestorben. „Zurückgezogen und in sich gekehrt“, sagt Weimann. Mit einem stationären Hospiz wäre dem Mann geholfen gewesen, ist sich Weimann sicher. In Siegburg hat sie selbst einmal in einem solchen Hospiz gearbeitet. „Es geht darum, zu leben“, betont Weimann, die hauptberuflich in der Krankenpflegeschule tätig ist. Ein lebenswertes Leben bis zum Tod – das sei für einen vergleichsweise jungen Menschen im Altersheim genauso wenig möglich wie im Krankenhaus.

Insgesamt 220 Betroffene und deren Familien hat der Frankenberger Hospizverein in den zwölf Jahren seines Bestehens begleitet. „Die Nachfrage ist immer größer geworden“, sagt Weimann. Grund dafür seien auch Defizite im modernen Gesundheitssystem. „Zunehmend haben wir insbesondere in den letzten Jahren erfahren müssen, dass es immer mehr Menschen gibt, die zu Hause nicht versorgt werden können.“ In Würde Abschied nehmen – das sei in einem stationären Hospiz möglich. Doch Nordhessen ist unterversorgt.Insgesamt gibt es zwölf Hospize in Hessen, die meisten sind im Süden. Rund um Waldeck-Frankenberg gibt es ein Hospiz in Kassel und eines in Marburg. „Aber diese Einrichtungen nehmen natürlich bevorzugt Gäste aus dem eigenen Einzugsgebiet auf“, sagt Weimann.

Die Vorsitzende des Hospiz-vereins hofft, Unterstützer für ihre Idee eines stationären Hospizes zu finden. Im Kreisausschuss hat sie vor Kurzem einen Vortrag gehalten. Die Kreispolitiker hätten die Notwendigkeit eines stationären Hospizes erkannt, sagt Weimann. Ob jetzt der Hospizverein selber oder eine andere Organisation der Träger eines stationären Hospizes würde – das sei erst einmal nicht entscheidend. „Wir wollen eine Diskussion anstoßen“, sagt Weimann. Sie hofft, dass aus ihrer Vision schon in den nächsten Jahren Wirklichkeit wird.

Was wird als Nächstes benötigt? „Wir brauchen eine geeignete Immobilie und die Unterstützung aus den Reihen der Politik und Wirtschaft“, sagt Weimann. In Frankenberg habe sie bereits ein Einfamilienhaus ins Auge gefasst, das sich aus ihrer Sicht anbieten würde. Wer den Hospizverein in Frankenberg bei seinem Bestreben, ein stationäres Hospiz einzurichten, unterstützen will, wendet sich an Christl Weimann, Telefon 06451/55-247.

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