Kreisvolkshochschule Waldeck-Frankenberg

"Weniger Menschen, weniger Kurse"

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Mit dem Jahresbericht der Volkshochschule zum vergangenen Jahr ist Direktor Manfred Mengel größtenteils zufrieden. Heute Abend stellt er den Mitgliedern des Kreisverbands für Erwachsenenbildung den Bericht vor.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Manfred Mengel, der Direktor der Kreisvolkshochschule, stellt am Donnerstagabend in Frankenberg den Jahresbericht der Einrichtung vor. Er sieht Probleme darin, das derzeitige Angebot in gleichem Maße weiter aufrecht erhalten zu können.

„Das Interesse der Bevölkerung an Weiterbildung in jeglicher Form ist ungebrochen“, zieht Mengel sein Fazit aus dem Jahresbericht. Die Zahl der angebotenen Kurse und die Menge der Teilnehmer sei nur leicht rückläufig: Während 2010 noch 8790 Menschen 908 Kurse besuchten, nahmen im vergangenen Jahr 8592 Menschen an 881 Angeboten der Volkshochschule (vhs) teil.

Drei Prozent weniger Kurse wurden angeboten, 2,3 Prozent weniger Menschen nahmen diese Angebote wahr. Dass die Zahlen zurück gehen liege laut Mengel aber nicht daran, dass weniger Interesse an Kursen bestehe, sondern vor allem am demographischen Wandel – „weniger Menschen bedeutet weniger Kurse“. Im Landkreis sei die Bevölkerung allein im vergangenen Jahr um rund 0,8 Prozent zurückgegangen. In kleineren Orten sei es daher zunehmend schwieriger, Kurse auch durchzuführen. Angeboten werden sie – aber mindestens acht Teilnehmer müssen sich melden, damit der Kurs wirtschaftlich bleibt und die Kosten nicht erhöht werden müssten. „In Orten wie Frankenau, Hatzfeld oder Diemelsee haben wir da jetzt schon Probleme.“

Weniger Menschen, die im Landkreis leben, bedeute für die vhs aber nicht nur weniger Kunden für die Angebote, sondern auch weniger Kursleiter, die die Angebote machen. „Wir haben jährlich einen Etat von 15.000 Euro für die Weiterbildungen der Mitarbeiter. Andere Städte, wie etwa Universitätsstädte, brauchen das nicht“, erklärt Mengel. „Wir wollen unser Angebot zu guten Konditionen und in Wohnortnähe weiter halten, denn nach wie vor ist uns eine gewisse Flächendeckung wichtig“, sagt der Direktor der vhs. Dennoch sei klar, dass das Angebot in kleineren Dörfern in der Fläche in den nächsten fünf Jahren nicht mehr ganz aufrechterhalten werden könne.

Derzeit hält die vhs in 70 Orten und in mehr als 160 verschiedenen Häusern Angebote vor. „Kindergärten werden geschlossen und Hauptschulen zusammengelegt – auch die vhs wird sich in der Flächendeckung zurücknehmen müssen.“

Die meisten Kurse wurden im vergangenen Jahr im Bereich Gesundheit angeboten. „Viele Kurse werden von den Krankenkassen als Prävention anerkannt und es wird ein Teil der Kosten übernommen“, erklärt Mengel. An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala stehen kreative Kurse wie Tanz, Musik und Gestaltung. Den drittgrößten Bereich der vhs-Angebote machen die Sprachen aus. Zunehmend beliebter werden dabei laut Mengel kürzere Kurse. Dies sei teilweise eine Kostenfrage: Kurse die nicht über zehn Wochen gehen, sondern nur über ein Wochenende, seien günstiger. „Vielleicht spielt da auch der Zeitgeist mit rein, dass die Menschen sich nicht mehr lange binden wollen.“

Geändert habe sich aber nicht nur die Kursstruktur, sondern auch das Publikum: 17 Prozent der Teilnehmer sind laut Mengel über 65 Jahre alt, 40 Prozent sind älter als 50. Damit ändern sich auch die Anforderungen an die Räumlichkeiten, die seniorengerecht sein sollten.

Neben Fortbildungskursen für Erwachsene übernimmt die vhs weitere Aufgaben. Die Mitarbeiter seien etwa in der Bildungsberatung tätig, wie Mengel erklärt: Sie beraten Menschen, die sich in eine Richtung weiterbilden wollen, aber noch völlig offen für Vorschläge sind. Sie helfen aber auch bei der Finanzierung, indem sie über Fördermöglichkeiten der Weiterbildung informieren oder Einstufungstests für Sprachkenntnisse machen. Im Jahr 2011 wurde die Beratung der vhs 750 Mal in Anspruch genommen.

Neben Kursen übernimmt die vhs aber auch die Abnahme von Prüfungen – zum Beispiel für Sprachnachweise. Zwei Mal im Jahr machen 15 bis 20 Menschen an der vhs den Sprachnachweis für den Einbürgerungstest. Darüber hinaus bereitet die Einrichtung für Erwachsenenbildung auf Prüfungen der Industrie- und Handelskammer (IHK)vor. 336 Teilnehmer wurden im vergangenen Jahr auf Prüfungen zu 19 verschiedenen Themen vorbereitet: Neben Deutsch- und Englischsprachnachweisen beispielsweise ein Sprachnachweis für Gälisch, eine IHK-Ausbildung zum Bilanzbuchhalter oder eine Prüfung im Tastenschreiben am PC. Laut Mengel seien nie zuvor so viele Prüfungen abgenommen worden wie im Jahr 2011. Dabei kooperierte die vhs mit Schulen des Landkreises und der Technischen Hochschule Mittelhessen.

Finanziert wird die vhs zur Hälfte über den Landkreis und das Land Hessen. Die andere Hälfte muss die Schule selbst erwirtschaften, wie Mengel erklärt. „Die Zuschüsse sind eher rückläufig. Deswegen sind Einsparungen nötig und das beißt sich mit dem Gedanken, kleinere Gruppen zu ermöglichen und mehr in die kleineren Orte zu gehen.“ Der Jahresetat für 2011 lag bei 1,2 Millionen Euro. Abschließen konnte die vhs das vergangene Geschäftsjahr mit einem Plus von 53?000 Euro. „Wegen sinkender Zuschüsse wird das aber nicht wiederholbar sein.“

Am Donnerstagabend findet die Mitgliederversammlung des Kreisverbands für Erwachsenenbildung Waldeck-Frankenberg in der Frankenberger Ederberglandhalle statt. Dort wird Direktor Manfred Mengel den Mitgliedern des Vereins, der die Volkshochschule trägt, den Jahresbericht erläutern. Zu den 140 Mitgliedern des Vereins zählen neben den Mitgliedern des Beirats und des Vorstands und den ehrenamtlichen Außenstellenleitungen auch die Städte und Gemeinden des Landkreises. Zudem stehen Ehrungen auf der Tagesordnung.

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