Komplett inklusive Schule in Rosenthal

Wenn anders ganz normal ist

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Wer im Rollstuhl sitzt, muss nicht am Spielfeldrand bleiben: Zu den Herausforderungen der inklusiven Unterrichts gehört es, Konzepte zu entwickeln, durch die alle Kinder – egal ob gesund, geistig oder körperlich behindert – mitmachen und lernen. Fotos: Andrea Pauly

Rosenthal - Ein Rolli-Fahrer im gemeinsamen Sportunterricht mit gesunden Kindern, lernbehinderte Jungen und Mädchen in einer Klasse mit normalbegabten Schülern - diese Idee, die hinter dem Begriff "Inklusion" steht, ist für manche Eltern und Lehrer noch schwer vorstellbar. In Rosenthal ist sie längst gelebter Alltag.

Für die kleine Schule im Süden des Landkreises ist es ein Meilenstein auf einem Weg, auf dem sie vor vier Jahren die ersten Schritte gemacht hat: Seit Sommer werden in allen Jahrgängen der „Schulgemeinschaft Rosenthal“ Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet. Die aus zwei Schulen bestehende Gemeinschaft setzt damit als einzige Schule im Landkreis die Idee der Inklusion bereits komplett um.

„Sie sind modellhaft“, lobte deshalb Landrat Dr. Reinhard Kubat. Er besuchte die Schulgemeinschaft gestern, um sich ein Bild vom Schulalltag zu machen – und dieser beeindruckte ihn sichtlich. „Sie leben Inklusion, so wie wir uns das für viele Schulen wünschen“, sagte der Landrat und verwies auf Skepsis und Zweifel, die vielerorts bei Eltern und Lehrern herrschen.

Auf beides sind die Lehrer der Nicolaus-Hilgermann-Schule und der Karl-Preising-Schule auch gestoßen. Doch sie haben alle Hürden überwunden: „Wir haben das, was wir vor vier Jahren angefangen haben, vollbracht“, freute sich Ines Franke, die Leiterin der Nicolaus-Hilgermann-Schule.

Die ersten Kooperationsklasse der Schulgemeinschaft startete 2011. Die damaligen I-Männchen wechseln im nächsten Sommer bereits in die weiterführenden Schulen. Mittlerweile sind alle nachfolgenden Jahrgänge nach dem selben Prinzip zusammengestellt worden, so dass nun die gesamte Schulgemeinde inklusiv unterrichtet wird.

Die Konrektorin der Karl-Preising-Schule nutzte die Anwesenheit von Landrat und Dezernent des Schulamtes: Sie verwies auf die Notwendigkeit von Busfahrten für die Förderschüler, die nicht bis zum Ende der Nachmittagsbetreuung in Rosenthal bleiben können, weil ein solch langer Schultag zu anstrengend für sie ist.

Bei aller Begeisterung für inklusiven Unterricht machte Katrin Reese aber auch eines deutlich: Reine Förderschulen haben weiterhin ihre Berechtigung. Denn nicht jeder Förderschüler kommt mit inklusivem Unterricht klar.

Den gesamten Bericht über den Besuch des Landrats in der inklusiven Grundschule in Rosenthal lesen Sie am Samstag in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

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