Komitee der Psychiatrischen Klinik berät bei ethischen Fragen am Krankenbett

Wenn der Druck groß ist

Ethik-Komitee: (von links) Hainas Pfarrer Dr. Jörg Mosig, Krankenschwester Marianne Spiel, Sozialarbeiterin Martina Schäfer und Ärztin Christel Holst. Es fehlt Markus Netzer. Foto: Biedenbach

Haina-Kloster. Sie sind Ansprechpartner bei schwierigen ethischen Fragen am Krankenbett. Sie geben Anregungen und Empfehlungen im Umgang mit unheilbar kranken, sterbenden Patienten. Die Mitglieder des Ethik-Komitees unterstützen und beraten die Mitarbeiter der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina-Kloster.

Am Dienstag stellten die Komitee-Mitglieder ihre Arbeit vor. Sie berichteten von dem Fall einer magersüchtigen Patientin, die nicht mehr essen wollte und zwangsernährt wurde. Das Ethik-Komitee hörte sich zunächst die Konflikte der Mitarbeiter – Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter – an. Ihnen machte zu schaffen, dass sie einerseits das Leben der Patientin retten und ihr helfen wollten, sie andererseits aber auch ihren Willen ernstnehmen wollten. Schon das Gespräch darüber nahm den Klinikmitarbeitern etwas vom Druck und führte zu einer neuen Behandlungsvereinbarung mit der Patienten.

Ein weiterer Fall: Immer wieder kam ein Alkoholiker, der auch an weiteren schwersten Krankheiten litt, auf die Suchtstation. Die Frage der Mitarbeiter: Ist es überhaupt sinnvoll, den Patienten immer wieder kurzfristig zu stabilisieren? Auch hier halfen die Gespräche. Die Stabilisierung ging weiter – aber sowohl dem Team als auch dem Patienten wurde etwas vom Druck genommen, berichtet Komitee-Mitglied Marianne Spiel.

Das überkonfessionelle Gremium, dem Pflegepersonal, Ärzte und Sozialarbeiter angehören, wurde 2004 ins Leben gerufen – im Zuge des Qualitätsmanagements. Mitarbeiter, Patienten und Angehörige können sich an das Komitee wenden. Auch die Vitos-Holding setzt Themen. So entwickelten die Mitglieder einen Leitfaden zum Thema „würdiges Sterben“ und schlagen vor, dass die Abschiedsräume der Klinik würdiger gestaltet werden. Im vergangenen Jahr ging es um das Ärztebild von muslimischen Patienten (HNA berichtete). Immer wieder gibt es auch Anfragen bezüglich Patientenverfügungen.

Kürzlich besuchten die Mitglieder eine Fortbildung zum Thema Umgang mit Suizid. Ihre Idee: Den Klinikmitarbeitern jährlich einen Tag mit ethischen Themen zu bieten.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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