"Treffpunkt Kids"

Wenn die Eltern psychisch krank sind

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Monika Lacher, Johannes Engelmann und Margareta Boymann (v.l.) stellen das Projekt „Treffpunkt Kids“ vor. Erdmännchen „Moritz“ ermutigt Kinder dazu, offen über ihre Probleme und Gefühle zu sprechen.

Frankenberg - Für Kinder ist es sehr schwer, die psychische Erkrankung eines Elternteils zu verstehen, weil in den meisten betroffenen Familien nicht offen über die Krankheit gesprochen wird. Das Projekt "Treffpunkt Kids" hat das Ziel, betroffene Kinder aufzuklären und zu betreuen.

„Wenn die Mutter beispielsweise stark depressiv ist und es morgens nicht schafft aufzustehen, dann ist das für ein Kind nicht leicht zu verstehen“, erklärt Margareta Boymann, die in der psychosozialen Beratungsstelle „Treffpunkt“ arbeitet. Zusammen mit Monika Lacher, der Vorsitzenden des Frankenberger Vereins „Treffpunkt“ und Johannes Engelmann, der als Sozialpädagoge im Jugendhaus arbeitet, wirbt sie für das Projekt „Treffpunkt Kids“.

Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. „Allerdings ist die Dunkelziffer wohl wesentlich höher“, betont Boymann. Kinder müssten in dieser Situation oft mehr Verantwortung übernehmen, als für sie gut sei, erläutern die Initiatorinnen. Zudem befürchteten sie, die Eltern durch Fehlverhalten noch mehr zu belasten.

Unter anderem durch die für Kinder sehr schwierig zu händelnde Situation, die Tabuisierung der Erkrankung, aber auch durch fehlende Aufklärung und Offenheit in der Familie bestehe für betroffene Kinder in allen Altersstufen ein erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen zu entwickeln. Dies soll durch das für Eltern und Kinder kostenfreie Angebot „Treffpunkt Kids“ verhindert werden.

Das Projekt wird in allen vier Treffpunkten in Bad Wildungen, Korbach, Bad Arolsen und Frankenberg angeboten und richtet sich an Kinder im Alter von etwa sieben bis zwölf Jahren. Eine Vertrauensperson soll mit Hilfe von Handpuppe „Moritz“ das Tabuthema „Krankheit“ auflösen. Außerdem haben Kinder die Möglichkeit, über Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, sie wahrzunehmen und zu benennen.

Die Mitarbeiter unterstützen die Kinder außerdem dabei, eigene Fähigkeiten sowie soziale Kompetenzen kennen zu lernen und zu stärken. Weiterhin besteht die Option, Sitzungen nach individuellen Wünschen zu gestalten oder auch die motorischen Fähigkeiten der Jungen und Mädchen - beispielsweise mit Jonglierübungen - zu verbessern.

Sozialministerium trägt 80 Prozent der Kosten

Die Kosten des Projektes hat in diesem Jahr zu etwa 80 Prozent das Hessische Sozialministerium übernommen, die restlichen 20 Prozent trug der Ortsverein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. „Die Finanzierung für das kommende Jahr ist noch nicht gesichert“, berichtet Boymann. „Die Anträge sind gestellt, die Bewilligung ist noch nicht da, aber in Aussicht gestellt.“

Die Organisatoren planen zudem weitere Patenschaften. Dafür werden ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gesucht, die individueller Ansprechpartner für ein Kind sein möchten. Die Aufgaben können von Hausaufgabenhilfe über Freizeitangebote bis hin zu enger Betreuung in Notfallsituationen, beispielsweise bei einem stationären Aufenthalt des Elternteils reichen.

Von Sara Schelberger

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