Prozess wegen Vergewaltigung und häuslicher Gewalt

"Wenn er getrunken hatte, war er wie ein Tier"

Frankenberg/Marburg. - Weil er seine ehemalige Freundin mehrfach geschlagen und vergewaltigt haben soll, muss sich ein Mann aus Frankenberg derzeit vor dem Marburger Amtsgericht verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe.

Die Anklage gegen den 29-Jährigen bezieht sich auf Vergewaltigung, zweifache versuchte sexuelle Nötigung sowie Körperverletzung in drei Fällen. Zwischen Frühjahr und November 2012 soll der 29-Jährige seine damalige Partnerin mehrfach geohrfeigt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen, die junge Frau über Monate hinweg kontrolliert, sexuell bedrängt und in einem Fall vergewaltigt haben. Fehlende Tatzeugen und eine typische Aussage-gegen-Aussage-Situation erschweren bislang die Beweisaufnahme.

Nach einer anfänglich harmonischen Beziehung verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den beiden Partnern rapide, teilte die Geschädigte und Nebenklägerin vor Gericht mit. Nachdem er einen neuen Job gefunden hatte, begann der Freund verstärkt Alkohol zu konsumieren und sie zu schlagen, ihren Alltag zu kontrollieren und zu bedrohen. „Er wurde ausfällig und aggressiv, wenn er getrunken hatte, war er wie ein Tier“, sagte die 22-Jährige.

Mehrfach habe er sie angetrunken zum Sex aufgefordert, sei zudringlich geworden, wenn sie dies ablehnte. Vor etwa drei Jahren habe er sie auf ein Bett gestoßen, die sich wehrende Frau festgehalten, ihre Kleidung zerrissen und gegen ihren Willen den Geschlechtsakt vollzogen, berichtete die Zeugin unter Tränen. In den folgenden Monaten soll er zwei weitere Male versucht haben, sie zum Sex zu zwingen, was aufgrund ihrer Gegenwehr nicht gelang. Immer wieder soll er sie aus Eifersucht in seiner Wohnung eingesperrt, ihr Affären vorgeworfen und sie und ihre Familie mit Gewalt und dem Tode bedroht haben, sollte sie ihn verlassen. Aus Furcht vor weiteren Übergriffen ging sie nicht zur Polizei, dachte sich Lügen aus, um blaue Flecke und andere Blessuren zu erklären. Erst im November 2012 trennte sich die 22-Jährige von ihm, einige Monate später zeigte sie ihn an.

„Das ist alles Blödsinn, ich habe sie nicht geschlagen oder sonst etwas gemacht“, sagte der Angeklagte während der Verhandlung. Die Beziehung sei vielmehr sehr gut gelaufen, „es war perfekt“, beschrieb der 29-Jährige das Verhältnis. Auch nach den angeblichen Taten habe die Zeugin ihn regelmäßig besucht. Getrennt hätte sich das Paar bereits Mitte 2012. Die Vorwürfe der Nebenklägerin könne er sich nicht erklären. Der Ex-Freund vermutete eine Racheaktion gegen ihn. Im Vorfeld des Verfahrens hatte er die Frau wegen Diebstahls angezeigt. Zudem soll es zu nicht näher erläuterten Problemen zwischen dem Ex und dem neuen Freund der jungen Frau gekommen sein.

Auch Verteidiger Olav Stalling verwies auf mehrere Lücken innerhalb der polizeilichen Vernehmung der Nebenklägerin und bezweifelte den Aussagegehalt. Unter anderem soll sie angeblich falsche Angaben über einen Besuch beim Arzt gemacht haben, mit dem sie über die Vorwürfe gegen den Ex-Freund gesprochen hätte. Aufzeichnungen über den angegebenen Termin lägen dem Mediziner nicht vor, lediglich Ende 2012 erzählte sie dem Arzt über den „Stress mit dem Ex-Freund“, so der ärztliche Bericht.

Eine Kriminalbeamtin berichtete von der Vernehmung, die im Rahmen der Diebstahlsvorwürfe durchgeführt wurde. Während des Gesprächs habe die Nebenklägerin über körperliche und sexuelle Übergriffe des Ex-Freundes gesprochen. Dem Eindruck der Zeugin nach habe die junge Frau dabei nicht gewirkt, als würde sie „eine Geschichte erfinden“. Die 22-Jährige habe sich während der Beziehung mit dem Angeklagten verändert, sagte die Mutter der Nebenklägerin. Sie sei wiederholt bedrückt und traurig nach Hause gekommen, „mit den Nerven fertig“ gewesen und habe der Familie schließlich von der vermeintlichen Vergewaltigung erzählt. Kontakt zu dem Ex-Freund hatten die Angehörigen wenig, warfen dem 29-Jährigen jedoch ein „erhebliches Alkoholproblem“ vor, mehrfach habe er betrunken vor dem Haus der Familie randaliert, berichteten die Eltern.

Weitere Erkenntnisse konnten bislang nicht im Prozess gewonnen werden. Die Verhandlung wird am 12. Mai fortgesetzt. Weitere Zeugen sollen Ende Mai gehört werden.

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