Julius Zölzer aus Willershausen kam gehörlos auf die Welt

Wenn die Hände sprechen lernen

Rosenthal-Willershausen - Julius Zölzer tobt, lacht und rast mit seinem Elektroauto durch den Garten. Immer an seiner Seite ist sein bester Freund Balu, ein gutmütiger kleiner Hund. Wenn Balu bellt oder seine Eltern ihn rufen würden, reagiert der fröhliche Junge allerdings nicht - denn Julius ist von Geburt an gehörlos.

„Es war ein Schock für uns“, sagt Papa Hermann Zölzer. Drei Monate nach der Geburt haben er und seine Frau Rebekka erfahren, dass der kleine Julius nichts hören kann. Ein Cochlea-Implantat, dass vielen anderen Gehörlosen zum Hören verhilft, nützt dem Willershäuser Neubürger nichts: Julius ist komplett ohne Hörnerven auf die Welt gekommen. Er hat kein Innenohr - wodurch er auch Probleme mit dem Gleichgewicht hat.

„Wir müssen eben in anderer Form mit Julius kommunizieren“, erklärt Mama Rebekka Zölzer. Dabei helfen der Familie die Gebärdensprache und ein Gebärdendolmetscher. Über Umwege haben die Eltern einen solchen Dolmetscher gefunden und dabei viel Glück gehabt: Juluis Glatzl lebt in Bottendorf, ist das hörende Kind von gehörlosen Eltern.

Der Dolmetscher geht mit Juluis Zölzer in den Kindergarten, übersetzt das, was Julius will den anderen Kindern und den Erziehern. Julius geht in den Gemündener Kindergarten und versteht sich gut mit den Kindern seiner Gruppe. Jedes Kind hat eine eigene Gebärde für seinen Namen bekommen, damit Julius von ihnen erzählen und sie ansprechen kann.

„Die Kinder lernen immer eine Gebärde der Woche“, sagt Rebekka Zölzer. Außerdem hat Julius ein Buch mit Bildern, das ihn selbst, seine Eltern oder etwa ein Auto zeigt, ebenso wie einen Sprachcomputer. So kann er auch ohne Dolmetscher mit den anderen Kindern kommunizieren. Denn den Dolmetscher bezahlt der Landkreis nur für 72 Stunden im Monat - betreut wird der Kleine aber oftmals länger. Und mit dem Computer könnte Julius zu den Nachbarn gehen und fragen, ob sie ihm Milch oder Mehl geben könnten, schließlich können nur wenige Menschen die Gebärdensprache. „Das Lippenlesen lernt Julius nebenbei automatisch mit.“ Auch das Finger-ABC lernt er - neben den vielen Therapien, die er besucht, wie etwa Reittherapie, Psychomotorik oder Krankengymnastik. Rebbeka Zölzer und ihr Ehemann haben nur Grundkenntnisse in der Gebärdensprache. Bis vor einem Jahr hat der Gebärdendolmetscher Julius Eltern und Großeltern die Zeichensprache beigebracht. Seither zahlt der Landkreis den Kurs für die Familie allerdings nicht mehr. „Uns wird jegliche Möglichkeit genommen mit unserem Kind zu kommunizieren“, sagt Rebekka Zölzer. „Wir haben beim Jugendamt um Hilfe gebeten, weil wir deswegen natürlich Probleme in der Erziehung haben.“ Antwort habe die Familie bisher nur per Post bekommen. „Dabei reichen simple Gebärden für die Kommunikation nicht mehr aus.“

Julius ist bereits vier Jahre alt, will seinen Eltern mehr mitteilen, vom Kindergarten erzählen, Wünsche äußern. „Julius wird nie sprechen können“, betont die Mutter. Deswegen muss sie seine „Sprache“ lernen.

Ganz ohne Worte verständigt Julius sich mit seinem besten Freund: Sein Hund Balu, ein ruhiger, gutmütiger Norwich Terrier. „Die Klinik für Gehörlose hat uns empfohlen, dass Julius dringend einen besten Freund braucht“, erklärt Hermann Zölzer. Julius versteht sich zwar im Kindergarten gut mit den anderen Kindern seiner Gruppe, „aber er wird nie eingeladen, war noch nie auf einem Kindergeburtstag und hat keine Freunde, mit denen er sich treffen kann“, bedauert seine Mama. Kontakt hat er hin und wieder zu den Kindern von Mamas Freundinnen aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Seinem Papa hilft er gerne, die Tiere zu füttern, denn die Familie hält Schweine und einige Bullen.

Mit Stolz erzählt Mama Zölzer, dass ihr kleiner Sonnenschein unglaubliche Fortschritte macht, sehr intelligent sei: „Er prägt sich viel ein und ist sehr aufmerksam. Wenn ich ihn zu der Therapie fahre und eine Abfahrt auf der Autobahn verpasse, zeigt er mir, wo ich langfahren muss.“ Aufstehen kann der Vierjährige auch schon alleine: er hat einen Blitz-Wecker, der ihn mit Licht aus dem Schlaf holt. In zwei Jahren steht ihm zudem zu, dass seine Eltern eine Klingelanlage und Feuermelder bekommen, die Lichtsignale geben.

Kommentare