„Klimzug Nordhessen“ befasst sich mit Auswirkungen von Klimawandel auf ambulante Pflegedienste

Wenn das Klima die Pflege beeinflusst

Frankenberg - Was tun, wenn nach einem Sturm ein Baumstamm die Straße versperrt, ein Patient aber dringend Insulin benötigt? Wie kann sichergestellt werden, dass allein lebende Senioren an heißen Tagen genug trinken? Mit diesen und anderen Fragen haben sich ein Pflegedienst und das Projekt „Klimzug“ gemeinsam beschäftigt.

Der Klimawandel hat Folgen - auch für die Region Nordhessen und die Menschen, die dort leben. Mit den verschiedenen Auswirkungen beschäftigt sich das Verbundprojekt „Klimzug“, kurz für „Klimawandel zukunftsfähig gestalten“. Verschiedene Projekte sollen Aufschluss geben und nachhaltige Lösungsvorschläge für die Folgen des Klimawandels in der Region liefern.

Eines dieser Projekte behandelt die Auswirkung von Wetterveränderungen auf die Gesundheit von Senioren und Pflegebedürftigen. Am Beispiel des ambulanten Pflegedienstes der Diakonie-Sozialstation der Stiftung St. Elisabeth in Frankenberg hat Daniela Neuschäfer (Universität Kassel) gemeinsam mit einigen Mitarbeiterinnen der Sozialstation ausgearbeitet, für welche klimabedingten Notfälle die Mitarbeiter gerüstet sein müssen und welche Routine dann greift.

Ziel der Zusammenarbeit mit der Sozialstation in Frankenberg war es, einen Leitfaden zu erstellen, welche Strukturen geschaffen werden können, um in Extremsituationen zu reagieren. Die Bandbreite reicht von Alternativrouten im Falle von gesperrten Straßen über die Erstellung einer Liste mit Ansprechpartnern in den Wohnorten der Patienten bis hin zur Sicherstellung, dass auch allein lebende Patienten an heißen Tagen genug Wasser trinken.

Auch an die Pflegenden wird gedacht, etwa bei der Frage, welche Ausrüstung sie für sich selbst immer dabei haben sollten: zum Beispiel eine Decke im Auto und ein wenig Schokolade, die im Notfall Energie gibt.

Als Ergebnis haben die Akteure ein Qualitätssiegel mit dem Titel „Bei Wind und Wetter - Klimaangepasste Pflege“ entwickelt, das im Rahmen des Regionalforums (siehe Kasten) erstmals an die Sozialstation verliehen wird.

Für viele Pflegedienstler gehört ein Teil der Vorgaben ohnehin zum Alltag. Die erstmals schriftlich fixierten Regeln seien aber eine Hilfe für Berufsanfänger oder in unerwarteten Situationen, erläuterte Volker Czerwinski, Geschäftsführer der Stiftung St. Elisabeth. Dann müsse nicht spontan reagiert werden, sondern nach einem vorher erarbeiteten Konzept. „Das macht uns sicherer.“ Denn während es für die stationäre Pflege das Heimgesetz gibt, war für die ambulante Versorgung bisher noch kein Leitfaden vorhanden.

Nach Angaben von Daniela Neuschäfer haben Untersuchungen der Hochschule in Fulda im Rahmen von „Klimzug“ ergeben, dass diese Themen im Gesundheitswesen noch nicht als sonderlich relevant wahrgenommen werden. „Der Klimawandel ist als Thema noch nicht im Alltag der Praktiker angekommen“, sagte sie. Dabei ist es mit dem sehr heißen Sommer 2003, den Stürmen „Kyrill“ und „Xynthia“ oder der Windhose in Altenlotheim auch in der Region bereits zu extremen Wetterbedingungen gekommen.

Von Andrea Pauly

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