Edertalschüler lassen Alte Welt und Neue Welt bei zwei Konzerten harmonisch aufeinanderprallen

Wenn Mozart auf Apocalyptica trifft

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Frankenberg - Mit bewegender Filmmusik, anspruchsvollen Solokonzerten und fetzigem Big-Band-Sound spielte das Jugendsinfonieorchester der Edertalschule am Wochenende zwei umjubelte Konzerte in der Kulturhalle.

Unter dem Motto „Alte Welt trifft Neue Welt“ präsentierten die jungen Musiker stilsicher ein vielseitiges Programm auf hohem Niveau. Während des zweieinhalbstündigen Konzerts trafen wahre „Schwergewichte“ der klassischen Musik, wie etwa Antonin Dvorˇák oder auch Mozart, auf zeitgenössische Stücke von Adele oder Apocalyptica. Mit dem Repertoire erinnerten die Musiker an ihre jüngste Konzertreise in die „Neue Welt“, die Vereinigten Staaten.

Die Big Band der Edertalschule unter der Leitung von Torsten Herguth eröffnete das Konzert mit „Rolling in the deep“ der britischen Popsängerin Adele. Das fetzige Big-Band-Arrangement mit einem druckvollen Schlagzeug sorgte für einen schwungvollen Auftakt. Anika Neuschäfer begeisterte dabei mit einem starken Gesangspart. Eine weitere Kostprobe zeigten die rund 20 Musiker mit „Hallelujah I love her so“ von Ray Charles. Vor allem die Trompeter sorgten mit ihren Dämpfern effektvoll für einen Jazz-Sound.

Fanfarenartige Melodie

Das Jugendsinfonieorchester eröffnete sein Programm mit der Titelmelodie der amerikanischen Fernsehserie „JAG“. Bei der fanfarenartigen Melodie waren die Blechbläser gefordert. Musiklehrer Martin Fischer dirigierte das Stück.Daneben standen im ersten Teil des Konzerts vor allem die sinfonischen Werke der „alten Welt“ im Mittelpunkt. So boten die rund 80 Musiker unter der Leitung von Markus Wagener die sinfonische Dichtung „Finlandia“ dar. Die Pauken und Bläser bauten zu Beginn des Stücks einen schönen Spannungsbogen auf. Anschließend wechselten sich die mächtig klingenden Passagen gekonnt mit den zarten Streicherklängen ab.

Zwei herausragende Soli

Von herausragender Leistung war der Solo-Auftritt von Schirin Schwarz aus der Jahrgangsstufe zwölf. Schwarz, die auch Konzertmeisterin ist, spielte elegant und ausdrucksstark den ersten Satz des Violinkonzerts Nr. 2 von Wolfgang Amadeus Mozart. Daneben verdiente auch die zweite Solistin des Abends außerordentliches Lob: Nadine Horsel meisterte mit erstaunlicher Leichtigkeit die virtuosen Läufe der „Badinerie“ für Flöte aus der Orchester-Suite Nr. 2 von Johann Sebastian Bach. Die Abiturientin spielte ihren Solo-Auftritt auswendig. Mit Antonin Dvorˇáks „Aus der Neuen Welt“ hatte Orchesterleiter Wagener ein anspruchsvolles Werk für das gesamte Ensemble ausgesucht. Das Orchester spielte das Stück mit viel Dynamik, und vor allem in den Tutti-Einsätzen überzeugten die jungen Musiker mit einem beeindruckenden Gesamtklang, der das Publikum zwischenzeitlich fast vergessen ließ, dass es sich auf der Bühne um ein Schulorchester handelte.

Auch bei einem Medley aus James-Bond-Melodien sowie Auszügen aus der „West-Side-Story“ von Leonard Bernstein entfaltete das Orchester sein ganzes Klangspektrum. Die Musiker präsentierten sich durch die Konzertreise nach Amerika perfekt aufeinander eingespielt und bewältigten die beiden Konzerte in der am Freitag mit 510 Zuhörern voll besetzten Kulturhalle sehr routiniert und konzentriert. Zur Melodie von „Skyfall“ überzeugte Charlotte Pauli mit einem gefühlvollen Saxofon-Solo. Wagener musste unterdessen für den traditionellen „Orchesterstreich“ in einen gelben Anzug wechseln. Zusammen mit den überdimensionierten Händen aus Pappe erinnerte der Orchesterleiter so an ein Maskottchen einer amerikanischen Sportmannschaft.

Viele Dynamik-Unterschiede, ein hohes Tempo und dazu schwierige Rhythmen aus Lateinamerika verlangten den Musikern anschließend beim „Danzon Nr. 2“ von Artúro Marquez alles ab. Das Orchester bewältigte das Stück aber mit Bravour. Einen Glanzpunkt setzten Marie-Charlotte Mengel, Julia Goos, Simon Ptaschnik und Kristin Sander als Cello-Quartett. Sie präsentierten mit viel Ausdruck und Gefühl das zeitgenössische Stück „Nothing else matters“ in einem Arrangement der finnischen Gruppe Apocalyptica. Die vier Musiker sorgten damit für Gänsehaut beim Publikum.

Zukunft ist gesichert

Dass die Zukunft des Orchesters gesichert ist, bewies am Freitag eindrucksvoll das Jugendorchester unter der Leitung von Gertrud Will und Martin Fischer. Das Ensemble spielte unter anderem das festliche „Prelude“ aus dem „Te Deum“ – auch bekannt als „Eurovisionshymne“. Am Samstag durfte die Orchesterklasse mit Musik-Lehrer Matthias Müller ran. Rainer Böttcher aus Bad Arolsen führte am Freitag fachkundig und mit Charme durch das Programm.

Zur Zugabe spielte das große Jugendsinfonieorchester gemeinsam mit allen Nachwuchsmusikern den Marsch aus Edvard Elgars „Pomp and Circumstance“. Das Stück ist die inoffizielle Hymne der Edertalschule und durfte an den beiden Konzerten nicht fehlen.

Von Sebastian Thalheim

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