CSI Wiesbaden an der Edertalschule

Wenn die Socke nicht ins Bild passt

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Der Molekularbiologe Dr. Harald Schneider untersucht für das Hessische Landeskriminalamt genetische Spuren von Tatorten. Über seine Arbeit berichtet er an der Edertalschule.Foto: Kutsch

Frankenberg - Hautschuppen am Tatort überführen Mörder, auch wenn die Taten Jahrzehnte zurückliegen. Dr. Harald Schneider aus Battenberg hilft der Polizei Verbrecher zu schnappen, indem er die Spuren untersucht. Seine Arbeit hat der Biologe gestern an der Edertalschule vorgestellt.

Die Arbeit, die Dr. Harald Schneider täglich macht, kennen viele aus dem Fernsehen: CSI Miami, CSI New York – unter vielen Titeln laufen amerikanische Krimisendungen, in denen mit moderner Technik Täter überführt werden. Was die Ermittler von CSI machen, gibt es auch im echten Leben: Harald Schneider hat seine Arbeit als Kriminalbiologe gestern an der Edertalschule vorgestellt. Anhand von alten Mordfällen und Taten aus der jüngeren Vergangenheit – etwa der Mord an Mirco S. in Nordrhein-Westfalen – erklärte der Biologe aus Battenberg den Schülern der acht Biologie-Leistungskurse, wie mit Hilfe von Hautschuppen Fälle aufgeklärt werden können.

Grundlage für die Arbeit von Schneiders „CSI Wiesbaden“-Team des Hessischen Landeskriminalamtes (LKA) ist die menschliche DNA. „Sie ist der wichtigste Sachbeweis in nahezu allen Strafverfahren“, erklärte der Molekularbiologe. Sie könne nicht nur helfen, Täter zu überführen, sondern auch die Unschuld von Verdächtigen beweisen.

Als Beispiel nannte er den Mord an einer Dreijährigen. 1993 sei sie nachts aus ihrem Elternhaus entführt, vergewaltigt und ermordet worden. Weil sich niemand vorstellen konnte, wie das unbemerkt geschehen könne, wurde der Vater verdächtigt. Er ist Amerikaner, fiel bei Lügendetektortests durch – in Amerika gilt das als Schuldbeweis. Er wurde nur entlastet, weil seine DNA nicht passte. Es folgte das erste erfolgreiche Massenscreening: „Wir untersuchten die DNA von 1988 Personen“, sagte Schneider. So kamen sie dem Täter auf die Spur.

Schneider erklärte, dass er in seinem Job die Polizei am Tatort bei der Spurensuche unterstütze und Assistentinnen im Labor Spuren auswerten, während er Akten zu lesen und Gutachten schreibe. Er kam 1991 zum LKA und habe die Berufswahl nie bereut. Mit den Untersuchungsmethoden seines Teams haben die Wiesbadener Fälle über Hessen hinaus gelöst, da sie allein über winzige Hautschuppen menschliche DNA herausfiltern können. „Es ist unmöglich, eine Tat zu begehen, ohne Hautschuppen zu hinterlassen. Der Mensch verliert 40.000 in der Minute. “

Da jeder Mensch individuelle DNA habe, ließen die Schuppen sich zuordnen. Einzige Schwierigkeit: Eineiige Zwillinge. Deren Gene lassen sich nicht unterscheiden. Allerdings habe die Untersuchung von Hautpartikeln ihre Grenzen: Rund 60.000 schaffe das Hessische LKA im Jahr. Allein diese Menge an Partikeln sei bei einem Fall am Rücken einer Frau gefunden worden. Die Untersuchung einer Schuppe koste 50 Euro. Die gewonnene DNA könne dann mit den Verdächtigen oder mit einer Datenbank abgeglichen werden.

Manchmal helfe auch der Menschenverstand: Zwei Mädchen wurden 1993 nach der Disco entführt, vergewaltigt und ermordet. Ein Mädchen trug nur eine weiße Tennissocke. Sieben Jahre später fiel einer Mitarbeiterin von Schneider auf, dass sie niemals mit einer weißen Socke in die Disco gehen würde – sie nahmen das Kleidungsstück genauer unter die Lupe und fanden DNA des Täters.

Geholfen hat Schneider auch im Fall von Mirco S. im Jahr 2010. Die Kollegen in Westfalen fanden an der Hose keine verwertbare DNA, riefen im Oktober bei Schneider an und baten um Hilfe. Erst zwei Monate später erlaubte die Politik, dass die Hessen helfen dürfen. „Bis zum Innenminister hat jeder mitreden wollen.“ Als Schneider die Hose von Mirco hatte, ging es schnell: Sein Team arbeitete 15 Tage und fand Spuren von zehn Personen. Drei der Spuren stammten von einem Mann und zwei Söhnen. Das ließ sich über die Gene feststellen. Schuppen von den Söhnen könnten im Auto an die Hose gelangt sein – und so informierte Schneider die Polizei, dass er den Vater dieser Jungs für den Täter hält. Die Schlussfolgerung erwies sich wenige Tage später als richtig.

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