Historische Wetterdaten der Region

Wetter ist mehr als ein Gesprächsthema

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Aus vielen historischen Quellen trug der aus Frankenberg stammende Dr. Johannes Hofmeister eine „Hessische Wetterchronik“ in Originalzitaten zusammen.

Frankenberg - Wetter bestimmt über Jahrhunderte das Leben der Menschen - Johannes Hofmeister wirft einen Blick in die Geschichte.

Stürme, Hochwasser, Dürren, Schneelawinen, klirrender Frost und Eisgang, in alten Chroniken oft schlimmer „als seit Menschengedenken“ bezeichnet, haben in der Geschichte der von der Landwirtschaft abhängigen Bevölkerung stets eine wichtige Rolle gespielt. Der aus Frankenberg stammende Marburger Diplom-Geograph Dr. Johannes Hofmeister hat eine „Hessische Wetterchronik“ herausgegeben, in der er solche besonderen Wetterereignisse von 1434 bis 1897 in Originalzitaten gesammelt und belegt hat.

Gleich zu Beginn zitiert er den Frankenberger Stadtchronisten Wigand Gerstenberg, der am 7. Oktober 1434 von einem kräftigen Sturm über der Ederstadt berichtet mit schweren Schäden an Häusern und in den Wäldern. „Disßer wynt warff zum Franckenberge den hanen uf dem chortorne abe; der fyl in den Kirchpuel in der Mittelgassen“, heißt es da. Neben der reinen Wetterinformation wird dem Leser deutlich: Zu jener Zeit hatte das Chorhaus der Liebfrauenkirche noch einen eigenen kleinen Turm mit Glocke - dieser „Chorturm“ ist auch auf alten Stichen zu erkennen. Der Untermarkt hieß „Mittelgasse“.

Mehrere Jahre lang hat Johannes Hofmeister für seine Diplomarbeit und seine Dissertation Wetterereignisse und Klimadaten in Mittelhessen aus alten Archivquellen und Chroniken ausgewertet, um dabei die Auswirkungen des Wetters in einer vorindustriellen, stark landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft und die Abhängigkeit der Menschen davon zu erforschen. Dabei ging es nicht nur um Landwirtschaft, sondern auch um Einwirkungen des Wetters auf Forstwirtschaft, Gebäude, Verkehr oder Wasserversorgung, die in den Überlieferungen zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert erwähnt werden.

Enorme Fülle an Zitaten

Der Wissenschaftler weitete im Anschluss daran jedoch seine Suche nach besonderen Wetterereignissen auch auf Nord- und Südhessen aus. Seine ursprünglich geplante Wetterchronik, die den Witterungsablauf in der Zeit vor dem 20. Jahrhundert so vollständig wie möglich schildern sollte, musste er aufgeben. „Die enorme Fülle der recherchierten Berichte zwang mich zur Beschränkung auf ausgewählte Originalzitate“, berichtet der Diplom-Geograph.

Dr. Johannes Hofmeister, geboren 1980 in Frankenberg, studierte nach dem Abitur an der Edertalschule Geographie, Geschichte, Informatik und Niederlandistik an der Philipps-Universität. Er promovierte anschließend an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg zu historischen Überlieferungen über Witterung und Klima in Mittelhessen. Neben der Historischen Klimatologie zählen Historische Geographie und Umweltgeschichte im Allgemeinen zu seinen Spezialgebieten. Der freiberufliche Geograph hat sein Wissen bereits auch in Vorträgen bei Geschichtsvereinen vorgestellt, so auch in Frankenberg vor wenigen Wochen. Er bietet daneben für interessierte Gruppen auch landeskundliche Exkursionen in die Niederlande und Stadtexkursionen in München an. Ein weiteres wissenschaftliches Interessengebiet sind historische Landes- und Ortsbeschreibungen, über die er ebenfalls Vorträge hält. (vk)

Die 200 Seiten starke „Hessische Wetterchronik“ von Johannes Hofmeister kann in Frankenberg im Wollstudio, Steingasse 5, für 14 Euro erworben werden, ebenso im Buchhandel, ISBN 978-3-7322-9796-2.

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