Gemündener Windenergie

Windpark geht Ende 2014 an das Netz

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Möglicher Blick auf den Graurück von Gemünden aus: Im nächsten Jahr sollen zehn bis elf Windräder auf dem Hügel zwischen Gemünden und Schiffelbach entstehen – die Bürger des Wohrastädtchens sollen sich beteiligen können.

Gemünden - Nächster Schritt auf dem Weg in eine saubere energetische Zukunft: Die Gemündener Parlamentarier stimmen am Donnerstag über die Gründung einer Energiegenossenschaft für die Beteiligung an den Windrädern auf dem Graurück ab.

Gemünden. Gut Ding will Weile haben: Eigentlich sollten sich die ersten Gemündener Windräder schon in diesem Jahr drehen - zumindest aber sollten die Giganten am Graurück teilweise stehen. Doch es geht um einiges, deshalb gibt es Verzug: Nicht nur wurde die Zahl der geplanten Räder seit der ersten Vorstellung des Projektes nahezu verdoppelt - mit entsprechenden Auswirkungen auf die nötigen Gutachten. Auch die Bürger der Wohrastadt sollen von dem Projekt profitieren. Das Wie wurde lange Zeit hinter verschlossenen Türen diskutiert: Klar war immer, dass diese Beteiligung über eine Genossenschaft ermöglicht werden soll. Über die grundsätzliche Unterstützung dieses Vorhabens stimmen Gemündens Parlamentarier am Freitag in ihrer Jahresabschlusssitzung ab.

"Es geht nicht darum, gleich eine Genossenschaft zu gründen“, betont Gemündens Bürgermeister Frank Gleim auf Anfrage der Frankenberger Zeitung. Ziel sei es, interessierten Bürgern schon vor der Schaffung einer Genossenschaft die Zustimmung der Stadt und ihre Unterstützung zu verdeutlichen. Vom Tisch ist die Idee, eine interkommunale Genossenschaft zu gründen - auch weil Frankenberg als größter möglicher Partner das Thema Energiegenossenschaften vorerst auf Eis gelegt hat; besonders, weil es selbst wenig erneuerbare Energien einbringen kann. Dennoch soll die „interkommunale Intention bei Wunsch der anderen Kommunen“ laut entsprechender Magistratsvorlage Berücksichtigung finden können.

Nicht nur Geldlieferant

„Wir wollen die Bürger motivieren, damit sich ein Kreis findet, der mitmachen will und dann auch Arbeit in das Projekt steckt“, erklärt der Bürgermeister die aktuellen Vorstellungen und erwähnt etwa das Erstellen von Geschäfts- und Wirtschaftsplänen. Die Genossenschaft solle mehr sein als Geldlieferant für die federführenden Verband-Energiewerke (VEW), Tochtergesellschaft der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Sie soll eine inhaltliche Beteiligung über den finanziellen Aspekt hinaus ermöglichen.

Dennoch dürfte dieser eine wesentliche Rolle spielen: Die EWF geht derzeit von elf zu verwirklichenden Anlagen aus. Das Investitionsvolumen beträgt laut EWF-Pressesprecherin Heike Bayerköhler in diesem Fall rund 50 Millionen Euro. Über eine Beteiligung an der bereits gegründeten „Windpark Gemünden GmbH“, die für Steuereinnahmen in der Kommune sorgen soll, könnten 25 Prozent dieser Summe von der Genossenschaft beigesteuert werden - mithin 12,5 Millionen Euro.

Nicht bedacht sind zudem die beiden bereits vorgestellten „Erweiterungen“ der Fläche auf dem Graurück, die in späteren Jahren umgesetzt werden könnten, obwohl sie laut Frank Gleim in den derzeitigen Planungen keine Berücksichtigungen finden. Sie eingeschlossen dürfte mittelfristig knapp die dreifache Menge der im Jahr 2011 ursprünglich vorgesehenen fünf bis sechs Windräder auf dem Graurück stehen.

Aus rechtlicher Sicht sind die Zeichen weiterhin gut: Die VEW lässt derzeit von einem Planungsbüro einen Genehmigungsantrag erarbeiten, der Anfang 2014 dem Regierungspräsidium zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Derzeit werden Schall- und Schattenwurfgutachten erstellt. Bedenken der Bundeswehr wurden schon vor längerer Zeit ausgeräumt, ohne positive Windhöffigkeitsgutachten wäre das Projekt nie so weit fortgeschritten und auch das vogelkundliche Gutachten sieht laut EWF positiv aus. Ein Uhu-Bestand und das Vorkommen von Rotmilanen gefährde höchsten den Standort eines Windrades.

Auch ein Ausschreibungsverfahren ist bereits durchlaufen - ein Hersteller steht laut Frank Gleim schon fest. Die VEW geht davon aus, dass die Gesamtanlage bereits in einem Jahr Strom liefern kann - nachdem schon im Winter mit dem zwingend erforderlichen Fällen der Bäume auf dem Graurück begonnen werden soll.

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