Ausschuss befürwortet geänderten Nutzungsplan

Bis zu 22 Windräder im Bromskirchener Wald

Direkt an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen stehen seit 1996 diese fünf Windräder. Sie sollen durch moderne Windkraftanlagen ersetzt werden. Geplant sind bis zu 17 weitere Windmühlen.Foto: Archiv

Bromskirchen - Bis zu 22 Windräder könnten nahe Bromskirchen gebaut werden: Das sieht der geänderte Flächennutzungsplan vor. Der Bau- und Planungsausschuss stimmte der Aufstellung von Bebauungsplänen für zwei Windparks zu.

Beide Flächen befinden sich im Wald westlich von Bromskirchen. Stimmt das Parlament am Freitag zu, können fünf seit 1996 existierende Windräder durch moderne Anlagen ersetzt werden, bis zu 17 weitere könnten gebaut werden - allerdings sei für jedes einzelne eine Baugenehmigung notwendig, erläuterte Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. Investor ist die Firma MLK Consulting, die die Anlage auch plant. Geschäftsführer Prof. Dr. Walter Delabar hatte schon im Januar mit Grundstückseigentümern verhandelt (FZ berichtete). Sie kommen überwiegend aus dem Wittgensteiner Land.

Die Planer standen den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort und informierten über Details. So soll zwischen den beiden Windparks ein 900 Meter breiter Korridor freigehalten werden. Er soll unter anderem Vögeln den Durchflug ermöglichen. Die Windräder, die in der Nähe von Wohngebieten stehen, könnten nachts in der Leistung reduziert werden, damit sie weniger Lärm erzeugen. „Das ist kein Problem, weil der Standort ideal ist“, erklärte Heinrich Lohmann von MLK. Tagsüber seien die Anlagen „in der Regel nicht hörbar.“

Lohmann stellte den Plan vor. Die neuen Windräder sind bis zu 220 Meter hoch und ragen über die Baumwipfel hinaus. Wichtig für den Standort sei, dass die bis zu 60 Meter langen Schwertransporter die Baustellen erreichen - und an den Standorten der Windräder muss dauerhaft eine ebene Fläche für Kräne zur Verfügung stehen. Die modernen Anlagen leisten bis zu 3,5 Megawatt, die alten bestehenden Windräder liefern 500 Kilowatt. „Das ist eine deutliche Leistungs- und Ertragssteigerung“, sagte Lohmann. Ein Grund seien die „enormen Windgeschwindigkeiten“ in großer Höhe. Der Strom würde am Umspannwerk in Battenberg ins Stromnetz eingespeist. Geplant sei eine Beteiligung der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), sagte Lohmann: „Wir möchten mit dem örtlichen Versorger zusammenarbeiten.“ Auch Anlieger können sich an den Anlagen beteiligen.

Die an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen stehenden Windräder sind nach heutigen Bestimmungen nicht mehr zulässig, weil sie zu nahe an Wohnhäusern in Wunderthausen stehen - früher war ein Abstand von 700 Metern, heute von mindestens 800 Metern zulässig. Im Zuge des so genannten „Repowering“ sollen die Standorte verändert werden. Südlich der bestehenden Anlagen könnten weitere Windräder gebaut werden, die Flächen befinden sich meist im Privatbesitz. Andere Gebiete westlich von Bromskirchen - nahe des Ferienhausgebiets - gehören dem Land Hessen.

Ob die insgesamt 113 Hektar große Fläche vollständig für Windkraft genutzt werden kann ist allerdings noch offen. Unter anderem haben Naturschützer schon Bedenken angemeldet: „Nicht zu letzt deshalb wird das Gesamtpaket Windenergie auch in einen östlichen und einen westlichen Geltungsbereich aufgeteilt“, heißt es in der Erläuterung für die Bromskirchener Gemeindevertreter.

Rainer Hozak vom Büro „Bioplan“ aus Höxter verwies unter anderem auf Vorkommen des Schwarzstorchs und des Roten Milans. Sie sollen durch die Windkraftanlagen möglichst wenig beeinträchtigt werden. Um Schwarzstorch-Horste gelte besonders strenger Schutz, der Abstand dürfe 3000 Meter normalerweise nicht unterschreiten - unter anderem durch den Korridor soll das aber abgemildert werden können.

Der Rotmilan sei derzeit sogar mehr gefährdet, weil die alten Windkraftanlagen niedriger gebaut sind - das sei für diese Vögel gefährlicher als die neuen mit größerer Nabenhöhe. „Das sind Luftschichten, in denen der Rotmilan nicht mehr fliegt.“ Insgesamt umfasste die „Artenschutzprognose“ 77 Arten, unter anderem Fledermäuse, die Haselmaus und die Wildkatze. Zum Teil seien noch weitere Prüfungen nötig, die bis Januar beendet sein sollen.

Die Gesamte Fläche gehört zum Vogelschutzgebiet „Hessisches Rothaargebirge“; ein Teil ist auch FFH-Gebiet und untersteht dadurch europäischen Naturschutzrichtlinien.

Die Entscheidung im Gemeindevorstand und im Bauausschuss, den Flächennutzungsplan zu ändern und die beiden Bebauungspläne für beide Flächen aufzustellen, fiel einstimmig. Das Gemeindeparlament befasst sich am Freitagabend mit dem Flächennutzungsplan und dem Bebauungsplan. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Bromskirchen.

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