Das Wetter im Frankenberger Land

Winterchen weicht dem Vorfrühling

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Schneeglöckchen klingen zwar nach Winter, sind aber einer der ersten Boten für den nahenden Frühling. Der hat es in diesem Jahr nicht schwer, sich durchzusetzen – es fehlt ihm schlichtweg der Gegner.Foto: Malte Glotz

Frankenberger Land - Ende Februar vertreiben Sonnenschein und milde Luft in vielen Jahren den Spätwinter aus Deutschland. In diesem Jahr fehlt ihnen der Gegner.

Kontrastreicher können zwei Winter kaum sein: Während im Jahr 2013 Schnee und Eis für viele Wochen Deutschland fest im Griff hatten, glänzen sie in 2014 fast durch völlige Abwesenheit. Zwar lag die Nordosthälfte Deutschlands Ende Januar und Anfang Februar für rund zwei Wochen unter dem Zustrom russischer Kaltluft. Dort gab es dann auch eine Serie von Dauerfrosttagen, vereiste Seen und Flüsse und einiges an Schnee.

In den übrigen Landesteilen fiel dieser Wintervorstoß allerdings schon deutlich zahmer aus, den ohnehin wärmebegünstigten Südwesten erreichte er gar nicht. So konnte man im Upland wenigstens rund um das große Weltcup-Wochenende Winterfreuden genießen und auch die anderen Berglagen präsentierten sich einige Male frisch verschneit. Doch schon zum Ende der ersten Februarwoche sorgten neue Atlantiktiefs mit Regen, Wind und milder Meeresluft für Tauwetter bis in höchste Lagen; vom Winter fehlt seitdem in Mitteleuropa fast jede Spur.

Die vielen milden Tage haben inzwischen auch in der Natur deutliche Spuren hinterlassen - Wiesen ergrünen, Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge blühen allerorten, zum Kummer aller Allergiker auch Weiden und Hasel. Auch in Zugvogelkreisen hat es sich mittlerweile längst herum gesprochen, das in Deutschland diesmal nur ein „Winterchen“ regiert und entsprechen früh sind sie alle wieder da: Lerchen singen, Milane kreisen, Kraniche sind schon in unzähligen, riesigen Trupps entlang der Täler nach Nordosten gezogen. In den frühen Morgenstunden wird das Konzert der Vogelstimmen täglich vielstimmiger und Frühlingsgefühle sind sowohl in der höheren Tierwelt als auch beim Homo Sapiens immer häufiger zu beobachten.

Das alles hat schon allein die bisherige milde Witterung ausgelöst, doch wie in fast jedem Jahr kommt nun der Vorfrühling zu einer ersten richtigen Stippvisite ins Land. Von Sonntag bis Dienstag zieht ein Hoch über Süddeutschland hinweg nach Osteuropa und in seinem Gefolge breiten sich blauer Himmel, Sonnenschein und milde Luft bis zu den Küsten von Nord- und Ostsee aus. Sie treffen dabei auf keinen nennenswerten Widerstand von Frau Holle und Väterchen Frost, die mit imposanten Auftritten weiterhin nur auf der nordamerikanischen Bühne glänzen. Hierzulande dürften dagegen ab Sonntag Biergärten und Straßencafes den ersten Ansturm der neuen Saison erleben, Jung und Alt können Inliner, Fahrräder und Skateboards aus dem Keller holen und manche Damen mag der staunenden Mitwelt schon die neuesten Modekreationen des Frühjahrs 2014 vorführen. Denn selbst im nicht gerade südländisch geprägten Waldeck-Frankenberg werden die Thermometer ihren steilen Anstieg erst weit jenseits der Zehn-Grad-Marke beenden. An windgeschützten, sonnigen Plätzen sind zu Wochenbeginn 15 Grad durchaus möglich. Was die Natur mit Sicherheit zu einem weiteren großen Sprung nach Vorne animieren wird: Erste Narzissen und Hyazinthen werden erblühen und auch an den Forsythien können sich schon Knospen öffnen.

Natürlich spüren viele Menschen dabei die Besorgnis, all diese Schönheit könnte einem jähen, heftigen Kälteeinbruch zum Opfer fallen. Auch 2013 gab es ja Anfang März den Vorfrühling, mit bis zu 15 Grad am 6. März, danach jedoch hielten Schnee und Eis das Land bis in den April hinein in eisigem Griff. Droht solch ein Szenario auch in diesem Jahr?

Grundsätzlich gehören Kaltluftvorstöße in jedem März zum Wetterrepertoire, der „März-winter“ kommt zwischen dem 5. und 10. März sogar mit großer Regelmäßigkeit. Selbst nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn am 21. März sind Schneegestöber und eisige Temperaturen immer noch möglich und manche zu früh erblühte Pflanze ist ihnen schon zum Opfer gefallen. Ausschließen lässt sich diese Gefahr auch in diesem Jahr nicht, doch ein großer Unterschied zu 2013 macht doch Hoffnung: Während damals weite Teile Skandinaviens und Russlands unter einer dicken Schneedecke lagen und von bitterem Frost beherrscht wurden, ist es auch dort, nach der hochwinterlichen Kälte Ende Januar, deutlich milder geworden.

Wenn uns also der Spätwinter nochmals mit Kaltluft heimsuchen will, kann das allenfalls auf dem Weg vom Nordmeer her geschehen. Und solche Wintervorstöße bleiben fast können einem Frühling, der bis dahin in Deutschland schon fest im Sattel sitzt, kaum mehr gefährlich werden. So müssen auch alle Närrinnen und Narren der Region, die bis Anfang März die tollen Tage feiern, nicht fürchten, dass aus dem diesjährigen „Winterchen“ am Ende noch ein böser, kalter Winter wird - den gibt es frühestens wieder ab November.

Von Roland Schmidt

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